Bildungsministerium will mit Karriere-Plan wieder mehr Junglehrer gewinnen

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An tschechischen Gymnasien unterrichten Pädagogen, die im Schnitt zum ältesten Lehrpersonal unter den führenden Industrieländern gehören. Nahezu 45 Prozent der Lehrer an den tschechischen Mittelschulen sind älter als 50 Jahre. Das geht aus der jüngsten Bildungsstudie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurde. In dieser Studie werden 34 Industriestaaten im Bereich Bildung verglichen.

Das vergleichsweise hohe Alter der Lehrer ist laut OECD eines der Hauptprobleme, mit denen das tschechische Schulwesen konfrontiert ist. Noch schlechter dran, sprich: noch ältere Lehrer haben nur noch Deutschland und Italien. Die Direktorin der Abteilung für Analyse und Konzeption beim Bildungsministerium, Michaela Kleňhová, nennt drei Gründe für diese Entwicklung:

„Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle. Zum einen wird das Renteneinstiegsalter weiter erhöht, so dass die Lehrer auch länger an den Schulen unterrichten. Zum zweiten nimmt die Zahl der Schüler ab, so dass keine zwingende Notwendigkeit besteht, neue Lehrer einzustellen. Und drittens kommt ein Teil der Absolventen an den pädagogischen Fakultäten auch außerhalb des Schulwesens unter.“

Jiří Nantl (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Im Bildungsministerium hat man dieses Problem erkannt. Mit einem so genannten Karriere-Plan will man nun besonders den jungen Leuten den Lehrerberuf wieder schmackhaft machen, sagt der stellvertretende Schulminister Jiří Nantl:

„Wir glauben, dass der Karriere-Plan, den wir im Jahr 2014 einführen wollen, zu einer Trendwende bei der Berufswahl führen wird. Der Plan wird eine größere Flexibilität in der Lehrerkarriere und eine bessere Bezahlung beinhalten. Der Lehrerberuf muss für junge Leute attraktiv sein, und zwar von Anfang an. Sie können doch nicht darauf warten, bis sie die höchste Stufe auf der Karriereleiter erreicht haben.“

Michaela Kleňhová (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Attraktiv heißt vor allem finanziell lukrativ. Doch gerade darin besteht eines der größten Probleme für eine erfolgreiche Anwerbung von Junglehrern, weiß Michaela Kleňhová:

„Die Lehrergehälter in Tschechien gehören im internationalen Vergleich immer noch zu den niedrigsten. Dennoch muss man dem entgegenhalten, dass die Angaben, die im OECD-Bericht gemacht werden, noch aus dem Jahr 2010 stammen. Das heißt, darin sind noch nicht die Lohnzuwächse und die neuen Gehaltstabellen aus dem Jahr 2011 berücksichtigt.“



Die tschechische Regierung will auch für das Jahr 2013 einen eisernen Sparhaushalt aufstellen. Sicher ist auch das einer der Gründe, weshalb der so genannte Karriere-Plan erst im Jahr 2014 eingeführt werden soll.

Für den Bildungsbereich gibt man hierzulande derzeit 4,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus. Damit gehört Tschechien zu den sieben Ländern, deren Ausgaben in diesem Ressort unter 5 Prozent des BIP liegen. Die OECD-Länder geben im Schnitt aber 6,2 Prozent des BIP für die Bildung aus.