Corona: Ministerium veröffentlicht Handbuch für Schulen – doch wie viel ist umsetzbar?

Foto: Michaela Danelová, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Am 1. September startet in ganz Tschechien das neue Schuljahr. Der Unterrichtsbetrieb wird dabei weiterhin vom Coronavirus beeinflusst sein. Dazu hat das Bildungsministerium nun eine detaillierte Anleitung erstellt. Doch nicht alle der Empfehlungen ließen sich umsetzen, kritisieren die Schulrektoren.

Robert Plaga  (Foto: Michaela Danelová,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Die Anleitung für die Schulen hat 14 Seiten. Sie enthält einige Vorschriften und viele Empfehlungen. Bildungsminister Robert Plaga (Partei Ano) erläuterte am Dienstag den Grundsatz, auf dem das neue Handbuch basiert.

„Die Schulen werden ab dem 1. September im Standardbetrieb beginnen. Sie sind also nicht eingeschränkt in der Zahl der Klassen und der Zahl der Schüler in den Klassen. Es müssen keine Bestätigungen mitgebracht werden, dass ein Schüler infektionsfrei ist. Wie im Frühjahr gibt es aber Hygieneregeln, wie etwa häufiges Lüften der Räume. Und die Schüler sollten in möglichst homogene Gruppen aufgeteilt werden, um die Kontakte zu reduzieren“, so Plaga bei einer Pressekonferenz.

Foto: Michaela Danelová,  Archiv des Tschechischen Rundfunks

Die Hygieneregeln sehen die Schulrektoren eher als unproblematisch. Marcela Melková leitet die Grundschule in der Gemeinde Určice in Mittelmähren:

„Wir stellen an jeder Tür einfache Piktogramme auf. Damit weisen wir die Kinder noch einmal darauf hin, dass sie im Schulgebäude einen Mundschutz tragen, die Hände desinfizieren und den Mindestabstand einhalten sollen. Außerdem wird der Hausmeister am Eingang stehen, wo wir ebenfalls Desinfektionsmittel haben. Er wird kontrollieren, ob die Kinder auch ohne große Verzögerungen ins Gebäude gehen.“

Die erwähnte Maskenpflicht gilt im Übrigen nicht in den Klassenzimmern und den Schulkantinen sowie auch nicht beim Sportunterricht. Denn die Schulen sollen möglichst vermeiden, dass sich Schüler aus unterschiedlichen Klassen in gemeinsamen Räumen begegnen. Doch dort beginnen bereits die Schwierigkeiten.

Foto: Dáša Kubíková,  Archiv des Tschechischen Rundfunks

„Ich kann zum Beispiel in der Kantine diese Maßnahmen nicht umsetzen. Wir haben 600 Schüler, und die müssen zwischen halb zwölf und zwei Uhr zu Mittag essen. Zudem laufen bei uns gerade Renovierungsarbeiten in der Kantine, und die Essensausgabe wurde in die Sporthalle verlegt. Daran werde ich sicher nichts ändern“, sagt Jana Smetanová, Rektorin einer Grundschule im ostböhmischen Pardubice.

Für Karel Bendlmajer stellt sich die Lage wiederum anders dar. Er leitet eine Grundschule im nordböhmischen Ústí nad Labem / Aussig:

„Die Empfehlungen für die Schulkantine lassen sich bei uns umsetzen, weil nicht so viele Kinder hier essen. Mehr Probleme bereiten mir die betreuten Gruppen außerhalb des Unterrichts. Da sind die Kinder von der Vorschulklasse bis zur fünften Klasse vermischt. Ich kann mir nicht vorstellen, wie sich das anders organisieren lässt.“

Illustrationsfoto: Sergej Semjonow,  Pixabay / CC0

Ein weiterer Teil der Anleitung betrifft Ansteckungsfälle mit dem Coronavirus. Für das Vorgehen bestehen teils konkrete Vorschriften. So muss ein Kind mit akuten Symptomen einer Viruserkrankung von den restlichen Schülern isoliert werden.

Und sollten Klassen oder Schulen aus Quarantänegründen geschlossen werden, muss Fernunterricht gewährleistet sein. Das entsprechende Gesetz wird allerdings gerade erst im Parlament behandelt. Schon jetzt gibt es aber Zweifel an der Umsetzbarkeit.

„Falls aus Quarantänegründen die Hälfte der Schüler nicht in eine Klasse darf, muss ich als Schulleiter den Unterricht für beide Teile gewährleisten. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass dies nicht in entsprechender Qualität möglich ist“, so Jaroslav Jirásko, der auch stellvertretender Vorsitzender des Verbandes der tschechischen Grundschullehrer ist.

Jarmila Rážová  (Foto: Michaela Danelová,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Allerdings muss ein Coronafall nicht unbedingt heißen, dass die halbe oder ganze Klasse in Quarantäne geschickt wird. Dies betonte die oberste tschechische Epidemiologin Jarmila Rážová am Dienstag:

„Durch die epidemiologischen Nachforschungen könnte sich auch herausstellen, dass sich die Kontakte des Corona-positiven Schülers auf drei oder vier Klassenkameraden beschränkt haben – oder vielleicht sogar nur auf einen.“