Corona in Tschechien: Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus werden verschärft

Seit einigen Wochen steigen in Tschechien die Zahlen der Corona-Fälle wieder an, in den letzten Tagen sogar deutlich. Zugleich liegt die Impfquote immer noch relativ niedrig im Vergleich zu anderen EU-Staaten. Das hat die amtierende Regierung von Premier Andrej Babis (Partei Ano) nun auf den Plan gerufen, um etwas gegen diesen Trend zu tun.

Adam Vojtěch | Foto: Vít Šimánek,  ČTK

Nach einem relativ entspannten Sommer ist das Coronavirus auch in Tschechien zurück. Dem Anstieg an Neuinfektionen und an Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern will die Regierung nun entgegenwirken. Nach der Kabinettssitzung am Mittwoch verkündete Gesundheitsminister Adam Vojtěch (parteilos) zunächst:

„Ab dem 25. Oktober besteht die Pflicht zum Tragen einer Atemschutzmaske in allen Innenräumen einschließlich am Arbeitsplatz. Damit wird auch die Ausnahme aufgehoben, die an Arbeitsstätten galt, bei denen ein Stammpersonal beschäftigt ist.“

Illustrationsfoto: Anna Schwets,  Pexels,  CC0

Die Maske abnehmen dürfe man nur, wenn man allein im Raum sei, ergänzte der Minister. Eine weitere Maßnahme betrifft die Kontrollen bei der Einhaltung der 3G-Regel. Bisher gibt es diese nur bei größeren Veranstaltungen oder beim Besuch von Dienstleistungsbetrieben. Nun sagte Vojtěch:

„Gegenwärtig besteht diese Kontrollpflicht aber noch nicht in Restaurants, Klubs, Diskotheken oder beim Catering-Service. Das ist nicht richtig und muss angesichts der aktuellen epidemischen Lage geändert werden. Die Kontrollen dazu müssen von den Betreibern der Gastronomie- und Unterhaltungsbetriebe vorgenommen werden, und zwar ab dem 1. November.“

Václav Stárek | Foto:  ČT24

Nach Aussage des Ministers wurde der Verband der Hotel- und Gastronomiebetriebe über diese Änderung informiert. Nichtsdestotrotz kritisierte Verbandspräsident Václav Stárek, dass die Restaurants noch nicht darin eingewiesen worden seien, auf welche Weise sie die Immunität der Gäste kontrollieren sollen. Laut Vojtěch müsse das Personal den Gast ab dem Moment auf den entsprechenden Nachweis ansprechen, sobald er am Tisch Platz genommen habe. Ohne den 3G-Nachweis dürfe er nichts konsumieren, und so würde es in den Nachbarstaaten Deutschland oder Österreich übrigens schon seit längerem gehandhabt, betonte der Minister.

Danach informierte er über eine weitere Änderung:

Illustrationsfoto: ČT24

„Die Regierung hat entschieden, die Gültigkeitsdauer der Corona-Tests zu verringern. Das heißt, beim PCR-Test wird die Gültigkeit von einer Woche auf 72 Stunden heruntergesetzt, beim Antigen-Test von 72 auf 24 Stunden.“

Diese Maßnahme trete ab dem 1. November in Kraft, genauso wie der Beschluss, dass ab diesem Zeitpunkt keine sogenannten Präventivtests mehr aus den Mitteln der Allgemeinen Krankenkasse bezahlt würden, ergänzte Vojtěch. Von der Opposition werden diese Regelungen kritisiert. In einer abendlichen Fernsehsendung monierte der Vizechef der Bürgerdemokraten, Martin Baxa, dass diese Maßnahmen unzureichend seien und vor allem zu spät kommen würden. Minister Vojtěch erwiderte auf den zweiten Vorwurf:

Illustrationsfoto:  ČT24

„Der Anstieg der Zahlen bei den Neuinfektionen und Covid-19-Patienten war bis in den Oktober hinein ziemlich langsam. Auf welche Weise sie aber in den zurückliegenden Tagen zugenommen haben, bedeutet einen wirklichen Umschwung hin zu einem Risiko-Szenario. Die Zahlen sind rasant gestiegen, und wir reagieren nun darauf mit diesen Maßnahmen.“

Mit einer besseren Impfquote hätte dieser Negativtrend wohl vermieden oder zumindest eingeschränkt werden können, warf Baxa der Regierung vor:

Martin Baxa | Foto: Ivana Schweitzerová Kolaříková,  Tschechischer Rundfunk

„Ich nehme nur einen sehr schwachen Druck der Regierung darauf wahr, dass sich die Zahl der Geimpften erhöht. Tschechien liegt bei der Impfquote nur auf Platz 21 in Europa, wir haben noch nicht einmal 70  Prozent erreicht.“

Aktuellen Daten nach sind derzeit in Tschechien rund 56 Prozent der Bevölkerung vollständig gegen das Virus geimpft. Laut Vojtěch wird der Druck auf die Ungeimpften vor allem dadurch erhöht, dass die Krankenkassen für Erwachsene keine Corona-Tests mehr erstatten. Baxa widersprach dem und erklärte, sich gerade jetzt testen zu können steigere die Eigenverantwortung von Menschen, die sich unwohl fühlten, etwas gegen ihre Ungewissheit zu tun. Der Fernseh-Disput zeigt, dass sich die Corona-Politik hierzulande nach dem erwarteten Regierungswechsel durchaus ändern könnte.

Autor: Lothar Martin
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