Agrarkammer: Tschechische Landwirtschaft ist in der Krise
Die tschechische Agrarkammer (AK) fordert die Regierung auf, sich in einer Sondersitzung des Kabinetts mit der Lage der Bauern zu beschäftigen.
Die tschechische Landwirtschaft sei wegen der steigenden Kosten und niedrigen Kaufpreise in einer Krise, mahnte der AK-Vorsitzende Jan Doležal am Donnerstag auf der Jahrestagung in Olomouc / Olmütz. Der Staat müsse schnelle Schritte zur Stabilisierung beschließen, ansonsten drohe eine Schwächung der Lebensmittelsicherheit sowie der ländlichen Gebiete. Doležal wurde bei dem Treffen in seiner Funktion als Kammerpräsident wiedergewählt, er war der einzige Kandidat.
Die tschechischen Bauern hätten mit einer ungünstigen Kombination aus hohen Preisen für Energie, Kraftstoffe, Düngemittel, Technologie sowie für Kredite zu kämpfen, sagte Doležal weiter. Währenddessen stagnierten die Einnahmen für landwirtschaftliche Produkte. Der AK-Chef führte das Beispiel von Kuhmilch an, deren Kaufpreis in letzter Zeit sogar zurückgehe. Die Bauern würden deswegen auf rentable Produkte umsteigen.
Abhilfe schaffen könnten etwa steuerfreie staatliche Hilfsgelder oder finanzielle Erleichterungen bei der Sozialversicherung, schlug Doležal vor. Dies solle die Regierung bei einer Sondersitzung diskutieren.
„Im Staatshaushalt können der heutige geringfügige Rückgang der Einnahmen oder umgekehrt der Anstieg der Ausgaben für die strategischen Sektoren Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion vernachlässigt werden im Vergleich dazu, welche Folgen eine Tatenlosigkeit hätte“, proklamierte Doležal.
Der AK-Chef wandte sich dabei direkt an den anwesenden Landwirtschaftsminister Martin Šebestyán (parteilos). Dieser erkannte den Kostendruck auf die Landwirte an und sagte:
„Ich versichere Ihnen, dass wir dies auch auf europäischer Ebene auswerten. Falls Instrumente existieren, die dazu im Rahmen der EU angewendet werden können – zum Beispiel Krisenhilfen –, dann werden wir sie durchsetzen. Und ebenso werden wir darauf reagieren, was die anderen Staaten tun, damit die tschechischen Landwirte mindestens im mitteleuropäischen Raum nicht benachteiligt werden.“
AK-Präsident Doležal kritisierte diesbezüglich auch die bürokratischen Ansprüche der EU sowie die Regulationspolitik im Rahmen des Klimapaktes Green Deal.
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