Alles wie gehabt: Tschechien bezwingt die Slowakei im "Bruderkampf"

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"Prestigeduell", "Spiel des Jahres" oder auch "Spiel der Wahrheit" - all diese Slogans machten bis einschließlich Mittwoch in den slowakischen und tschechischen Gazetten die Runde, als es galt ein Fußballspiel anzukündigen, bei dem es eigentlich auch nur um drei Punkte ging. Aber es war halt die Begegnung der Slowakischen mit der Tschechischen Republik - zweier Staaten, die 75 Jahre miteinander vereinigt waren, bevor sie 1993 getrennte Wege gingen. Deshalb hat ein sportliches Kräftemessen seitdem stets den Touch eines Bruderkampfes, bei dem der Kleinere (Slowake) dem Größeren (Tschechen) nur allzu gern die Harke zeigt. Wie das EM-Qualifikationsspiel am Mittwoch in Bratislava ausgegangen ist, das verrät Ihnen nun Lothar Martin.

Tomas Rosicky  (Foto: CTK)
Mit den Tschechen und Slowaken verhält es sich tatsächlich wie im richtigen Leben: Der Größere war und ist immer schon da, wo der Kleinere gern (noch) hin will. Und so bewunderten die fünf Millionen Slowaken schon mehrfach die großen sportlichen Erfolge der zehn Millionen Tschechen in der Hoffnung, auch einmal wie Helden gefeiert zu werden. Im Eishockey ist ihnen das im Jahr 2002 mit dem WM-Titel auch schon eindrucksvoll gelungen, entsprechend lang und ausschweifend waren danach die Siegesfeiern. Doch im Fußball schienen sie den Anschluss verloren zu haben in den zurückliegenden dutzend Jahren, in denen die Tschechen EM-Vize (1996) und EM-Dritter (2004) wurden. Doch so wie die Tschechen mit ihrer insgesamt dürftigen Vorstellung bei der Weltmeisterschaft in Deutschland regelrecht aus allen Wolken fielen, so hatten die Slowaken mit der erreichten WM-Relegation ihren ersten kleinen Gipfel erklommen. Und da die Tschechen auch nach der WM weiter schwächelten, hoffte man im Tatra- und Donauland, den etwas überheblichen Nachbarn auch einmal im Fußball vom Sockel stoßen zu können. Die Realität nach den 90 Spielminuten aber sah dann doch wesentlich anders aus: Real Audio (Abschlusskommentar zum Spiel)

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Die Gründe für den überraschend klaren 3:0-Erfolg hat Tomas Rosicky, der neue Kapitän der tschechischen Auswahl, wie folgt gesehen:

"Wir haben vor allem taktisch sehr gut gespielt. Wir wussten, dass die Slowaken derzeit ein gutes und sehr talentiertes Team haben. Sie haben wirklich einen Schritt nach vorn gemacht. Doch heute waren wir besonders in punkto Kreativität überlegen. Ich denke, das hat den Ausschlag gegeben."

Jan Koller  (Foto: CTK)
Rosickys ehemaliger Mitspieler bei Borussia Dortmund, der Zwei-Meter-Hüne Jan Koller, nannte jedoch noch einen anderen Grund, weshalb die Slowaken überhaupt nicht zu ihrem Spiel gefunden hatten:

"Am wichtigsten war natürlich, dass es uns gelungen ist, sehr schnell zwei Tore zu schießen. Das würde auch andere Gegner zu Fall bringen, denn danach lief das Spiel ganz nach unserer Regie."

Das stimmt, doch woraus hatte sich die nach ihren letzten Spielen nicht zu Unrecht kritisierte tschechische Mannschaft auf einmal eine solche Motivation gezogen? Einen Motivationsschub nannte Tomas Rosicky nach der Partie im Gespräch mit slowakischen Journalisten:

"Selbstverständlich haben uns auch die vollmundigen Verlautbarungen eurer Spieler sehr geholfen. Mir als Kapitän hat das zum Beispiel in der Kabine die Arbeit erleichtert, denn ich musste überhaupt nichts sagen, um meine Mitspieler anzufeuern."

Autor: Lothar Martin
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