Anführer einer Drogenbande in Liberec-Reichenberg verhaftet

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Die Drogenbosse kommen bekanntlich zu oft ungeschoren davon. Die Polizei fängt zumeist nur die kleinen Fische, aber die, die sich am Handel mit Narkotika wirklich bereichern, leben weiterhin ihr ausschweifendes und ungestörtes Leben. Hin und wieder jedoch - und das passierte in Tschechien gerade vor wenigen Tagen - gelingt es, auch ganze Gangs zu splitten und die Bosse zu fangen. Über den letzten Polizeierfolg berichtet Daniela Kralova.

Ganze acht Jahre hat die Operation "Rob" gedauert. Die Arbeit von Hunderten von Polizisten aus sieben Ländern führte aber letztendlich doch noch zum Erfolg: Die Bande, die seit Jahren den westeuropäischen Markt mit harten Drogen belieferte, ist jetzt paralysiert: Im nordböhmischen Liberec-Reichenberg wurden fünf Anführer festgenommen, unter ihnen auch der Boss und sein Hauptkomplize.

Über den Umfang der kriminellen Tätigkeit dieser Bande informierte Radio Prag die Sprecherin des Tschechischen Polizeipräsidiums, Ivana Zelenakova:

"Bei der Festnahme der beschuldigten Männer und einer Frau stellte die Polizei 31 Kilo Heroin fest. Das ist die Menge, die wir nachweisen konnten. Unseren Schätzungen zufolge handelte die Gang aber mit Heroin in Mengen, die Hundert Kilo übersteigen. Vielleicht ging es sogar um mehrere Hundert Kilogramm dieser Droge."

Die beiden Hauptakteure des Drogenhandels sind für die tschechische Polizei keine Unbekannten mehr: Sowohl der Boss - der Kosovo-Albaner Rexhep Sejdij - als auch sein tschechischer Komplize saßen bereits zweimal aufgrund von Drogendelikten in Haft: Verurteilt wurden sie aber noch nie und die Richter ließen sie insgesamt viermal gegen Kaution wieder frei.

Der jüngste Erfolg wirft eine Frage auf: Wie ist es möglich, dass zwei bedeutende Drogendealer bereits zweimal freigelassen wurden? Als Grund weisen viele Richter schon seit längerem auf die überforderten Gerichte hin. Für den Chef der polizeilichen Drogenzentrale, Jiri Komorous, steht dennoch fest: Die beiden werden jetzt nicht mehr entkommen. Und somit werde Tschechien auch nicht mehr zu den Ländern gehören, in denen die Drogenmafia mit Vorliebe ihre Basen und Zwischenstationen aufbaut.

Ob diese Verhaftung aber tatsächlich die erwünschte Wirkung erreicht, bleibt abzuwarten. Durch die Tschechische Republik führt nämlich schon seit Jahren der sogenannte Balkanweg, auf dem Heroin über die Türkei nach Westeuropa kommt. Darüber hinaus wandelte sich das Land in den letzten Jahren vom Transit- in zum Zielland des Drogenhandels. Heroin ist hierzulande gut und billig und übt eine starke Anziehungskraft auf die Drogenabhängige aus den westlichen Nachbarländern aus.

Autor: Daniela Kralova
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