Bayerisch-tschechisches Projekt: Auf Rad- und Wanderwegen gemeinsame Geschichte kennenlernen

Žihobce

Am Freitag wird im Freilichtmuseum Finsterau im Bayerischen Wald das deutsch-tschechische Projekt „Lamberg-Pfad“ (Lamberská stezka) präsentiert. Was sich dahinter verbirgt, erläutert Heinrich Vierlinger von der Gesellschaft für grenzenlose Kultur und Geschichte im folgenden Interview. 

Herr Vierlinger, am Freitag wird im Freilichtmuseum in Finsterau im Bayerischen Wald das deutsch-tschechische Interreg-Projekt „Lamberská stezka“ präsentiert. Sie vertreten dabei den Projektpartner auf bayerischer Seite. Was steht auf dem Programm?

Heinrich Vierlinger | Foto: Martina Schneibergová,  Radio Prague International

„Wir hatten kurz vor Ostern eine Präsentation in Žihobce für die beteiligten tschechischen Gemeinden. Nun sollen die Vertreter der bayerischen Gemeinden, darunter die Bürgermeister und Tourismusfachleute inklusive des Bezirkstagspräsidenten Olaf Heinrich, informiert werden. Dem Projekt haben sich acht Gemeinden in Böhmen angeschlossen, die vor 300 Jahren von den Grafen Lamberg gegründet worden sind. In Bayern haben die Lambergs etwa die gleiche Anzahl von Gemeinden gegründet. Diese hat sich auf drei verringert, weil während der Zeit einige Gemeinden zusammengelegt worden sind.“

Wie werden die Gemeinden aus Böhmen und Bayern zusammenarbeiten?

„Wir haben 2022 mit der Planung der Zusammenarbeit begonnen. Initiiert hat sie damals der Altbürgermeister von Žihobce, Karel Baumruk. Er ist auf die Gesellschaft für grenzenlose Kultur und Geschichte gestoßen, deren Geschäftsführer ich bin. Er lud mich damals ein, und seitdem bin ich der Ansprechpartner für das Projekt in Bayern.“

Was bedeutet das Projekt für die Bewohner sowie die Besucher der beteiligten Gemeinden?

„Eines der großen Ziele des Projektes ist es, zu erreichen, dass man voneinander wieder weiß. Dazu werden deutsch-tschechische Hinweistafeln erstellt. Diese werden mit den entsprechenden QR-Texten versehen, aus denen die gemeinsame Geschichte hervorgeht. Wir finden es wichtig, den Menschen auf bayerischer und böhmischer Seite der Grenze zu vermitteln, dass es so etwas gegeben hat – dass eine gräfliche Familie, deren Mitglieder Karriere als Fürstbischöfe und Kardinäle in Passau gemacht haben, Besitztümer auf beiden Seiten der Grenze hatte. Das ist der erste Punkt. Und der zweite Punkt ist, dass die Gemeinden sich vernetzen. Auf böhmischer Seite werden sie durch einen Wander- und einen Radweg verbunden. Auf bayerischer Seite gibt es dann einen Wander- und einen Radweg von der tschechischen Grenze über die Gemeinden Mauth und Philippsreut bis Haidmühle. Das Ziel sind zudem gegenseitige Besuche. Vereine und Wandergruppen sollen ermuntert werden, die Gemeinden auf der anderen Seite der Grenze zu besuchen. Es soll daraus eine völkerverbindende Aktion werden.“

Rabí | Foto: Radio Prague International

Ich denke, dass Sie bestimmt Žihobce oder einen der weiteren Lamberg-Orte in Böhmen inzwischen besucht haben…

„Ja, ich kenne Žihobce und auch einige der anderen Orte – Rabí, Nezamyslice oder Strašín, wo ich in der dortigen Wallfahrtskirche war. Ich bin gut informiert, aber es kann natürlich noch besser werden.“

Sie organisieren selbst auch Wanderungen und Reisen nach Tschechien. Haben Sie schon konkrete Pläne für eine Wanderung nach Žihobce oder Rabí?

„Ja, wir werden die Pläne bei der Präsentation vorstellen. Wir haben vor, mit einer Radgruppe im August die Lamberg-Gemeinden in Böhmen zu besuchen. Wir bemühen uns, dafür Werbung zu machen, sodass es wirklich auch Leben bekommt.“