Nordische Ski-WM: Glanzzeiten Tschechiens sind vorbei, kleine Hoffnungen schlummern im Langlauf
Am Mittwoch wurden in Trondheim die Nordischen Ski-Weltmeisterschaften gestartet. Tschechien wartet schon seit zehn Jahren auf eine WM-Medaille. Könnte sich das bei den jetzigen Titelkämpfen ändern?
Es gab schon große Zeiten des tschechischen Skisports. Sowohl die Langläufer – vor allem in Person von Kateřina Neumannová – als auch die Skispringer und Kombinierer hatten früher Siegchancen. Doch schon lange haben die Fans hierzulande keine Medaille mehr bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften bejubeln dürfen. Der letzte Erfolg war 2015 die Silbermedaille von Langläufer Lukáš Bauer in der Königsdisziplin, den 50 Kilometern klassisch.
Dass ein solcher Erfolg bei den aktuellen Welttitelkämpfen in Trondheim wiederholt werden könnte, ist angesichts der Vorleistungen im Weltcup eher unwahrscheinlich. Am ehesten noch ruhen die Hoffnungen auf der Abteilung Langlauf. Konkret sind es Kateřina Janatová und Michal Novák. Ex-Langlauf-Star Neumannová sagte dazu in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:
„Ich denke, Kateřina Janatová wird der größte Star des tschechischen Teams bei dieser WM sein. Zudem hoffe ich, dass auch Michal Novák in Form sein wird. Er hatte bisher eine sehr komische Saison, die durch seine gesundheitlichen Probleme im vergangenen Herbst beeinträchtigt war. Kateřina aber hat zuletzt sehr stabile Ergebnisse im Weltcup eingefahren, und ihre Form ist vor der WM immer weiter angestiegen. In einigen Rennen dürfte sie die größte Hoffnung des Teams sein.“
Nationaltrainer Jan Franc nannte bei einer Pressekonferenz am Dienstag konkret die Sprints am Donnerstag dieser Woche sowie die abschließenden 50-Kilometer-Rennen im klassischen Stil, in denen er die größten Chancen für das tschechische Team sehe. Doch Neumannová dämpft die Erwartungen eher:
„Ich wünsche dem tschechischen Skisport natürlich sehr eine Medaille. Jedoch befürchte ich, dass diese in jeder Disziplin für das tschechische Team wahnsinnig hoch hängt. Vor allem im Langlauf haben wir Athleten, die sich im Weltcup dem Treppchen angenähert haben. Aber Hand aufs Herz: Die Weltmeisterschaften sind schon noch einmal etwas anderes.“
Während also auch im Langlauf nur ganze leichte Hoffnungen auf eine tschechische Medaille schlummern, würde eine solche im Skisprung und bei der Nordischen Kombination an ein Wunder grenzen. In diesen beiden Sportarten sind hierzulande gleichzeitig das Leistungsvermögen gesunken und die Trainingsmöglichkeiten geschrumpft. Denn frühere Weltcup-Sprungschanzen in Tschechien wurden nicht rechtzeitig modernisiert. Immerhin wird mittlerweile in Harrachov daran gearbeitet. Dort werden die frühere K-120-Schanze umgebaut und die K-90 modernisiert. Doch der aktuelle Stand ist schon dadurch beschrieben, dass Altmeister Roman Koudelka die tschechischen Skispringer bei der WM anführt, obwohl er selbst nicht regelmäßig im Weltcup punktet.
„Wir geben kein konkretes Ziel für die Ergebnisse vor. Langfristig ist unser Plan für den tschechischen Skisprung, wieder ein stabiles Team zu haben. Das ist alles“, sagt dazu der Sektionschef Skisprung beim tschechischen Verband, Vít Háček.
Die Skispringerinnen stehen etwas besser da mit den beiden Schwestern Anežka und Karolína Indráčková sowie mit Veronika Jenčová und Klára Ulrichová. In der Nordischen Kombination wiederum sind in dieser Saison vor allem Tereza Koldovská bei den Frauen sowie Jiří Konvalinka und Jan Vytrval bei den Männern regelmäßiger in die Punkte gekommen. Auch bei den Kombinierern wird aber daran gearbeitet, wieder zu den besten Teams aufzuschließen. Konvalinka:
„Wir haben gerade noch einmal in Oberstdorf eine Trainingswoche zusammen mit dem deutschen Team absolviert. Ich hoffe, dass wir dort gut an unserer Form gefeilt haben. Jetzt geht es nur noch darum, das auch im Wettkampf und bei den Weltmeisterschaften umzusetzen.“
Das Ziel ist aber auch für ihn nicht die Weltspitze. Er wolle in die Top 30 kommen, so Jiří Konvalinka.