„Bronze ist für uns wie Gold“ – Tschechien startet famos in Biathlon-WM

Gabriela Soukalová (Foto: ČTK)

Ein Start vor dem eigenen Publikum kann lähmen oder Flügel verleihen. Bei den tschechischen Biathletinnen und Biathleten war am Donnerstag das Zweite der Fall. Gleich zum Auftakt der Weltmeisterschaften in Nové Město na Moravě / Neustadtl in Mähren gab es die ersehnte Medaille. Sie ist aus Bronze.

Veronika Vítková,  Jaroslav Soukup,  Ondřej Moravec und Gabriela Soukalová  (Foto: ČTK)
Das Biathlon fristete in Tschechien viele Jahre lang eher ein Mauerblümchendasein. Ab und zu gab es mal eine gute Platzierung, doch große Begeisterung löste dies nicht aus. Ausgerechnet aber im Winter mit der WM im eigenen Land hat sich das gewandelt. Ondřej Moravec bei den Männern und Gabriela Soukalová bei den Frauen sind zu Spitzenathleten herangereift. Und die Fans kommen so zahlreich wie nie zuvor. Das Auftaktrennen zur Biathlon-WM war daher schon im Vorhinein ausverkauft, 27.000 überwiegend tschechische Zuschauer schufen am Donnerstagabend eine tolle Kulisse. Die Mixed-Staffel mit Veronika Vítková, Gabriela Soukalová, Jaroslav Soukup und Ondřej Moravec krönte dies mit einem formidablen Ergebnis.

Ondřej Moravec  (Foto: ČTK)
Es war vor allem Ondřej Moravec, der Tschechien zu Bronze führte. Mit einer perfekten Schießleistung machte er den Sack zu und kam hinter den souveränen Titelverteidigern aus Norwegen und den Franzosen als Dritter ins Ziel. Beim vorletzten Schießen hatte Moravec noch auf Rang vier gelegen, doch der Russe Dmitri Malyschko patzte und der 26-jährige Tscheche konnte vorbeiziehen. Beim letzten Schießen attackierte ihn zwar noch der italienische Schlussläufer, aber Moravec blieb cool und räumte in nur 22 Sekunden alle Scheiben ab. Im Ziel zeigte er sich dann überwältigt vom Gewinn der Bronzemedaille:

Michal Šlesingr  (Foto: ČTK)
„Das ist spitze, das ist bombastisch. Für uns ist das wie eine Goldmedaille. Dass wir die Norweger und Franzosen noch abfangen, dafür hätte schon ein Wunder geschehen müssen. Für uns ist das ein unglaublicher Erfolg.“

Dabei war die Vorbereitung für das tschechische Team nicht optimal verlaufen. Bei den Männern musste Michal Šlesingr krankheitsbedingt einen Tag vor dem Rennen absagen. Und bei den Frauen war sich Soukalová nach einer Viruserkrankung ihrer Form überhaupt nicht sicher:

Gabriela Soukalová  (Foto: ČTK)
„Vor dem Start hatte ich kein großes Vertrauen in meine Leistungsfähigkeit, weil ich wegen der Krankheit die Vorbereitung ziemlich vernachlässigen musste. Ich bin daher ins Unbekannte gestartet, vor allem habe ich mich vor dem Stehendschießen gefürchtet. Zum Glück hat die Unterstützung durch die Zuschauer uns alle nach vorne gepuscht. Wir wussten gar nicht, wie uns geschieht und sind nur so über die Loipe gejagt.“

Auch für den Nationaltrainer der Männer, Ondřej Rybář, war das Rennen ein unbeschreibliches Erlebnis, vor allem wegen des Verlaufs:

Ondřej Rybář  (Foto: ČTK)
„Manche werden es mitbekommen haben, dass bis zum dritten Abschnitt respektive bis zur Mitte des Schlussabschnitts zehn bis zwölf Staffeln nur eine Minute auseinander lagen. Dann kristallisierten sich die besten sechs heraus. Dass Ondřej Moravec dann das Finish so gemeistert hat, dafür gebührt ihm meine Bewunderung. Das ist wunderbar.“

Nun warten die tschechischen Fans natürlich gespannt auf die ersten Einzelwettbewerbe am Samstag und am Sonntag.

Autor: Till Janzer
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