Beginn des Tourismus: Riesengebirgsmuseum zeigt Geschichte des Wanderns

Foto: Martina Schneibergová

Die Stadt Jilemnice / Starkenbach liegt im westlichen Vorland des Riesengebirges. Jilemnice ist ein beliebter Ausgangspunkt für Ausflüge in die Berge. Im Riesengebirgsmuseum des Ortes ist derzeit eine Ausstellung zu sehen über die Geschichte des Wanderns in den Böhmischen Ländern.

Gebäude des Riesengebirgsmuseums
Das Riesengebirgsmuseum in Jilemnice entstand bereits 1891. Seinen Sitz hat es im Schloss der Grafen Harrach unweit vom Marktplatz des Ortes. Die Sammlungen sind seit der Museumsgründung stark erweitert worden, sagt Museumsleiter Jan Luštinec:

„Im Museum gibt es einige thematische Dauerausstellungen. Wir bemühen uns, ein buntes Bild vom Riesengebirge zu vermitteln. Dabei dokumentieren wir nicht nur die Geschichte des Riesengebirges, sondern beispielsweise auch die Geschichte des Skisports in den Böhmischen Ländern. Im Schloss sind zudem die Gemächer des Grafen Johann Nepomuk Harrach zu sehen. Er war ein großer Kunstmäzen und hat zur Entstehung des Skisports hierzulande beigetragen. So brachte er aus Norwegen Skier mit und gründete in Jilemnice eine Skiherstellung. Dies führte zu einem großen Boom dieses Sportes. In Jilemnice entstand 1895 der überhaupt erste Skiverein der Böhmischen Länder. Dieser Verein ist bis heute aktiv.“

Die Geschichte des Skisports ist das Thema einer großen Dauerausstellung im Museum. Zu den Exponaten gehören nicht nur zahlreiche Beispiele historischer Skiausrüstungen, sondern auch Medaillen, die die Sieger der ersten internationalen Skiwettbewerbe im Riesengebirge erhielten.

Im Museum geht es aber nicht nur um den Wintersport. Eine Art Pendant zur Dauerausstellung über die Geschichte der Skifahrt stellt eine neue zeitlich begrenzte Ausstellung dar. Sie wurde anlässlich des 125. Jubiläums des Tschechischen Wandervereins eröffnet, erzählt Jan Luštinec:

„Das Riesengebirge war schon immer ein Paradies für Wanderer. 1888 wurde der Tschechische Wanderverein gegründet. Gleich ein Jahr später entstand seine Zweigstelle im Riesengebirge. Jilemnice spielte also eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Tourismus bei uns. Es ist kein Zufall, dass gerade in unserer Stadt ein feierliches Wandertreffen anlässlich des Jubiläums stattfand. An diesem Treffen nahmen auch viele Besucher aus Deutschland teil.“

Die neue Ausstellung über das Wandern in den Böhmischen Ländern fängt mit alten zweisprachigen Wegweisern an, auf denen jedoch die Entfernung nicht in Kilometern angegeben war Der älteste erhaltene Wegweiser stammt aus dem Jahr 1890:

„Die Wegweiser sahen damals anders aus als heutzutage. Sie waren mit einem kleinen Dach versehen, damit sie gegen Wettereinflüsse geschützt waren. Ursprünglich wurde die Entfernung in Schritten angegeben, und zwar in der Einheit Tausend Schritte. Darunter können wir uns heute kaum noch etwas vorstellen. Für die Wegweiser wurde grundsätzlich weiße und rote Farbe genutzt. Man hatte festgestellt, dass diese beiden Farben bei Dämmerung am besten zu sehen sind. Erst später begann man, auch andere Farben zu nutzen, wie man es heute kennt.“

In der Zwischenkriegszeit wurde die Entfernung auf den Wegweisern in Stunden und Minuten angegeben. Einige Beispiele sind auch in der Ausstellung zu sehen.

Der Tourismus sei vom Ende des 19. Jahrhunderts in der Region vielseitig gefördert worden, erzählt der Museumsleiter:

„Der Grund, warum der Tourismus unterstützt wurde, war der wirtschaftliche Gewinn für die Bewohner des Riesengebirges. Sie haben den Wanderern Unterkunft angeboten. Die Zahl der Gaststätten stieg rasant an. Und man begann auch verschiedene Souvenirs für die Touristen zu produzieren. Am bekanntesten sind die Figuren von Rübezahl in allen Größen. Ebenso wurden hier viele Rucksäcke verkauft. Populär waren aber auch kleine Ski, Wegweiser und vor allem Ansichtskarten. Damals entstanden mehrere tschechisch oder deutsch geschriebene Reiseführer. Nicht zuletzt profitierten auch die Bahn, die Kutscher und die Träger von dem Tourismusboom. Häufig ließen sich die Damen im Riesengebirge tragen. Die Träger mussten natürlich in guter körperlicher Verfassung sein, aber sie verdienten gut dabei. Ein Träger verdiente an einem Tag deutlich mehr als zum Beispiel ein Arbeiter bei der Rübenernte in der Gegend von Königgrätz.“

100 Jahre alte Speisekarten
Die Träger mussten nicht nur stark sein, sondern sich auch im Riesengebirge gut auskennen. Interessenten für diese Tätigkeit mussten sogar eine Prüfung ablegen, sagt Jan Luštinec.

Zu den Exponaten gehören auch 100 Jahre alte Speisekarten aus den Riesengebirgsbauden:

„Der Großteil der Exponate stammt aus unseren Sammlungen. Ich bin davon überzeugt, dass viele heutige Wanderer begeistert wären von den Gerichten, die die Gastwirte damals serviert haben. Vorherrschend war die Küche aus der Region. So gab es zum Beispiel Preiselbeer- und Heidelbeerkompotte, beliebt waren auch Heidelbeerkuchen. Viel verkauft wurden verschiedene Kräuterliköre. Saft wurde unter anderem aus Lerchenzapfen gemacht. Es gab viele Pilzgerichte. Mein Urgroßvater lieferte beispielsweise eingeweckte Pilze an mehrere hiesige Gaststätten, das waren vor allem Reizker. An manchen Orten gab es wiederum hervorragendes Wasser. Gaststätten wurden dadurch bekannt, dass sie einen besonders guten Kaffee anboten, weil sie hervorragendes Quellenwasser nutzten.“

In der Ausstellung wird die Aufmerksamkeit auch auf einige Persönlichkeiten gelenkt, die sich um die Entwicklung des Tourismus verdient gemacht haben. Zu ihnen gehört Graf Johann Nepomuk Harrach. Mehr über ihn sowie über die Dauerausstellung über die Geschichte des Skisports bringen wir in der nächsten Ausgabe des Reiselands Tschechien.

Die Ausstellung über die Geschichte des Wander-Tourismus ist bis 10. März im Riesengebirgsmuseums in Jilemnice zu sehen. Danach wird sie durch eine Ausstellung zum 100. Todestag des namhaften tschechischen Skisportlers Bohumil Hanč und seines Freundes Václav Vrbata ersetzt.

Fotos: Martina Schneibergová

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