Andy Warhol: Meister der Pop-Art im Märchenschloss

Foto: Melanie Pfändler

Andy Warhol ist eine Ikone des 20. Jahrhunderts. Seit Samstag huldigt die Galerie im südböhmischen Schloss Hluboká dem Meister mit einer großangelegten Sonderausstellung – Pop-Art ausgerechnet an einem der romantischsten Orte in ganz Tschechien.

Foto: Melanie Pfändler
Schreiend bunte Portraits von Mao und Marilyn Monroe, Schallplatten-Cover für Velvet Underground und die Rolling Stones und weltberühmte Suppenkonserven: Kaum einer hat die wilden 60er Jahre so sehr geprägt wie Andy Warhol. Bob Dylan, Mick Jagger und Salvador Dalí feierten in seiner New Yorker „Factory“ rauschende Feste. Die Silberfolie, mit der Warhol sein berüchtigtes Atelier auskleiden ließ, knistert in den nächsten zehn Wochen in einem südböhmischen Märchenschloss. Die Renaissancefestung Hluboká gehört zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Südböhmens. „Andy Warhol: Zlatá šedesátá“ (Die Goldenen Sechziger) soll nun aber sämtliche Besucherrekorde brechen. Initiator Daniel Hovorka nennt gleich drei Gründe dafür:

Andy Warhol (Foto: YouTube)
„Einerseits trägt dazu die Herkunft von Warhol bei: Seine Eltern stammten aus der ehemaligen Tschechoslowakei. Da besteht also eine gewisse nationale Identifikation. Zweitens ist es etwa 15 Jahre her, dass in Südböhmen eine Warhol-Ausstellung stattgefunden hat – was bedeutet, dass eine ganze Generation noch nicht die Gelegenheit hatte, ihn zu sehen. Und drittens – und das würde mich persönlich am meisten freuen, wenn die Leute deshalb kämen – ist es schon etwas Besonderes, dass hier eine Ausstellung von Weltformat gezeigt wird.“

Foto: Melanie Pfändler
Tatsächlich: Mao, Marilyn und die Campbell-Suppen – alle sind sie da, ergänzt um persönliche Gegenstände des Künstlers. Ein Jackett, ein Fotoapparat sowie eine extravagante, goldene Sonnenbrille. In einer Ecke der ehemaligen Schlossreithalle kann man sich unter Aufsicht von Lenka Vrlíková sogar gleich selbst als Pop-Artist versuchen.

„Die Besucher haben bei uns die Möglichkeit, ein T-Shirt oder ein Plakat zu bedrucken. Sie können dabei die Technik des Siebdrucks ausprobieren. Diese Technik hat Warhol für fast alle Plakate verwendet, die hier zu sehen sind“, sagt Vrlíková.

Foto: Melanie Pfändler
Die meisten Ausstellungsstücke stammen aus Privatsammlungen oder sind Leihgaben des Andy-Warhol-Museums im slowakischen Medzilaborce. In den 20er Jahren war das Dorf nahe der polnischen und der ukrainischen Grenze Heimatort der Familie Warhola. Deren jüngster Sohn Andrej sollte Jahrzehnte später Weltruhm erlangen. Noch vor seiner Geburt emigrierte die Familie in die USA. Mit seinen tschechoslowakischen Wurzeln blieb der große Künstler jedoch ein Leben lang verbunden.

„Seine beiden älteren Brüder wurden noch in der Slowakei geboren, er kam in Pittsburgh auf die Welt. Als er später nach New York umzog, folgte ihm seine Mutter etwa fünf Jahre später und wohnte bis zu ihrem Lebensende bei ihm. Zuhause haben sie ausschließlich Slowakisch miteinander gesprochen“, weiß Miroslav Houška, Kurator der Ausstellung.

Miroslav Houška (Foto: Archiv der Südböhmischen Aleš-Galerie)
Das einzige Exponat, auf das die Organisatoren kurzfristig verzichten mussten, ist das Bild „Hammer und Sichel“ aus dem Jahr 1976. Miroslav Houška hätte es gerne neben Warhols Abbild von Lenin gehängt. Doch dann machte ein unerwartetes Ereignis dem Kurator einen Strich durch die Rechnung: Ende April ereignete sich in der Nähe des Prager Nationaltheaters eine Gasexplosion. Die Galerie, die das Bild zur Verfügung stellen sollte, wurde dabei fast vollständig zerstört.

So bedauerlich der Verlust auch ist: Die ersten Besucher scheint diese Lücke wenig gestört zu haben. 450 Neugierige kamen zur Vernissage und haben zu Ehren Warhols 28 Liter Campbell-Suppe verspeist. Wenn das mal kein guter Anfang ist.


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Andy Warhols schrille Welt ist noch bis Ende September in der Alšova jihočeská galerie (Südböhmische Aleš-Galerie) in Hluboká nad Vltavou zu sehen. Die Galerie ist in der ehemaligen Schlossreithalle direkt neben der Orangerie untergebracht und täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 120 Kronen (knapp fünf Euro), beziehungsweise 80 Kronen (etwa drei Euro) für Studenten und Senioren.