Bücher ausleihen und Gutes tun: Kleine Gemeinde bei Brünn stellt Bibliothek des Jahres 2025

Bibliothek von Mokrá-Horákov

Tschechien hat eines der dichtesten Netze an öffentlichen Bibliotheken weltweit. Vor diesem Hintergrund kommt der Auszeichnung „Bibliothek des Jahres“ durchaus Bedeutung zu. Am Dienstag wurden die Preise für dieses Jahr verliehen.

Kulturminister Martin Baxa überreicht Auszeichnung „Bibliothek des Jahres 2025“ an Ivana Brzobohatá. | Foto: Facebook / Martin Baxa

Wenn die besten Bibliotheken des Landes geehrt werden, ist auch Besuch von ganz oben dabei. Am Dienstag kam Kulturminister Martina Baxa (Bürgerdemokraten) in die Spiegelkapelle des Prager Klementinums. Er sei stolz, dass Tschechien ein solch dichtes und lebendiges Netz an Bibliotheken biete und dort Leute arbeiteten, die ein tiefes Verständnis für ihren Beruf hätten, so der Minister.

Den Hauptpreis überreichte Baxa an die Gemeindebibliothek von Mokrá-Horákov. In dem Ort nahe Brno / Brünn in Südmähren leben 2900 Menschen. Rund 400 von ihnen sind eingeschrieben in der Bibliothek, die von Ivana Brzobohatá geleitet wird. Am Tag nach der Preisverleihung sagte sie in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

Der Bürgermeister von Mokrá-Horákov,  Matyáš Charvát,  und die Leiterin der dortigen Bibliothek,  Ivana Brzobohatá | Foto: Gemeindebibliothek Mokrá-Horákov

„Diese Auszeichnung ist eine große Ehre. Mir schlottern immer noch die Knie, weil es ein sehr emotionaler Moment war. Für mich bedeutet der Preis eine Verpflichtung, die Latte, die wir hoch gelegt haben, auch zu halten oder noch zu übertreffen.“

Was jedoch macht die Bibliothek in dem kleinen Ort so besonders? Die Jury strich vor allem das Begleitprogramm heraus. So organisiert Brzobohatá zahlreiche Vorträge, Diskussionsveranstaltungen und sogar Ausflüge. Zudem wird dort soziale und juristische Beratung geboten. Selbst nennt die Leiterin, die auch im Gemeinderat sitzt, aber noch einen weiteren Aspekt, der weit über das Bücherverleihen hinausreicht – und zwar Gutes zu tun...

„Wir engagieren uns viel in wohltätigen Veranstaltungen. Selbst habe ich hier damit begonnen, einen Bücherbasar auszurichten, dessen Erlöse der Grundschule im Ort zugutekommen. Wir schließen uns auch den Aktionen der Liga gegen Krebs an. Zudem kooperieren wir mit der Caritas im Bezirk Rajhrad. Vor ein paar Tagen haben wir Kuchen für das Hospiz gebacken. Unsere Besucher und Leser haben sich bereits daran gewöhnt und tun zusammen mit mir Gutes. Das muss ich ihnen hoch anrechnen, und mich freut es“, so Brzobohatá.

Beim Bücherbasar in diesem Jahr wurden laut den Informationen der Bibliothek insgesamt 12.000 Kronen (492 Euro) eingenommen. Diese seien an eine Schülerin aus einer ärmeren Familie gegangen, damit die Eltern ihr notwendige Schulmaterialien kaufen konnten, heißt es.

Bis kommendes Jahr soll die Bibliothek im Übrigen modernisiert werden, wie Ivana Brzobohatá zudem noch sagte.

 Von links: Kulturminister Martin Baxa und die Direktorin der Bibliothek von Žďár nad Sázavou,  Martina Sedláková | Foto: Bibliothek Žďár nad Sázavou

Der Hauptpreis „Bibliothek des Jahres“ geht immer in eine kleine Gemeinde Tschechiens. Für städtische Bibliotheken gibt es eine eigene Auszeichnung, sie wurde dieses Jahr nach Žďár nad Sázavou auf der Böhmisch-Mährischen Höhe vergeben. Martina Sedláková leitet die dortige Matěj-Josef-Sychra-Bibliothek und erläuterte:

„Wie wir am Rand der Veranstaltung von den Jury-Mitgliedern erfahren haben, wurde uns der Preis deswegen verliehen, weil wir die Bibliothek als eine Art Gemeindezentrum für alle Generationen verstehen. Unser Programm beginnt bei Babys und reicht bis zu Senioren.“

In Tschechien bestehen laut den Daten für 2023 knapp 5200 öffentliche Bibliotheken. Obwohl ihre Zahl seit der politischen Wende von 1989 kontinuierlich gesunken ist, legt der Vergleich etwa zu Deutschland offen, wie dicht das Netz dieser Einrichtungen ist. Die Bundesrepublik hat bei achtmal mehr Einwohnern nicht einmal doppelt so viele öffentliche Bibliotheken. Im vergangenen Jahr waren es knapp 8100.

Grund für diesen tschechischen Vorsprung ist ein entsprechendes Gesetz aus dem Jahr 1919. Dies schrieb in der damaligen Tschechoslowakischen Republik jeder Gemeinde vor, eine eigene Bibliothek einrichten zu müssen.

Autor: Till Janzer | Quellen: Český rozhlas , ČTK
schlüsselwörter:
abspielen