Zum beidseitigen Vorteil: Tschechische Schulen wollen mehr ukrainische Lehrkräfte engagieren

Im tschechischen Schulwesen herrscht Lehrermangel, insgesamt etwa 6000 Lehrkräfte fehlen hierzulande. Andererseits gibt es unter den ukrainischen Geflüchteten in Tschechien laut Schätzungen bis zu 10.000 Lehrerinnen und Lehrer. Das Bildungsministerium will diese daher verstärkt in tschechische Schulen integrieren. Unter anderem fördert das Ressort dabei Projekte von NGOs, die den Weg zur Beschäftigung erleichtern sollen.

Tomáš Habart | Foto: YouTube / Člověk v tísni

Die Hilfsorganisation Člověk v tísni (Mensch in Not) bietet einen kostenlosen Online-Sprachkurs für das Tschechische an. Dieser beginnt beim Grundwortschatz und geht dann über zu komplexen Dialogen. Der erste Teil des Kurses sei bereits im Internet verfügbar, die Fortsetzung werde im Laufe des Septembers gestartet, sagt Projektleiter Tomáš Habart:

„Etwa 600 Teilnehmerinnen haben sich schon eingeloggt. Sie begrüßen es sehr, dass der Kurs praxisorientiert ist. Bei uns lernen sie praktische Phrasen und Vokabeln, die auf realen Situationen in den Schulen basieren. Man kann den Kurs jederzeit aufrufen, ob in der Straßenbahn oder am Abend, und an jedem Punkt unterbrechen, an dem man will.“

Auch Diana Tatartschuk hat den Kurs gemacht. Sie arbeitet seit 1. September als Assistentin an einer Prager Grundschule.

Der Kurs habe ihr sehr geholfen, sagt Diana. Sie lobt die Aufgaben darin sowie die Möglichkeit, sich die Gespräche als Audio anzuhören oder sich Verben und unterschiedliche Deklinationsformen in der Übersicht anzuschauen.

Diana lernt schon seit langem Tschechisch. Vor dem Krieg plante sie, an der Prager Karls-Universität zu studieren. Nachdem sie aus ihrem Heimatland geflohen war, begann sie als Assistentin in einer Anpassungsgruppe für ukrainische Kinder zu arbeiten.

„Ich habe den Kindern geholfen, sich in der Schule zu orientieren: Wohin sollen sie gehen, wo ist das und jenes. Ich habe ihnen den Grundwortschatz beigebracht, wie etwa die Tür oder der Tisch.“

Nach Angaben von Schulvertretern, die vom Tschechischen Rundfunk angesprochen wurden, benötigen die Schulen dringend Hilfe beim Dolmetschen. Denn viele geflüchtete ukrainische Schüler sprechen überhaupt kein Tschechisch. Laut Schätzungen des Bildungsministeriums nehmen im neuen Schuljahr rund 65.000 Kinder aus dem Kriegsland am Unterricht hierzulande teil.

Aber die NGOs organisieren nicht nur Sprachkurse für ukrainische Lehrkräfte. Die Organisation Začni učit! (Beginne zu unterrichten!) hat zum Beispiel eine Website eingerichtet, auf der sie bei der Suche nach Anstellungen an Schulen beraten werden. Petra Yakubov ist für das Internet-Portal verantwortlich:

Illustrationsfoto: René Volfík,  Tschechischer Rundfunk

„Es geht um mehrere Tausend motivierte Frauen. Wir wollen ihnen helfen, und sie können uns helfen, die Hilfe ist gegenseitig. Die Website bietet fünf Themenbereiche. Im ersten Schritt geht es darum, wie man beantragt, dass die eigene Ausbildung anerkannt wird. Denn die Nostrifikation des Schuldiploms ist kein einfacher Prozess.“

Nach Angaben der Projektleiterin haben sich bisher mehr als 700 Menschen bei der Website registriert. Das Portal bietet zudem Informationen darüber, wo man nach einer Anstellung suchen beziehungsweise einen Tschechisch-Sprachkurs in der Nähe des Wohnortes belegen kann.

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