Bizarrer Streit im tschechischen Skiverband um die Restaurierung der Sprungschanze in Harrachov

Skisprungschanzen in Harrachov

Vor einem Monat wurde mit einem lang erwarteten Projekt begonnen, das dem tschechischen Skisprung wieder auf die Beine helfen soll. Und zwar soll die halb verfallene K-120-Schanze im Riesengebirgsort Harrachov endlich saniert werden. Doch die Arbeiten sind bereits wieder zum Stehen gekommen.

Die Reparatur der Skisprungschanze K-120 in Harrachov wurde unterbrochen. | Foto: Jiří Jelínek,  Tschechischer Rundfunk

Der Grund für den Stopp ist ein bizarrer Streit innerhalb des tschechischen Skiverbandes (SLČR). Der Bereichsleiter für Skisprung und Chef des Nationalen Sportzentrums Harrachov (NSC), Vít Háček, hat im Juli mit dem Rathaus von Harrachov einen Schenkungsvertrag abgeschlossen. Demnach erhält die Stadt unter bestimmten Bedingungen die fünf Sprungschanzen vor Ort sowie weitere Immobilien und das Inventar des NSC. Doch der Skiverband und ein weiteres Gründungsorgan des Sportzentrums sagen, die Schenkung sei nicht abgestimmt gewesen und verstoße gegen die Satzungen sowohl des SLČR als auch des NSC.

Der Beginn der Renovierungsarbeiten war ein großes Fest | Foto: Jiří Jelínek,  Tschechischer Rundfunk

Am Dienstag wurde Háček wegen des Konflikts aus dem Verband ausgeschlossen. Er beteuert jedoch, dass alle beteiligten Seiten von der Schenkung gewusst hätten. Der SLČR hat indes gerichtlich erwirkt, dass die Stadt Harrachov vorläufig nicht über das ihr übertragene Eigentum verfügen kann. Deswegen wurde der Umbau der K-120-Schanze gestoppt. Dabei sagte ein Sprecher des Verbandes, die gerichtliche Verfügung bedeute nicht notwendigerweise, dass die Arbeiten nicht weiterlaufen könnten. Vít Háček will wiederum juristisch gegen seinen Ausschluss aus dem Verband vorgehen.

Ausbau auf K-162

Skisprungschanzen in Harrachov | Foto: Michal Jemelka,  Tschechischer Rundfunk

Das Skisprungareal in Harrachov umfasst fünf Schanzen ab der Größe K-40. Auf der Skifluganlage K-180 fand 2014 noch die Weltmeisterschaft statt, bevor die Schanze im selben Jahr stillgelegt wurde. Seitdem sind die Anlagen dem Verfall überlassen. Vor einigen Jahren wurden die drei kleinsten allerdings provisorisch wieder in Betrieb genommen. Sie brauchen aber wie die K-120 eine Generalüberholung.

Die feierliche Grundsteinlegung fand statt,  aber die Reparatur wurde eingestellt | Foto: Jiří Jelínek,  Tschechischer Rundfunk

Diese größte der Sprungschanzen in Harrachov soll während der Sanierung erweitert werden, sodass der Konstruktionspunkt (K-Punkt) bei 162 Metern liegt. Das wäre der Bereich zwischen Skisprung und Skiflug. Damit würde die bisher größte Skisprungschanze der Welt im deutschen Willingen (K-130) deutlich übertroffen. Die Anlage soll eigentlich im Dezember kommenden Jahres in Betrieb genommen werden. Für den Umbau sind 70 Millionen tschechische Kronen (2,9 Millionen Euro) veranschlagt. Wann es mit den Arbeiten weitergehen könnte, ist allerdings gänzlich unklar. Denn käme es zu einem Rechtsstreit, könnte sich dieser über Jahre hinziehen.

Autor: Till Janzer | Quelle: ČTK
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