Antiziganismus in Tschechien: Hasskommentare richten sich vor allem gegen Frauen
Wenn es um Hasskommentare gegen die Roma-Minderheit in Tschechien geht, werden vor allem Frauen zur Zielscheibe.
Dass Romnja in Tschechien das häufigste Ziel von antiziganischen Äußerungen sind, hat ein Monitoring der NGO Ara Art ergeben. Es wurde im Rahmen des Projektes „Oda Na Kames“ durchgeführt, für das Ara Art EU-Mittel bezieht. Die Ergebnisse wurden am Mittwoch der Öffentlichkeit vorgestellt.
Analysiert wurde die Haltung gegenüber Roma, die Menschen im Internet und im Alltagsleben äußern. Es zeigte sich, dass in Diskussionen unter Artikeln oder in Kommentaren in den sozialen Netzwerken hierzulande die Angehörigen dieser Minderheit oft der unterschiedlichsten Straftaten oder des Missbrauchs von Sozialhilfe verdächtigt werden. Im Alltag wiederum werden Roma laut Studie häufig bei der Arbeits- oder Wohnungssuche diskriminiert. Für Ara Art erläuterte die Rechtsexpertin Andrea Bučková:
„Von Dezember 2023 bis Juli 2025 haben wir in insgesamt etwa 150.000 Kommentaren 10.644 romafeindliche Äußerungen registriert. Wir haben sie mit einer speziellen App aufgespürt, die nach 23 Schlüsselbegriffen sucht. Im digitalen Raum werden Stereotype konserviert, mit denen die Roma-Minderheit seit langem zu kämpfen hat.“
Diskriminierende Angriffe etwa in Schulen, Krankenhäusern oder auf der Arbeit werden von Roma nur selten angezeigt. Der NGO zufolge funktioniert das bestehende Antidiskriminierungsgesetz in Tschechien nur unzureichend. Von den 100 Zivilgerichtsverfahren, die in den Jahren 2020 bis 2024 auf seiner Grundlage geführt wurden, seien nur fünf zugunsten der Klägerseite ausgegangen, so die Information von Ara Art.
„Es liegt in der Verantwortung des Staates, auf Hassäußerungen zu reagieren und sich mit ihrer Prävention sowie ihrer Dokumentation zu befassen“, so die Mahnung von Viktor Kundrák, Abteilungseiter für Menschenrechte und Minderheitenschutz beim tschechischen Regierungsamt.
In Tschechien gibt es keine langfristig erhobenen Daten zu den hier lebenden Roma. Laut aktuellstem Jahresbericht zur Lage der Roma-Minderheit beträgt ihre Zahl rund 250.000. Älteren Regierungsdokumenten zufolge ist etwa die Hälfte von ihnen von sozialer Ausgrenzung betroffen. Bei der letzten Volkszählung bekannten sich etwa 21.700 Teilnehmer zur Roma-Minderheit.
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