Biennale im Koffer: Tschechische Zentren schicken Grafikdesign auf Reisen

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In unseren Sendungen berichten wir regelmäßig aus den tschechischen Zentren in den deutschsprachigen Ländern. Es gibt aber auch die Zentrale in Prag, und dort befinden sich nicht nur Büros, sondern auch Ausstellungsräume. Im September ist dort die Wanderausstellung Bienále v kufru (Biennale im Koffer) zu sehen. Es geht dabei um graphische Leckerbissen aus den Jahren 1964 bis heute, die auf der Brünner Biennale des Grafikdesigns zu sehen waren.

Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Prag
Es sind hunderte Exponate, und alle hängen sie mit Grafik zusammen. Umschläge, Verpackungen, Schilder und Kataloge aber auch Bilder und Zeichnungen: Die Mährische Galerie in Brünn / Brno hat die Wanderausstellung gemeinsam mit den Tschechischen Zentren vorbereitet. Zu sehen sind Arbeiten, die in den vergangenen Jahrzehnten auf der Grafikdesign-Biennale in Brünn ausgestellt waren. Zusammengestellt wurde die Sammlung von der Kuratorin Marta Sylvestrová:

„Ich habe mir Mühe gegeben, dass die Wanderausstellung in erster Linie visuell attraktiv ist. Die Biennale in Brünn wurde 1963 vom Brünner Grafiker Jan Rajlich gegründet mit Unterstützung des damaligen Direktors der mährischen Galerie Jiří Hlušička. Diese Veranstaltung hat sich im Laufe der Zeit von einem Wettbewerb zu einem Festival der visuellen Kommunikation gewandelt. Dort finden nun, neben dem Wettbewerb, eine Reihe begleitender Ausstellungen statt, die sowohl die Geschichte des Grafikdesigns als auch aktuelle Trends dokumentieren.“

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Die Biennale in Brünn findet im Zweijahresrhythmus statt. 1964 war sie zwar eine Ausstellung von Propagandazeichnungen und offiziellen Plakaten, konnte sich aber im Laufe der politischen Entspannung in den 1960er Jahren ein internationales Renommee erarbeiten. Erstaunlicherweise behielt sie dieses auch in der bleiernen Zeit der Normalisierung bei, also in der Zeit der Säuberungen nach dem Prager Frühling 1968. In Europa genießt sie einen hervorragenden Ruf im Grafikbereich und steht nicht nur tschechischen Designern, sondern Teilnehmern aus der ganzen Welt offen. Dies dokumentiert die Kuratorin im historischen Teil der Wanderausstellung „Bienale v kufru“:

Plakat von Andy Warhol für das Filmfestival im Lincoln-Center in New York
„Aus der Geschichte der Biennale habe ich die bekanntesten Persönlichkeiten ausgewählt. Dazu gehören Ikonen des Grafikdesigns, die im Laufe der Jahre die Biennale mit ihren Werken bereichert haben. Es ist eine Regel, dass die Künstler ihre Arbeiten nach dem Ende des Wettbewerbs an die Mährische Galerie spenden. Die Besucher können sich daher zum Beispiel ein Plakat von Andy Warhol für das Filmfestival im Lincoln-Center in New York aus dem Jahr 1974 ansehen. Es ist ein Plakat in Form einer Kinoeintrittskarte, das im Siebdruckverfahren hergestellt wurde. Es sind aber auch Buchkollagen von Max Ernst zu sehen und viele weitere Werke bekannter Namen aus dem Bereich des Designs, zum Beispiel des Österreichers Stefan Sagmeister.“

Daneben sind weitere internationale Exponate aus der Schweiz und den Niederlanden, aber zum Beispiel auch vom amerikanischen Designer Saul Bass zu sehen. Natürlich werden auch Werke tschechischer Künstler gezeigt, wie etwa von Josef Týfa, der in den 1930er Jahren für den Schuhhersteller Baťa und die Brauerei Pilsner Urquell Werbung schuf.

Jolana Součková
Nach der Zeit in Prag soll die Ausstellung auf Reisen ins Ausland gehen. Dies werden die Tschechischen Zentren übernehmen, deren Aufgabe es ist, die tschechische Kultur international vorzustellen. Die Direktorin der Zentren, Jolana Součková, erklärt die weiteren Stationen der Reise:

„Die Tschechischen Zentren sind bereits vor einem Jahr mit dem Projekt in Kontakt gekommen. Wir haben dann mit der Mährischen Galerie vereinbart, dass sie für uns eine Wanderausstellung vorbereiten. Wir werden die Ausstellung also nicht nur in Prag zeigen. Zunächst einmal geht sie in die Zentren nach Wien und Den Haag. Und Kollegen aus anderen Zentren überall auf der Welt haben schon Interesse angemeldet, diese wunderbare Kollektion bei ihnen zu zeigen.“

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Obwohl die Brünner Biennale für Grafikdesign international einen guten Ruf hat, sind ihre Exponate im Ausland bisher nur in einzelnen thematischen Ausstellungen zu sehen gewesen, zum Beispiel in einer Schau von tschechischen Filmplakaten. Die „Bienale v kufru“ ist nun etwas Besonderes, betont Součková:

„Eine solch komplette Darstellung der Brünner Biennale und ihrer fast 50-jährigen Geschichte kann dank den Tschechischen Zentren nun zum ersten Mal stattfinden. Und die Mährische Galerie hat dadurch das erste Mal die Gelegenheit, ihre bedeutendste internationale Aktion auch direkt im Ausland zu präsentieren.“

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Die Ausstellung wird im Ausland auch nicht die gleichen Exponate zeigen wie derzeit in Prag. Im Fundus der Mährischen Galerie befinden sich nämlich Arbeiten von Künstlern aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt. So können im jeweiligen Gastgeberland immer die lokalen Künstler in Szene gesetzt werden. Jolana Součková:

„Ich verrate nichts Geheimes: Wir verhandeln gerade mit dem Botschafter in Algerien über eine Möglichkeit, die Wanderausstellung auch in diesem Land zu zeigen. Dazu habe ich mit Frau Sylvestrová die Möglichkeit besprochen, dort die Werke arabischer Autoren aus den vergangenen Biennale-Wettbewerben zu zeigen.“

Marcel Duchamp: „Schachtel im Koffer“
Der Name „Bienále v kufru“, also „Biennale im Koffer“, steht aber nicht nur für die Mobilität der Wanderausstellung. Er ist vielmehr eine Hommage an Marcel Duchamps Werk „Schachtel im Koffer“, eine Art tragbares Künstlermuseum. Marta Sylvestrová erläutert den Hintergrund:

„Marcel Duchamp hat in den 1930er, 1950er und 1960er Jahren Repliken seiner eigenen, bekanntesten Werke geschaffen und sie in einen Koffer gesteckt. Dieses Projekt hat er ‚Box in a suitcase’ getauft. Und seine Koffer wurden ein gefeiertes Kunstwerk. Es war unsere Idee, das Konzept der Ausstellung, das sich der Designer Radim Peško ausgedacht hat, mit den bekannten und gefeierten Exponaten von Duchamp zu verbinden.“

Radim Peško ist ein international bekannter tschechischer Designer. Er ist der derzeitige Vorsitzende des Organisationsausschusses der Brünner Biennale und hat das Konzept für die Wanderausstellung gemeinsam mit Adam Macháček, Tomáš Celizna und Marek Pokorný entworfen.

In der Ausstellung sollen aber nicht nur die Werke von Designern und Künstlern gezeigt werden, die Besucher sollen auch die Möglichkeit zur Diskussion haben, so Marta Sylvestrová:

„Wir haben mit den Grafikern, die den visuellen Stil der Biennale in Brünn geprägt haben, ein Treffen in Prag vorbereitet.“

Die Veranstaltung wird am 26. September stattfinden. Teilnehmen werden bekannte tschechische Grafiker wie Rostislav Vaněk, Aleš Najbrt, Robert V. Novák, Adéla Svobodová und Tereza Hejmová.


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Die Ausstellung „Bienále v kufru“ ist noch bis zum 29. September im Tschechischen Zentrum Prag in der Rytířská-Straße 31 zu sehen, die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr, sonntags und montags sind die Räumlichkeiten geschlossen.