Akademie der Wissenschaften: Größte tschechische Forschungsinstitution wird 20

Foto: Tomáš Adamec, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Die tschechische Akademie der Wissenschaften – sie ist die bedeutendste Forschungseinrichtung im Land. Hervorgegangen ist sie vor 20 Jahren aus ihrer tschechoslowakischen Vorläuferin. Doch dies ging einher mit einem radikalen Wandel und einer Modernisierung.

Gebäude der Akademie der Wissenschaften (Foto: Oleg Fetisow)
Im Dezember 1993 entstand die Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik. So wie der Staat wurden auch die gemeinsamen wissenschaftlichen Einrichtungen geteilt. Das heißt, man baute damals auf die Tschechoslowakische Akademie der Wissenschaften auf, die 1952 gegründet worden war. Doch die damalige Zeit des politischen Wandels bedeutete auch für die wichtigste Forschungsinstitution im Land einen dramatischen Umbruch. Der Biochemiker Václav Pačes stand vier Jahre lang der Akademie vor:

„Die Akademie der Wissenschaften wurde nach dem Jahr 1993 auf die Hälfte ihrer vorherigen Größe reduziert. 22 Forschungsstellen wurden geschlossen. Das ging einher mit einer enormen Qualitätssteigerung in der Forschungsarbeit. Heutzutage ist die Akademie eindeutig die beste wissenschaftliche Institution hierzulande. Obwohl sie sich der Größe nach mit der Prager Karlsuniversität vergleichen lässt, entstehen dort rund 40 Prozent der bedeutenden Ergebnisse in der tschechischen Wissenschaft.“

Rudolf Zahradník (Foto: Archiv Radio Prag)
Den Umbruch an der Institution leitete damals Rudolf Zahradník. Schon in kommunistischen Zeiten hatte er am Institut für Quantenchemie für eine ideologiefreie Atmosphäre gesorgt, wovon sich im Übrigen sogar Angela Merkel überzeugen konnte. Die heutige deutsche Bundeskanzlerin forschte in den 1970er Jahren sechs Monate bei Zahradník in Prag. Von 1993 bis 2001 konnte der anerkannte Chemophysiker seine Vorstellungen auch an der gesamten Akademie umsetzen. Das ging einher mit einem personellen Wandel. 1990 arbeiteten an den Instituten der Akademie auf tschechischem Boden insgesamt 12.000 Menschen, heute sind es nur noch 7700:

Helena Illnerová (Foto: Archiv Radio Prag)
„In solch einer Institution können nur Menschen arbeiten, die mit absolutem Einsatz die ganze Woche über der Wissenschaft dienen. Für eine so große Einrichtung braucht es ein kultiviertes Umfeld und Fleiß. Und das ist gelungen“, so Rudolf Zahradník.

Dass man für die Wissenschaft entbrannt sein muss, um an die Akademie zu gehen, zeigen auch die geringen Löhne. Helena Illnerová übernahm 2001 von Zahradník die Leitung der Institution. Die Biochemikerin sagt:

„Junge Angestellte beginnen hier bei 7000 bis 8000 Kronen im Monat. Dabei sind sie Hochschulabsolventen, und wenn sie anderswo hingehen würden, bekämen sie drei oder vier Mal so viel. Das müssen wir ändern.“

Illnerová verweist auch darauf, dass der tschechische Staat nur ein Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Wissenschaft und Forschung ausgibt. In Deutschland waren es 2012 zum Beispiel 2,8 Prozent. Und so ist es auch für den heutigen Vorsitzenden der Akademie wichtig, bei Politikern für seine Institution die Werbetrommel zu rühren. Der Physiker und Chemiker Jiří Drahoš übernahm 2009 die Geschicke der Akademie und möchte sie weiter modernisieren:

Jiří Drahoš (Foto: Marián Vojtek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Wir von der Akademie haben schon eine ganze Reihe von Politikern aus der sich formierenden Regierungskoalition über diese neue Strategie unterrichtet. So versuchen wir die Teamarbeit zwischen den 53 Instituten zu vertiefen. Damit soll die Effizienz und die Qualität der Forschung erhöht werden. Eines dieser Programme nennt sich zum Beispiel ‚Lebensqualität in Gesundheit und Krankheit‘, und die Themenpalette reicht von der Physiologie und Biomedizin bis zur Soziologie und Sozialwirtschaft des Alterns. Weitere solche Programme erarbeiten wir gerade, und ich hoffe die kommende Regierung davon zu überzeugen, die Gelder für die Akademie aufzustocken.“

Die Haushaltsverhandlungen im Abgeordnetenhaus für das kommende Jahr laufen im Übrigen noch.