Boskovice 2001 - Festival zur Rettung einer jüdischen Stadt

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Von Jitka Mladkova.

Die Sommersaison ist eine gute Zeit für viele Festivals, von denen einige erst nach der Wende 1989 dank der veränderten gesellschaftlichen Verhältnisse im Lande gegründet werden konnten. Ohne auf eine lange Tradition zurückblicken zu können sind einige von ihnen mittlerweile zum Begriff geworden. Zu diesen gehört ohne Zweifel das Festival Boskovice 2001, das sich inzwischen als eines der wichtigsten in der südmährischen Region etabliert hat.

Zum neunten Mal wurde das kleine Städtchen Boskovice unweit von Brno/Brünn vom Donnerstag bis Sonntag vergangener Woche zum Treffpunkt von etwa 4000 vor allem jungen Leuten. Das Programm war traditiosngemäss kunterbunt: Musikkonzerte, Filmvorstellungen, Fotopräsentationen u.a.m. Das Ziel dieser Veranstaltung ist es, für das im Laufe mehrerer Jahrzehnte heruntergekommene jüdische Viertel - hier jüdische Stadt genannt - zu werben und Unterstützung, vor allem finanzielle, für ihre Wiederherstellung zu finden. Etwas ist bereits gelungen, und so konnten sich Besucher des Festivals , organisiert von der Bürgerinitiative Unijazz, die zum Teil schon restaurierten Denkmäler der jüdischen Stadt ansehen. Mit dem Schicksal ihrer Einwohner kann man sich im Städtischen Museum bekannt machen. Auch einige wenige, die den 2.Weltkrieg in einem KZ überlebt hatten, waren diesmal unter den Festivalgästen. Die jüdische Gemeinschaft von Boskovice gehörte einst zu den bedeutendsten in Mähren und bildete im 19. Jahrhundert ein ganzes Drittel der Stadtbevölkerung. Von den insgesamt 458 Boskovicer Juden haben den Holocaust nur 14 überlebt.

Unter den renommierten sowie weniger renommierten Gruppen trat in Boskovice die Jazzformation Jablokon auf. Hier eine kleine Kostprobe: "Die Bara liebt den Kaja" - so der Titel