Cembalistin Barbara Maria Willi und Violinistin Sophia Jaffé in Český Krumlov

Sophia Jaffé und Barbara Maria Willi (Foto: Musikfestival in Český Krumlov)

Während des Sommers finden in Tschechien viele Musikfestivals verschiedener Genres statt. Zu den renommiertesten Sommerfestspielen gehört das internationale Musikfestival in Český Krumlov / Krumau. In unseren Sendungen haben wir anlässlich der Eröffnung des Krumauer Festivals ein Gespräch mit der Solistin der Metropolitan Opera in New York, der lettischen Mezzosopranistin Elina Garanca, gebracht. Auf dem Programm der Festspiele standen auch einige Kammerkonzerte. Letzte Woche traten in Krumau die Cembalistin Barbara Maria Willi und die Geigenvirtuosin Sophia Jaffé

Sophia Jaffé und Barbara Maria Willi (Foto: Musikfestival in Český Krumlov)
Das 22. internationale Musikfestival in Český Krumlov / Krumau ging mit einem Konzert in der Schlossreitschule am vergangenen Samstag zu Ende. Zu den Festivalhöhepunkten gehörte das Kammerkonzert im Maskensaal des Schlosses, in dem letzte Woche zwei deutsche Musikerinnen auftraten: die Cembalistin Barbara Maria Willi und die Geigenvirtuosin Sophia Jaffé. Auf dem Programm standen zwei Sonaten für Violine und Cembalo von Johann Sebastian Bach sowie die Sonate für Cembalo und Violine in C-Dur von Jean-Joseph de Mondonville. Barbara Maria Willi spielte zudem eine Komposition von Peter Graham, die speziell für sie geschrieben wurde. Sophia Jaffé trug ihre beliebte Komposition vor – die Sonate Nr. 1 von Eugène Ysaÿe.

Nach dem Konzert entstand das folgende Gespräch mit Barbara Maria Willi.

Frau Willi, war dies Ihre Premiere hier in Krumlov?

„Ja, tatsächlich bin ich zum ersten Mal in Krumau. Sowohl auf dem Festival als auch in der Stadt.“

Sie leben seit Jahren in Brünn. Ist denn Tschechien Ihre zweite Heimat?

„Absolut, ja.“

Seit wann arbeiten Sie mit Sophia Jaffé zusammen? Und wie ist diese Zusammenarbeit entstanden?

„Wir arbeiten schon seit drei oder vier Jahren zusammen. Es gibt Phasen, da sehen wir uns mal mehr und mal weniger. Aber ich kann die Zeit als positiv bewerten. Wir verstehen uns oftmals ohne ein Wort sagen zu müssen. Unser Zusammenspiel ist gut, und das ist nicht nur technisch gemeint. Uns kennzeichnet ein gewisser Esprit.“

Wie stellen Sie das Konzertprogramm üblich zusammen?

Barbara Maria Willi (Foto: Musikfestival in Český Krumlov)
„Jede von uns hatte die Freiheit, ihr Solostück selbst auszusuchen. Sophia hat ihre Wahl heute sogar noch geändert. Unser Programm ist mehr ein lebendiger Prozess. Zuerst probiert man etwas aus und findet es ganz toll. Und dann merkt man, man könnte doch etwas anderes hereinnehmen oder ein anderes Stück weglassen. Es ist wirklich ein lebendiger Prozess, über den wir auch sprechen. Dennoch bleibt jedem der Freiraum, ihr eigenes Stück selbst auszusuchen.“

Der Maskensaal ist doch etwas Besonderes. Spielt der Ort bei Aufführungen eine große Rolle? Ist es hier in diesem Ambiente anders?

„Ja, der Raum spielt eine wichtige Rolle. Aber noch wichtiger sind für mich die Menschen, die unsere Konzerte besuchen. Und diese Menschen sind ganz verschieden. Dreimal über einen kurzen Zeitraum haben wir das Konzert nun gespielt und jedes Mal waren die Reaktionen anders. Was die Menschen ausstrahlen und was von ihnen zurückkommt, ist mir doch wichtiger.“

Welchen Eindruck hatten Sie vom Publikum in Český Krumlov?

„In Deutschland war eher die Resonanz zu Bach groß. Interessanterweise sind die Geschmäcker in Tschechien offenbar exotischer. Das war für mich eine neue Erfahrung. Man muss an dieser Stelle dazu sagen, es ist nicht der klassische Bach. Diese speziellen Werke entstanden aus seiner Zeit in Köthen und waren für eine ganz bestimmte Person. Diese Kompositionen gelten als sehr kunstvoll und sind nicht leicht zu verstehen. Genau das konnte man heute hier spüren. Im Gegensatz dazu gibt es auch direktere Musik wie von dem französischen Komponisten Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville. Das ist für die Menschen wesentlich leichter zugänglich. Und für mich eine tolle Erfahrung.“

Das Publikum konnte abstimmen, wie sie die Komposition von Peter Graham, die er extra für sie geschrieben hatte, hören wollten. Machen Sie solche Abstimmungen öfters?

Barbara Maria Willi (Foto: Musikfestival in Český Krumlov)
„Nein, das war heute erst das zweite Mal. Durch die vorgezogenen Parlamentswahlen, die bald in Tschechien stattfinden, kam ich auf die Idee. Ich dachte, es sei gar nicht schlecht, wenn man das Wählen ein wenig üben könnte. Das war auch für mich ganz spannend. Bis vor zwei Wochen wusste ich nicht, dass man dieses Stück auf zwei verschiedene Arten interpretieren kann. Bis dahin habe ich das immer auf eine bestimmte Weise gespielt und dabei auch ein wenig experimentiert. Und plötzlich kam mir der Einfall, es ganz anderes zu spielen und ich merkte, es geht auch so. Dann wollte ich meine Zuhörer auch in diesen Prozess einbeziehen, denn wir Musiker machen so etwas viel zu selten. Wir zeigen zu selten, wie unterschiedlich wir ein Stück auslegen können. Meiner Meinung nach ist das für beide Seiten interessant.“

Wie entstand diese Komposition, die ein Akronym Ihres Namens im Titel hat?

„Der Titel heißt ´BAMAWI´, steht also für meinen Namen Barbara Marie Willi. Geschrieben hat es Peter Graham, der eigentlich Jaroslav Šťastný heißt. Er ist ja für seine humorvollen Titel bekannt. Meistens schreibt er zuerst das Stück und überlegt sich im Anschluss einen Namen dafür. Hier war das aber anders. Ich habe davor bereits einige seiner Stücke, die er für mich komponiert hat, mit großem Erfolg gespielt. Daraufhin hatte er einfach Lust, mir das Stück zu schreiben. Da mir der Stil des österreichischen Komponisten György Sándor Ligeti gefällt, bat ich ihn, mir etwas in diesem Stil zu schreiben. Das hat er dann tatsächlich auf sehr originelle Weise verwirklicht. Dafür bewundere ich ihn sehr. Da er es auf meinen Wunsch hin geschrieben hat, gab er dem Titel auch ein Akronym meines Namens, um es noch mehr mit mir zu verbinden.“

Würden Sie auf diesem Festival nächstes Mal wieder auftreten?

Sophia Jaffé (Foto: Musikfestival in Český Krumlov)
„Auf jeden Fall. Český Krumlov gilt ja als Magnet für klassische Musik. Ich könnte mir vorstellen, beispielsweise mit einem Projekt des böhmischen Barockkomponisten Jan Dismas Zelenka aufzutreten.“

Auch die Violinistin Sophia Jaffé war vorige Woche zum ersten Mal in Český Krumlov, wie sie gegenüber Radio Prag erklärte:

„Es ist eine wunderbare Stadt. Die Burg und das Schloss mit dem Maskensaal sind besonders schön. Gefallen haben mir die Akustik dort und die Farben, die sehr inspirierend waren. Es war schön, dort zu spielen. Barbara und ich kamen nach der Ankunft in Český Krumlov direkt in den Saal und hatten das Glück, die Managerin des Schlosses zu treffen. Sie hat uns zehn Minuten lang das alte Theater gezeigt. Die Technik hinter der Bühne hat uns sehr beeindruckt. Und auch der Vortrag der Managerin war sehr lebendig. Wir sind zwar schon ein wenig durch die Stadt gelaufen, doch habe ich morgen Vormittag nochmals Gelegenheit dazu.“

Haben Sie das Programm speziell für den Auftritt mit Frau Willi in Český Krumlov vorbereitet?

„Wir hatten bereits ein Konzert im Rahmen des Musikfestivals im Schloss Jaroměřice nad Rokytnou. Eigentlich haben wir das Programm aus einer Anfrage anlässlich der Bach-Tage in Aschaffenburg zusammengestellt. Ende Juli haben wir dort auf einem kleinen Festival gespielt. Unsere Agentur kam dann auf die Idee, das Programm auch in Český Krumlov und in Jaroměřice anzubieten. Immerhin haben wir es dreimal gespielt. Es ist wunderbar, wenn man ein Stück mehrmals spielen kann und sowohl mit der Musik als auch den Musikern zusammenwachsen kann. Dann lohnt sich auch der große Aufwand für die Proben und man kann die Musik an sich genießen.“

Spielt das Publikum eine Rolle? Haben Sie während des Konzertes überhaupt die Gelegenheit, auf die Reaktionen des Publikums zu achten?

Sophia Jaffé (Foto: Musikfestival in Český Krumlov)
„Man bekommt die Atmosphäre schon mit. Aber enthusiastische Reaktionen nach außen sind nicht immer ein gutes Zeichen. Es gibt auch sehr ruhige und sanfte Musik, die die Menschen berühren und ergreifen soll. Da ist es dann ein besseres Zeichen, wenn man nicht so stark klatscht, weil man durch die Musik bewegt wurde. Trotzdem ist es auch schön, wenn ein Stück sehr schwungvoll und expressiv ist. Das Publikum in Český Krumlov hat unterschiedlich reagiert. Manche waren eher verhalten, andere wiederum begeistert. Ich hoffe, es hat ihnen gefallen.“

Sie haben bereits mehrere Auftritte in Tschechien hinter sich. Im Winter werden sie in Prag spielen.

„Ich habe bereits in Luhačovice und beim Festival ´Janáčeks Hukvaldy´ in Příbor gespielt zusammen mit dem Pianisten Björn Lehmann. Mit ihm bin ich schon oft aufgetreten und im Dezember kommen wir nach Prag, doch dort werden wir ein anderes Programm bieten. Neben einer Beethoven-Sonate spielen wir ein Stück des französischen Komponisten Olivier Messiaen sowie ein eindrucksvolles Werk des russischen Pianisten Sergei Prokofjew und das Stück „Tzigane“ von Maurice Ravel. Das Konzert findet am vierten Dezember statt und wir freuen uns schon sehr darauf. Für Björn Lehmann wird das auch eine Premiere werden, da er noch nie in Tschechien gespielt hat.

Planen Sie auch, eine CD aufzunehmen?

„Dieses Jahr haben wir bereits eine CD aufgenommen. Das war ein zeitgenössisches Konzert des englischen Komponisten John Casken gespielt mit dem Hallé Symphony Orchestra Manchester unter der Leitung von Markus Stenz. Im nächsten Jahr ist eine Aufnahme mit dem Berliner Rundfunksinfonieorchester und Marcus Bosch geplant. Was dort aufgenommen wird, bleibt eine Überraschung.“

Würden Sie wieder nach Český Krumlov kommen?

„Ja, das wäre sehr schön. In einem solchen Saal zu spielen macht immer viel Spaß.“