Birmanische Oppositionsführerin eröffnet „Forum 2000“

Aung San Suu Kyi, photo: CTK

In Prag findet derzeit das vom ehemaligen Staatspräsident Václav Havel initiierte „Forum 2000“ statt. Das Motto der Konferenz lautet „Gesellschaften im Übergang“. Rund 100 Persönlichkeiten diskutieren über die Transformation von einem autoritären Regime zu einem demokratischen System.

Aung San Suu Kyi (Foto: ČTK)
Das Forum 2000 wurde diesmal von der birmanischen Oppositionsführerin und Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi eröffnet. Sie erhielt 1991 den Friedensnobelpreis. Dem Gründer des Forum 2000, Präsident Václav Havel, ist Aung San Suu Kyi nie persönlich begegnet. Er hat jedoch jahrelang sie und andere birmanische Dissidenten in ihrem Kampf ermutigt und bestärkt. In all den Jahren, in denen sie ihr Haus nicht verlassen durfte, haben die Organisatoren des Forums 2000 immer symbolisch einen Stuhl im Konferenzsaal für die birmanische Oppositionspolitikerin freigelassen. In diesem Jahr nun kann sie zum ersten Mal persönlich an der Prager Konferenz teilnehmen. Für den Begründer des Forums 2000 fand sie in ihrer Eröffnungsrede warme Worte:

Václav Havel (Foto: Tomáš Vodňanský, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Als ich jahrelang im Hausarrest in Birma saß, habe ich gewusst, dass es irgendwo auf der Welt einen Mann gibt, der sich für mich einsetzt. Dank ihm habe ich gefühlt, dass meine Freiheit unantastbar ist, auch wenn ich im Hausarrest war.“

Die Politikerin sagte zudem, sie habe ihre Nobelpreisauszeichnung nur erhalten, weil Václav Havel die Nominierung damals abgelehnt und sie empfohlen habe.

Sie habe einige Bücher von Václav Havel gelesen und so von ihm gelernt, wie sie die Zeit des Kampfes gegen das Regime überleben könne. Sie habe begriffen, dass die höchste Freiheit sei, in Wahrheit zu leben, so die ehemalige Dissidentin.



Sabe Soe (Foto: Alžběta Švarcová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Noch vor drei Jahren war ein Besuch in Prag für sie unvorstellbar. Die Militärregierung in Birma hatte die Regimegegnerin 15 Jahre lang im Hausarrest gehalten. Der Besuch der Oppositionsführerin war auch für die etwa 150 Birmanen von Bedeutung, die in Tschechien leben. Sabe Soe leitet das Birma-Zentrum in Prag:

„Sie hat sich für unsere Arbeit interessiert und dafür, was wir für die Flüchtlinge machen.“

Auch ein weiterer renommierter Gast des Forums 2000 war ein guter Freund von Präsident Havel. Der geistige Führer Tibets, der Dalai Lama, ist nach zwei Jahren wieder nach Prag gekommen. Er besuchte jene Bibliothek, in der er mit dem tschechischen Ex-Präsidenten Havel noch kurz vor dessen Tod zusammentraf.

„Ich habe gemischte Gefühle, ich bin traurig, aber auch glücklich, dass ich mich vor ihm hier verbeugen kann.“

Dalai Lama (Foto: ČTK)
Der Dalai Lama warnte in seiner Rede auf der Konferenz vor einer Überschätzung von unterschiedlichen Nationen, Religionen und Rassen. Alle Menschen seien im Grunde gleich, die Unterschiede nebensächlich.

An der Konferenz „Forum 2000“ nehmen prominente Persönlichkeiten aus der ganzen Welt teil. Unter den Teilnehmern sind beispielsweise der südafrikanische Ex-Präsident und Friedensnobelpreisträger Frederik Willem de Klerk, der litauische Ex-Präsident Vytautas Landsbergis oder der britische Philosoph Roger Scruton. In Prag läuft die Konferenz noch bis Dienstag, danach wird sie in Ostrava / Ostrau, Plzeň / Pilsen, Bratislava und Krakau fortgesetzt.