Brünner Maschinenbaumesse: Kernthema Innovationen weist Weg in die Zukunft

Foto: ČTK

Die Internationale Maschinenbaumesse (MSV) in Brno / Brünn gilt seit Jahr und Tag als eines der bedeutendsten Wirtschaftstreffen ihrer Branche in Mitteleuropa. In dieser Woche wird sie zum 51. Male in der südmährischen Kreisstadt veranstaltet. Gerade in der gegenwärtigen Zeit der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise soll sie ein Zeichen für zukünftige Entwicklungen setzen. Radio Prag hat darüber mit dem Leiter der Abteilung Unternehmenskommunikation der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer, Sebastian Holtgrewe, und dem PR Manager von ttv-Marketing und Communication, Armin Sandmann, gesprochen.

An der diesjährigen Maschinenbaumesse in Brünn nehmen zirka 1500 Aussteller aus 28 Ländern teil. Das sind rund 500 weniger als im vergangenen Jahr. Eine Auswirkung der Krise also? Sebastian Holtgrewe:

Sebastian Holtgrewe
„Es wäre natürlich gelogen, wenn man sagen würde, dass die Wirtschaftskrise auf die Maschinenbaumesse in Brünn überhaupt keine Auswirkungen hat. Allerdings sind die Auswirkungen nicht so schwerwiegend wie befürchtet. Die Anzahl der Aussteller und der Zuspruch bei der MSV sind vielmehr auch in diesem Jahr wieder sehr hoch. Das ist aus meiner Sicht ein ganz klares Signal dafür, dass diese Messe eben eine ganz besondere Bedeutung und Wichtigkeit gerade auch in der Region hat. Von daher wird sie auch in diesem Jahr wieder sehr erfolgreich sein.“

Eine ähnliche Meinung hat auch Armin Sandmann:„Auf der einen Seite hat die Wirtschaftskrise natürlich ihre Folgen. Die Internationale Maschinenbaumesse in Brünn hat weniger Teilnehmer; ungefähr 1500 Firmen sind dieses Jahr vertreten, davon 36 Prozent aus dem Ausland. Das stärkste Land ist auch dieses Jahr die Bundesrepublik Deutschland mit knapp 250 Firmen. Auf der anderen Seite gilt auch die Devise: Gerade in der Krise ist die Maschinenbaumesse auch weiterhin d i e internationale Plattform in Mitteleuropa, wo man sich trifft, um die bestehenden Wirtschaftsbeziehungen zu festigen beziehungsweise neue Geschäftsmöglichkeiten zu finden. Hierbei versuchen die ausländischen Firmen, auf dem tschechischen und/oder slowakischen Markt Fuß zu fassen.“

Internationale Maschinenbaumesse (MSV) in Brno (Foto: ČTK)
Unter den ausländischen Teilnehmern der Messe dominieren traditionsgemäß die deutschen Aussteller. Sie sind in Brünn mit 250 Firmen vertreten – eine Zahl, die Sebastian Holtgrewe nicht hoch genug zu würdigen weiß:

„Das sind ganz hervorragende Zahlen, was die deutschen Aussteller und ihre Präsenz auf der Maschinenbaumesse betrifft. Und dass sich sechs Bundesländer mit Gemeinschaftsständen beteiligen, das hat es in der Form auch so noch nicht gegeben.“

Armin Sandmann ergänzt:„Außerdem muss gesagt werden, dass von den 250 deutschen Ausstellern 60 Firmen zum ersten Mal in Brünn dabei sind. Nach Aussagen der Aussteller ist Mittel-Ost-Europa auch in der Wirtschaftskrise weiterhin ein attraktiver Markt, besonders aber Tschechien und die Slowakei. Speziell gefragt sind neue Technologien wie die Photovoltaik, neue Umwelttechniken und neue Energien. Das sind jene Sektoren, die speziell auch für deutsche Firmen sehr interessant sind und ein Grund mehr, warum sie nach Brünn kommen.“

Neue Technologien und Energien – nur zwei Felder, die die Messe in Brünn noch interessanter und anziehender machen. Ansonsten sind es aber vor allem die traditionellen Bereiche, denen sich deutsche Firmen verpflichtet fühlen:

„Deutschland vertritt am Standort Tschechien eine ganz besondere Rolle – man ist der größte Investor und der mit Abstand wichtigste Handelspartner der Tschechischen Republik. Dementsprechend ist es logisch, dass die Präsenz der deutschen Aussteller auf der Messe sehr hoch ist. Grund dafür ist natürlich auch, dass beide Länder eine ähnliche Industriestruktur verbindet. Das heißt, Automotive und Maschinenbau stehen sowohl in Deutschland als auch in Tschechien sehr stark im Fokus; das sind natürlich die Segmente, die man auf der Messe in großer Zahl wieder findet. Folglich ist der Zuspruch sehr hoch“, sagt Sebastian Holtgrewe.

Zur Jubiläumsmesse im vergangenen Jahr war Deutschland das Partnerland und hat in diesem Rahmen auch die so genannten German Days veranstaltet. Der diesjährige deutsche Pavillon soll an die neue Qualität der deutsch-tschechischen Kooperation anknüpfen, so Holtgrewe:

„Die German Days haben im Rahmen des Partnerland-Projekts im vergangenen Jahr stattgefunden. Sie waren ein sehr großer Erfolg. Wir waren mit dem Ergebnis jedenfalls sehr zufrieden und der deutsche Pavillon ist im Prinzip das Folgeprodukt, wenn auch in anderer Form. Die German Days waren ein viertägiges Fachkonferenz-Programm, der deutsche Pavillon ist vielmehr das virtuelle und physische Dach der deutschen Präsenz auf der Messe.“

Armin Sandmann ist überzeugt, dass der deutsche Pavillon auch diesmal wieder neue Akzente setzen wird:

„Ich denke, dass der deutsche Pavillon an vergangene Erfolge anknüpfen kann. Diesmal sind sogar sechs Bundesländer in einer Gemeinschaftsausstellung vertreten. Das heißt, man hilft damit auch deutschen Mittelstandsfirmen, die zurzeit in einer schlechteren wirtschaftlichen Position stehen, weiterhin in Brünn dabei zu sein. Ein wichtiger Punkt ist auch die so genannte digitale Fabrik. Sie ist eines der Hauptthemen im Rahmen des deutschen Programms im Pavillon.“

Doch was ist eigentlich die digitale Fabrik?

„Es geht hierbei um eine Computer gestützte Konzeption, wie ich mir so effizient als möglich ein neues wirtschaftliches Standbein erschließen kann. Ich kann mir damit sozusagen vorausberechnen und virtuell anschauen, wie meine zukünftige Firma aussehen könnte. Auf dieser Grundlage erfahre ich, wie wirtschaftlich die Firma sein wird und welche Investitionen ich dafür tätigen müsste. Ich kann mir also ausrechnen: Zahlt sich das für mich aus oder nicht“, sagt Sandmann.

Der Schwerpunkt der Messe aber wird auf dem Bereich Innovationen liegen. Weshalb, dazu noch einmal Sebastian Holtgrewe:

„Ein Thema, das gerade die deutsch-tschechische Kooperation betrifft, ist erneut das Thema Innovationen. Das möchte ich an dieser Stelle ganz klar betonen. Insbesondere in Tschechien steht im Vordergrund, dass die Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft noch weiter verstärkt werden soll. In diesem Rahmen findet auch die Veranstaltung ´Technologie-Transfer´ statt, die nicht zuletzt von der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer unterstützt wird. Bei dieser Konferenz geht es darum, konkret Industrieunternehmen und Hochschulen zusammenzubringen und verschiedene gemeinsame Projekte auf den Weg zu bringen.“

Armin Sandmann kann dem nur zustimmen: „Auch ich denke, dass das Hauptaugenmerk, wie bereits erwähnt, auf der verstärkten Zusammenarbeit zwischen den Technischen Hochschulen und den Unternehmen liegen wird. Es gilt, das Bildungssystem noch mehr mit der Industrie zu verschränken und neue Trends beziehungsweise Innovationen zu finden. Das Wort Innovativität möchte ich dabei noch unterstreichen. Schließlich ist es unsere Aufgabe, gegen eine weltweite Wirtschaftskrise anzukämpfen. Zudem wird der klassische Industriebegriff, also auch die Teilnahme von klassischen Maschinenbau-Firmen auf der Messe, so nicht mehr existieren. Das ist allein schon gegeben aufgrund der Wirtschaftskrise in Europa. Von daher muss die Industrie nicht nur umdenken, sondern auch umbauen, was die Herstellung betrifft.“