Haushaltskürzungen: Kulturministerium lässt dieses Jahr Projekt „Česká knihovna“ ausfallen

Mährische Landesbibliothek in Brno

Dieses Jahr wird es keine öffentlichen Mittel für das Projekt „Česká knihovna“ (Die tschechische Bibliothek) geben. Es ermöglichte bisher die Anschaffung einheimischer Titel abseits des Mainstreams.

Über die Entscheidung des Kulturministeriums informierte Ende vergangener Woche die Mährische Landesbibliothek in Brno / Brünn, die mit der Ausschreibung beauftragt ist. Zur Begründung wird auf das Haushaltsprovisorium verwiesen, das in Tschechien von Jahresbeginn bis zum 20. März herrschte. Dadurch habe der übliche Ausschreibungstermin nicht eingehalten werden können, so das Argument.

Das Projekt „Česká knihovna“ gibt es seit fast drei Jahrzehnten. Nach Einschätzung von Verlegern und Experten gehöre es zu den sinnvollsten Arten, die einheimische Literatur zu unterstützen, schreibt das Nachrichtenportal Novinky.cz. Das Geld wurde demnach von den Bibliotheken vor allem für den Kauf von künstlerischen Werken, illustrierter Belletristik für Kinder oder auch wissenschaftlicher Literatur genutzt. 2025 waren 606 Einrichtungen in ganz Tschechien beteiligt. Im Jahresverlauf wurden laut Novinky.cz knapp 18.000 Bücher für insgesamt 4,7 Millionen Kronen (190.000 Euro) erworben.

Das Projekt sei nicht abgeschafft, sondern nur unterbrochen, betonte Ministeriumssprecherin Barbora Šťastná gegenüber der Tageszeitung Deník N. Und weiter sagte sie:

„Wir stellen uns nicht gegen die Wiederaufnahme des Projektes im kommenden Jahr, sofern es die Haushaltsbedingungen erlauben.“

Die Bibliotheksbetreiber kritisieren, dass durch den Wegfall der Gelder das Angebot in ihren Einrichtungen eingeschränkt werde. Besonders betroffen sind demnach Büchereien in kleinen Städten und Gemeinden. Des Weiteren schreibt der tschechische Schriftstellerverband auf Facebook:

„Das Projekt ‚Česká knihovna‘ ermöglichte den Ankauf von guten und nicht-kommerziellen Titeln, die sich die Bibliotheken ansonsten nicht leisten könnten. Der Schritt des Ministeriums ist ein weiteres Warnsignal, das darauf verweist, dass dieser Regierung die Kultur völlig egal ist.“

Die Sprecherin der Prager Stadtbibliothek (MKP), Lenka Hanzlíková, rief zudem in Erinnerung, dass das Ressort in diesem Jahr bereits das Schwesternprojekt „Cizojazyčná literatura“ (Fremdsprachige Literatur) gestoppt hat. Dies habe immer dafür gesorgt, dass den Menschen in Tschechien auch Literatur in anderen Sprachen zur Verfügung stehe, so Hanzlíková.

Autor: Daniela Honigmann | Quelle: ČTK
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