Charismatischer Schauspieler und geschickter Organisator – Zum Tod von Jiří Bartoška
Im Alter von 78 Jahren ist am Donnerstag der sehr beliebte tschechische Schauspieler und Präsident des Internationalen Filmfestivals in Karlovy Vary / Karlsbad, Jiří Bartoška, gestorben.
Einige Jahrzehnte lang hatte er mit seiner etwas heiseren Stimme die tschechischen Theaterliebhaber und später vor allem die Filmfans in den Bann gezogen. Jiří Bartoška setzte sich aber nicht nur als Schauspieler durch, sondern auch als geschickter Organisator. Seit 1994 war er Präsident des Filmfestivals in Karlsbad, das er nach der Samtenen Revolution wieder auf die Beine stellte. Am Donnerstag nun ist Jiří Bartoška gestorben. Um den Schauspieler trauerten Kollegen wie Film- und Theaterfans gleichermaßen.
Charismatisch, unersetzbar, humorvoll, sehr nett – so charakterisieren ihn seine Wegbegleiter. Der Schauspieler Ondřej Vetchý sagte in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:
„Er war ein Mensch, der den Eindruck machte, dass er wie ein Felsen, wie die Karlsbrücke ist. Umso schockierender ist, dass dieser Mensch nicht mehr da ist. Denn er ist nicht zu ersetzen.“
Die Schauspielerin Tatiana Dyková erklärte, Jiří Bartoška habe einige Generationen von Schauspielern beeinflusst.
„Er war imstande, den jüngeren Kollegen, seine Gedanken zu übergeben und ihnen einen Einblick in die Schauspielkunst zu gewähren.“
Die slowakische Schauspielerin und Diplomatin, Magda Vašáryová, sagte am Donnerstag im Tschechischen Fernsehen unter anderem:
„Jirka war ein sehr guter Schauspieler und ein sehr netter Filmpartner, was absolut notwendig ist. Wenn ich erfahren habe, dass ich mit ihm in einem Film spielen werde, freute ich mich immer darauf.“
Jiří Bartoška stammte aus dem nordböhmischen Děčín. Eigentlich wollte er Kunstgeschichte studieren, ließ sich jedoch von einigen Freunden, die an der Janáček-Akademie der musischen Künste (JAMU) in Brno / Brünn studierten, zum Schauspielstudium überreden. Schon während des Studiums trat er oft mit Karel Heřmánek (1947–2024) auf. Nach zwei Jahren Engagement im Brünner Theater Divadlo Husa na provázku fingen die beiden jungen Schauspieler an, im Theater Činoherní studio in Ústí nad Labem zu spielen. Die Gastspiele des Ensembles in Prag waren damals stets schon lange im Voraus ausverkauft. In einigen hervorragenden Vorstellungen spielten die beiden Schauspieler und Freunde einige Jahre später auch im Prager Theater Am Geländer. Bis heute erinnern sich Theaterfans an die Inszenierung der ,Brüder Karamasow‘. Die Regie hatte damals Evald Schorm, ein wichtiger Vertreter der tschechoslowakischen Neuen Filmwelle. Über seine Theaterarbeit sagte Bartoška 2019 im Tschechischen Fernsehen:
„Ich hatte immer das Glück, das ganze Leben lang in Theatern zu spielen, die eine Art Labor waren. Ich spielte nie in einem großen Theater, wo es sozusagen das bürgerliche Repertoire im guten Sinne des Wortes gab.“
Jiří Bartoška trat in Filmen verschiedener Genres auf – von Krimis bis zu historischen Produktionen. Populär geworden ist er dank der Hauptrolle in der dreiteiligen Serie „Geschichten aus der Steinzeit“ (1977). Von den Filmen aus der Zeit nach der Wende von 1989 zogen vor allem zwei Produktionen die Aufmerksamkeit der Kritiker sowie des Publikums auf sich. Dazu gehören die Rollen in Vladimír Micháleks Streifen „Je třeba zabít Sekala“ („Der Bastard muss sterben“) von 1998 und im Film „Všichni moji blízcí“ („Alle meine Lieben“) von 1999 von Matej Mináč.
Jiří Bartoška beteiligte sich während der Samtenen Revolution von 1989 an der Gründung des Bürgerforums. Er gehörte zu den engen Mitarbeitern von Präsident Václav Havel. Vor zwei Jahren wurde er von Präsident Petr Pavel mit der tschechischen Verdienstmedaille im Bereich Kunst und Kultur ausgezeichnet.







