Blasmusik und Kunstresidenzen: Bayerisch-böhmisches Kulturprojekt findet Abschluss in Pilsen

Jodelix

Am vergangenen Wochenende fand in Plzeň / Pilsen zum vorerst letzten Mal das bayerisch-böhmische Treffpunkt-Festival statt. Radio Prag International war dabei.

Band „To ta Heľpa“ | Foto: Libor Nesvadba

Eine Gruppe von Musikern steht im Innenhof des Pilsener Depo 2015 im Kreis und musiziert. Es erklingt das traditionelle slowakische Volkslied „To ta Heľpa“. Zwanzig, dreißig Menschen lauschen, singen mit und tanzen. In der Nähe zeigt ein Videokünstler eine Performance. Im Nebenraum sind kurz zuvor noch Dokumentarfilme gelaufen. Draußen wird das Bier einer tschechischen Mikrobrauerei ausgeschenkt. Im Inneren der ehemaligen Bushalle fließt unter anderem bayerisches Bier in die Maßkrüge.

Depo 2015 | Foto: Libor Nesvadba

Das bayerisch-böhmische Festival „Treffpunkt: Kontakt“ bot am Wochenende in Pilsen ein buntes Programm an. Auch die Gäste kamen aus verschiedensten Gründen in das ehemalige Straßenbahndepot der Pilsener Verkehrsbetriebe, genannt Depo 2015. Manch einer trug Lederhose oder Dirndl und schien vor allem wegen der Oktoberfestromantik hier zu sein, wieder andere waren vor allem von den Diskussionen mit den anwesenden Künstlern begeistert.

Foto: Libor Nesvadba

Organisiert wurde das Festival von den Städten Pilsen und Regensburg. Melina Opitz arbeitet beim Kulturamt der oberpfälzischen Stadt an der Donau. Gegenüber Radio Prag International sagte sie:

„Dieses Festival ist ganz besonders, denn es ist das letzte in unserem Projekt kultur|kontakt|kreativ. Wir haben hier eine Vielzahl an Angeboten, und es gibt Musik verschiedener Genres. Heute befinden wir uns am zweiten Tag, morgen finden noch Workshops statt – vor allem für Kinder. Und gerade jetzt spielt die Band ‚The Heimatdamisch‘, und alle tanzen!“

The Haimatdamisch | Foto: Libor Nesvadba

Alle tanzen, und das nicht ohne Grund, denn die Musik von The Heimatdamisch geht nur an den wenigsten spurlos vorbei. Moderne Pophits und bayerische Blasmusik verschmelzen zu einem beschwingten Crossover. Neben The Heimatdamisch traten beim Festival „Treffpunkt: Kontakt“ noch 15 weitere Bands auf.

Bayerisch-böhmische Events dieser Größenordnung gab es in den vergangenen Jahren bereits mehrfach, denn die Städte Pilsen und Regensburg kooperieren seit längerem.

Foto: Libor Nesvadba

„Pilsen und Regensburg sind seit fast 30 Jahren Partnerstädte und sehr eng miteinander verbunden. Insbesondere seit der Zusammenarbeit im Rahmen der europäischen Kulturhauptstadt Pilsen 2015 arbeiten wir noch enger zusammen. Das ist das zweite EU-Projekt, das wir gemeinsam durchführen,“ so Melina Opitz.

Foto: Libor Nesvadba

Der erste Projektzyklus dauerte dabei von 2017 bis 2019. Der zweite Zeitraum stand unter dem Titel „kultur|kontakt|kreativ“. Dieses Projekt hat mit dem Festival in Pilsen nun seinen Abschluss gefunden.

„Jetzt, da es zu Ende geht, liegt schon ein wenig Wehmut in der Luft – gerade auch, weil die Kunstschaffenden aus den Residenzen hier sind,“ sagt Opitz. „Das gibt dem Festival noch einmal ein ganz anderes Gesicht.“

An dem Projekt kultur|kontakt|kreativ war neben der Stadt Regensburg auch das Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee beteiligt. Für die Stadt Pilsen hat Jindřich Jindřich das Projekt mitorganisiert. Wie das von Melina Opitz erwähnte Residenzprogramm genau ausgesehen hat, sagte er in der vergangenen Woche in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

The Heimatdamisch | Foto: Libor Nesvadba

„Insgesamt nahmen 22 Nachwuchskünstler an dem Programm teil – elf aus Bayern und elf aus Tschechien. Die Residenzaufenthalte dauerten zwei bis vier Wochen. Während dieser Zeit haben die Künstler ihr eigenes Projekt realisiert. Das konnte etwas in allen denkbaren Bereichen sein: Bildende Kunst, Theater, digitale Performances… Wir haben im Hinblick auf das Genre wirklich keine Grenzen gesetzt. Dementsprechend vielfältig sind auch die Ergebnisse des Projekts.“

Artisttalk mit der Band ‚Zweifel und Caecilia‘ | Foto: Libor Nesvadba

Wie Melina Opitz erwähnt, hatten die Aufenthalte im jeweils anderen Land teilweise einen sehr starken Einfluss auf die künstlerischen Arbeiten der Artists in Residence:

„Die Band ‚Zweifel und Caecilia‘ hat hier in Pilsen neue Songs geschrieben. Jan Chabr hat ein von der Stadt Regensburg inspiriertes Brettspiel entworfen. Die Geschwister Lisa und Jonas Langbein haben wiederum alternative Mitmach-Stadtpläne für Pilsen gestaltet und ihre Erfahrungen in der westböhmischen Stadt darin einfließen lassen. Da geht es beispielsweise darum, Häuser an der eigenen Größe zu bemessen und einmal ganz andere Wahrnehmungsmuster auszuprobieren.“

Foto: Libor Nesvadba

Wie die Kulturmanagerin weiter ausführt, waren die Künstler bei ihrem Aufenthalt in Pilsen oder Regensburg aber nicht auf sich allein gestellt.

„Die Residenzen haben nur zwei bis vier Wochen gedauert. Deshalb haben wir den Kunstschaffenden jeweils Matchingpartner und -partnerinnen zur Seite gestellt. Diese haben sich mit ähnlichen Projekten beschäftigt wie die Residenten. Dadurch wurde den Gästen der Einstieg in die lokale Kunstszene geebnet. Außerdem sind dabei Kollaborationen und nachhaltige zwischenmenschliche Beziehungen entstanden, die sicherlich auch in weiteren Projekten fortdauern werden. Das ist richtig schön zu sehen.“

Foto: Libor Nesvadba

Bei einem so erfolgreichen Vorhaben stellt sich die Frage, ob das EU-Projekt kultur|kontakt|kreativ auch in der Zukunft fortgesetzt wird. „Es gibt noch keine ideale Lösung, wie es mit dem Projekt weitergehen könnte“, sagt Melina Opitz dazu. „Aber gerade hier auf dem Festival wurde von diversen Stimmen immer wieder der Wunsch geäußert, dass es eine Fortsetzung geben soll. Wir werden deshalb schauen, inwiefern sich Umsetzungsmöglichkeiten ergeben werden,“ schließt Opitz dann doch vorsichtig optimistisch ab.

Foto: Libor Nesvadba