Bedřich Smetana: Die Moldau

/hudba/buklety/smetana_vltava_de.jpg
0:00
/
0:00

Wenn es in der Musik ein Werk gibt, das die tschechische Identität ohne großes Pathos und Nationalismus auszudrücken und zu symbolisieren vermag, dann ist es sicher „Mein Vaterland“. Und am bekanntesten daraus ist „Die Moldau“.

Partitur (Quelle: Archiv des Nationalmuseums in Prag, CC BY-NC-ND 4.0)

Der Zyklus sinfonischer Dichtungen „Mein Vaterland“ entstand in den Jahren 1874 bis 1879. „Die Moldau“ wurde im Laufe von nur drei Wochen geschaffen, trotz sehr bewegter Umstände. Am Ende des Manuskripts steht eine ziemlich drastische Anmerkung von Bedřich Smetana: „Völlig ertaubt!“ Trotzdem schuf der Komponist eine Partitur von höchster Qualität, deren Klänge die Tschechen im Alltag und bei besonderen Anlässen, in guten wie in schlechten Zeiten begleiten – und das bis heute.

Sankt-Johann-Stromschnellen (Quelle: Archiv von Jan und Blanka Reichardt)

„Die Moldau“ ist der zweite Teil aus Smetanas Zyklus. Die Komposition schildert musikalisch den Lauf des bekanntesten böhmischen Flusses, angefangen bei den beiden Quellen, dann auf seinem Weg durch den Wald, in dem gerade eine Jagd stattfindet, sowie vorbei an einem Dorf, in dem eine typische böhmische Hochzeit gefeiert wird. In der nächtlichen Natur geht der Mond auf und beleuchtet die Silhouetten alter Burgen. Es folgt eine dramatische Episode der heute nicht mehr existierenden Sankt-Johann-Stromschnellen. Die Komposition gipfelt, als der Fluss an der altertümlichen Burg Vyšehrad vorbei und durch Prag fließt. Abschließend strömt die Moldau ihrem Zusammenfluss mit der Elbe entgegen.

Bedřich Smetana auf dem Bild von Josef Matthauser (Quelle: Archiv des Nationalmuseums in Prag, CC BY 4.0)

Der Hauptsinn dieser wohl populärsten tschechischen Komposition ist Smetanas Wunsch, die Natur in Böhmen zu feiern, die er als untrennbarer und herrlicher Teil des Lebens in seiner Heimat ansah.

Nach manchen Ansichten handelt es sich bei einer der Hauptmelodien um eine Transposition des tschechischen Volkslieds Kočka leze dírou in eine Moll-Tonart. In Schweden, wo der Komponist mehrere Jahre lebte, ist man hingegen überzeugt, dass Bedřich Smetana von der schwedischen Volksmusik ausgegangen ist.

Auf der anderen Seite hat „Die Moldau“ auch andere beeinflusst. So soll eines der Motive aus dem Stück angeblich Samuel Cohen bei der Komposition der israelischen Nationalhymne Hatikvah inspiriert haben.

Zudem war diese sinfonische Dichtung im US-amerikanischen Film „The Tree of Life“ von 2011 zu hören. Und mit den Klängen wurden viele Jahre lang auch die Reisenden an Bord der tschechischen Fluggesellschaft Czech Airlines begrüßt. Das könnte den Eindruck entstehen lassen, das Musikstück sei gewissermaßen abgenudelt. Das zu glauben ist aber ein Fehler, denn „Die Moldau“ gehört zu jenen Kompositionen, die man nicht oft genug spielen kann.

Der Zyklus „Hits der klassischen Musik“ beruht auf einem Projekt von Lukáš Hurník und Bohuslav Vítek zu den „Hits des Jahrtausends“, das der Kultursender Tschechischer Rundfunk – Vltava ausgestrahlt hat.

author: Radio Prag International
abspielen

Verbunden