Švejk kehrt nach Böhmen zurück – in Form einer Bronzestatue

Foto: ČTK

Er ist hierzulande die berühmteste literarische Figur: der brave Soldat Švejk. Sein Weltruhm übersteigt bei Weitem den seines Schöpfers Jaroslav Hašek. Doch erst 93 Jahre nach Erscheinen des Romans hat es der tschechische Antiheld Švejk in seiner Heimat zu einer eigenen Statue gebracht. Am Wochenende wurde sie im südböhmischen Putim enthüllt.

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Als die Statue am Samstag enthüllt wurde, lebte Kakanien wieder auf. Böllerschüsse, Hochrufe für Kaiser Franz und natürlich tat auch ein Švejk-Schauspieler seinen Dienst. Pausbäckig, im Militärmantel und Kappe stellte er sich neben sein Ebenbild aus Bronze, das 1,80 Meter hoch und fast 200 Kilogramm schwer ist:

„Nach hundert Jahren komme ich hierher zurück. Es sind genau 228 Kilometer, 450 Meter und 45 Zentimeter zu Fuß von Tábor bis hierher.“

Im Roman verirrt sich Švejk unfreiwillig nach Putim. Eigentlich soll er zu seinem Regiment nach České Budějovice / Budweis fahren, doch diverse Umstände und seine latente Abneigung gegenüber dem Militär hindern ihn ausdauernd daran. In Tábor versäumt Josef Švejk erst den Zug und vertrinkt dann das Fahrgeld – daher weiß er nun genau, wie lange so ein Fußmarsch nach Putim dauert. Dort angekommen wird er für einen russischen Spion gehalten und verhaftet. Heute ist das südböhmische 500-Einwohner-Dorf dankbar für Švejks Abstecher. Eigentlich sollte die Statue im Jahr 2008 errichtet werden, aber daraus wurde nichts, so Bürgermeister Petr Matouš bei der Enthüllung:

„Leider kamen uns zwei Hochwasser dazwischen. Erst hat uns die Vereinigung der Freunde Putims geholfen, dann war es die Gemeinde, und zuletzt bekamen wir Unterstützung vom Kreis Südböhmen.“

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Umgerechnet knapp 15.000 Euro hat das bronzene Abbild Švejks gekostet, der südböhmische Künstler František Svátek hat es entworfen. Und trotz aller Verzögerungen ist Putim in Tschechien am schnellsten gewesen. Jaroslav Hašeks Enkel Richard verwaltet den Nachlass seines Großvaters. Zum einen betreibt er die Gastwirtschaft „Zur tschechischen Krone“ in Lipnice / Lipnitz an der Sasau. Dort begann sein Großvater mit der Niederschrift der vier Teile des letztlich unvollendeten Romans. Zum anderen verfolgt Richard Hašek die weltweite Verehrung des braven Soldaten. Švejks Flucht vor dem Militärdienst führte ihn durchs ganze Habsburgerreich – und so wird er heute grenzübergreifend verehrt, wie Hašeks Enkel dem Tschechischen Fernsehen sagte:

„Wie wir alle wissen, begab sich Švejk auf Wanderschaft durch Europa - und zwar vor allem in jene Länder, die vom Ersten Weltkrieg betroffen waren. Dort sind dank des Romans ‚Der brave Soldat Švejk‘ Statuen entstanden. Zum Beispiel gibt es eine im slowakischen Humenné und in den polnischen Städten Przemyśl und Sanok. In der Ukraine stehen sogar sechs Švejk-Statuen, unter anderem in Kiew, in Donezk und in Uschgorod. In Russland gibt es eine in St. Petersburg und in Samara. Und man sollte natürlich Bugulme in der Tartarischen Republik erwähnen. Dort besteht nämlich sogar ein Jaroslav-Hašek-Museum.“

Richard Hašek (links) Foto: ČTK
In Putim ist es noch nicht so weit. Doch neben der Statue des Josef Švejk können sich die Besucher auch noch Filmkulissen ansehen. In den 1950ern wurden Teile der populären tschechischen Švejk-Verfilmung „Poslušně hlásím“ (Melde gehorsamst) in Putim gedreht. Das Privathaus, das im Film als Polizeistation diente, ist bis heute an einem historischen Schild zu erkennen.

Autor: Annette Kraus
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