Bohème, Literat, Parteigründer: Vor 100 Jahren starb Jaroslav Hašek

Jaroslav-Hašek-Denkmal, Lipnice nad Sázavou

Am Dienstag ist es genau 100 Jahre her, dass Jaroslav Hašek starb. Der Verfasser des „Braven Soldaten Schwejk“ wurde keine 40 Jahre alt. In Prag finden sich Hašeks Spuren unter anderem im Café Montmartre.

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Jaroslav Hašek | Foto: public domain

An Jaroslav Hašek wird vor allem als an einen Kneipenliteraten erinnert. Die meisten seiner Erzählungen schrieb er in Gasthäusern, und auch die wichtigsten Passagen des „Braven Soldaten Schwejk“ sind in dieser Umgebung entstanden. Hašeks „Arbeitsplatz“ war in diesem Falle die Gaststätte „Zur Böhmischen Krone“ in Lipnice nad Sázavou / Lipnitz an der Sasau auf der Böhmisch-Mährischen Höhe. In diesen malerischen Ort war der Schriftsteller nach dem Ersten Weltkrieg übergesiedelt, und in seinem dortigen Haus starb er auch am 3. Januar 1923.

Geboren 1883, werden die runden Jubiläen von Hašeks Lebensdaten immer im selben Jahr begangen. So wird am 30. April dieses Jahres also auch an den 140. Geburtstag des Literaten erinnert. Der gebürtige Prager führte ein unstetes Leben. Vom Gymnasium verwiesen, ließ sich Hašek zunächst als Drogist ausbilden und absolvierte dann die Handelsakademie. Die solide Arbeit bei der Slavia-Bank gab er bald wieder auf und begann stattdessen, Berichte über seine Wanderungen durch die tschechischen und slowakischen Regionen zu verfassen. Hinzu kamen Erzählungen, die er zumeist in Kneipen erdachte.

Café Montmartre im Jahr 1912

Eines seiner bevorzugten Lokale war das Café Montmartre in der Prager Altstadt. Dort freundete sich Hašek etwa mit dem Journalisten und Schriftsteller Zdeněk Matěj Kuděj an. Dieser erinnerte sich an die erste Begegnung wie folgt:

„Es wurde ein Kabarett aufgeführt, bei dem ich zum ersten Mal Hašek als Ansager habe reden hören. Es war ein solcher Jux, dass sich alle vor Lachen geschüttelt haben. Da für uns im Montmartre keine Sperrstunde galt, sind wir damals erst am frühen Morgen auseinandergegangen. Seitdem habe ich mit Hašek eine feste Freundschaft geschlossen.“

Im Montmartre verbrachte die gesamte Prager Bohème ihre Abende. Geführt wurde das Café von dem Schauspieler und Sänger Josef Waltner. Zu dessen regelmäßigen Gästen zählten Egon Erwin Kisch und Franz Kafka, andere junge Schriftsteller wie Michal Mareš oder Jan Morávek, der Architekt Josef Gočár, des Weiteren Schauspieler, Opernsänger, bildende Künstler, Maler und Journalisten.

Mit dieser Szene beschäftigt sich der Publizist und Dokumentarfilmer Tomáš Mazal. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks beschrieb er eine Episode, die damit beginnt, dass Hašek eines Abends am Kneipentisch im Montmartre einschlief:

„Hašek sagte immer, dass er wie ein Hund reagiere, wenn er geweckt würde. Als er nun hier schlief, fand der Wirt Waltner das unpassend und begann, an ihm zu rütteln. Hašek schreckte hoch, wusste nicht, wo er war, und fing an, mit Stühlen um sich zu werfen. Waltner tat das einzig Mögliche und warf Hašek auf die Straße hinaus. Immer, wenn Hašek danach am Montmartre vorbeikam, schaute er zur Tür hinein und fragte, ob er wieder reinkommen könne. Aus dem Inneren kam dann nur ein ‚Niemals‘.“

Foto: Alžběta Švarcová,  Tschechischer Rundfunk

Geschichten wie diese prägen das Bild des Schriftstellers noch heute. Der Literaturhistoriker und Hašek-Forscher Radko Pytlík mahnte aber schon anlässlich des 130. Geburtstages Hašeks vor zehn Jahren:

„Wir müssen in Zukunft solche Klischees korrigieren, wie zum Beispiel das Bild von Hašek als Trinker und Ruhestörer. Vielmehr sollten wir uns Gedanken machen, was geblieben ist und was seine Werke wirklich aussagen.“

Dazu können mehr als 1300 Schriften von Jaroslav Hašek studiert werden. Der Lebemann, Anarchist und Satiriker war aber nicht nur als Literat aktiv. 1911 gründete er gemeinsam mit Freunden die „Partei für gemäßigten Fortschritt in den Schranken der Gesetze“, die ihren Sitz in der Balbín-Straße hatte, an die heute auch das Gebäude des Tschechischen Rundfunks grenzt. Und in den „Schwejk“ flossen Hašeks eigene Fronterfahrungen ein: 1915 zog er in den Krieg und schloss sich bald der tschechoslowakischen Legion an. Wegen anhaltender Streitigkeiten mit der Truppenführung lief Hašek dann aber zur Roten Armee über und blieb als politischer Mitarbeiter noch bis 1920 in Russland.

Brave Soldat Schwejk | Foto: Wolfgang Zauber,  CC BY-SA 3.0

Nachdem die Figur schon 1912 in einer ersten Erzählung Hašeks auftauchte, wurde „Der brave Soldat Schwejk“ letztlich zur satirischen Aufarbeitung des Ersten Weltkriegs. Obwohl es unvollendet blieb, wurde es zu einem der am häufigsten gelesenen und übersetzten Werke der tschechischen Literatur.