Betrug mit Turbo-Taxameter – tschechische Taxifahrer erneut in Kritik

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Die Taxifahrer in Prag und weiteren tschechischen Städten haben nicht den besten Ruf. Immer wieder nutzen sie Tricks, um vor allem ausländischen Gästen mehr Geld abzuknöpfen, als die Fahrt eigentlich kosten würde. Nun hat der Fall eines schwedischen Touristen die Diskussion erneut ins Rollen gebracht.

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Es war eine Taxi-Fahrt in Prag. Dem schwedischen Touristen fiel auf, wie immer wieder der Kronenbetrag auf dem Taxameter plötzlich sprungweise anstieg. Dazu drückte der Taxifahrer beim Schalten auf einen ominösen Punkt unter der schwarzen Ummantelung des Schalthebels. Pech aber für den Fahrer, der Besucher der tschechischen Hauptstadt filmte dies heimlich mit seinem Handy. Und er notierte sich die Zulassungsnummer des Fahrers.

Jiří Kvasnička (Foto: ČT24)
Die Vorrichtung, um den Taxameter zu beschleunigen, nennt sich Turbo. Sie ist verboten. Der Fahrer, der ertappt wurde, arbeitete für AAA Radiotaxi. Der größte tschechische Taxisservice wurde jahrelang auch in vielen Reiseführern empfohlen. Die Firma hat nun Strafanzeige gestellt gegen den Fahrer - sowie gegen unbekannt wegen der Herstellung des Turbogeräts. Jiří Kvasnička ist der Geschäftsführer von AAA Radiotaxi. Er hat die Zusammenarbeit mit dem unehrlichen Fahrer beendet:

Turbo-Taxameter (Foto: YouTube)
„Er fährt nicht mehr für AAA Radiotaxi. Bei Betrug dieser Art lösen wir sofort den Vertrag mit dem Fahrer auf. In den zurückliegenden zwölf Monaten gab es bestimmt zehn solcher Fälle.“

Gerade Jiří Kvasnička war es, der bereits vor 13 Jahren auf den Trick mit den Turbo-Taxametern aufmerksam gemacht hat. Zusammen mit einer Fernsehjournalistin recherchierte er damals über den Schwarzmarkt, auf dem sich die Taxifahrer bedienen. Seinen damaligen Erkenntnissen nach hatten zu der Zeit etwa 50 bis 60 Prozent der Taxifahrer einen Turbo eingebaut.

Foto: Kristýna Maková
„Dieses Gerät ramponiert den Ruf der Tschechischen Republik und Prags im Ausland, es schädigt natürlich die Kunden, aber auch die Taxi-Unternehmer. Und irgendjemand stellt dieses Gerät bereits seit 16, 17 Jahren hierzulande her, weitere Leute verkaufen es. Diesen Turbo gibt es nur in Prag, nirgendwo anders auf der Welt, nicht in Österreich und nicht in Deutschland. Das ist bekannt, aber niemand hat dagegen etwas unternommen. Deswegen glaube ich auch nicht, dass sich die Zahlen geändert haben“, so Kvasnička gegenüber dem Tschechischen Fernsehen.

Denis Gajdoš (Foto: ČT24)
Kvasnička sagt aber auch, dass die Taxifahrer das Gerät nicht immer nutzen. Wenn der Kunde den Wagen über die Zentrale bestellt, dann gehe der Fahrer ein großes Risiko ein, wenn er die Fahrt überteuern würde. Doch gerade beim Stopp auf der Straße ist die Gefahr groß. Fahrer schalten dabei nicht nur den Turbo ein, sondern stellen zum Beispiel auch falsche Rechnungen aus. Die Tschechische Handelsinspektion ist eine der Institutionen, die regelmäßig Taxifahrer überprüft. Die Kontrolleure geben sich dabei als ausländische Touristen aus. Denis Gajdoš ist Sprecher der Handelsinspektion:

Foto: Ladislav Bába, Archiv des Tschechischen Rundfunks
„Bei unserer letzten Kontrollaktion haben wir landesweit insgesamt 294 Fahrer überprüft. In etwas über 40 Prozent der Fälle haben wir Verstöße festgestellt. Wenn man nur Prag herausnimmt: Da waren es 21 Prozent der Fälle.“

In den Kreisen Mährisch Schlesien, Olomouc / Olmütz und Südböhmen deckten die Kontrolleure noch mehr unehrliche Fahrer auf als in der tschechischen Hauptstadt. Das Strafmaß für Betrug beim Fahrpreis kann bei bis zu 5 Millionen Kronen (185.000 Euro) liegen. Doch das müssen dann schon hartnäckige Wiederholungstäter sein:

Foto: Kristýna Maková
„Die höchste Strafe für einen Taxifahrer lag in diesem Jahr bei 100.000 Kronen“, gesteht Gajdoš.

Die Manipulation von Taxametern als solches kann jedoch die Handelsinspektion nicht selbst ahnden. Solche Fälle übergibt sie dann dem staatlichen Eich- und Messamt.