Coronavirus: Tschechien zwischen Evakuierung und humanitärer Hilfe

Les sept personnes, parmi lesquelles deux ressortissants slovaques, sont arrivées en République tchèque dimanche soir, photo: ČTK / Ondřej Deml

In der Nacht auf Montag sind fünf tschechische Bürger aus China in ihre Heimat zurückgekehrt. Sie wurden direkt aus dem Epizentrum der Coronavirus-Epidemie ausgeflogen. Prag möchte aber auch weiteren Tschechinnen und Tschechen die Rückkehr ermöglichen.

Die Evakuierten landeten kurz nach Mitternacht auf dem Prager Václav-Havel-Flughafen (Foto: ČTK / Ondřej Deml)

Adam Vojtěch (Foto: ČTK / Michal Krumphanzl)
Die Evakuierten landeten kurz nach Mitternacht auf dem Prager Václav-Havel-Flughafen. Die fünf Tschechen hatten in einem französischen Flugzeug aus Wuhan mitfliegen können. Dieses brachte 250 Menschen aus europäischen Ländern zunächst nach Südfrankreich. Über Brüssel ging es dann mit einem tschechischen Militärflieger nach Prag. Dort sagte Gesundheitsminister Adam Vojtěch (parteilos) bei einem kurzen Pressebriefing:

„Alle fünf sind derzeit in Ordnung und zeigen keine Symptome der Krankheit. Sie werden aber noch auf das Coronavirus untersucht. Die Proben werden ans Referenzlabor des Staatlichen Gesundheitsamtes geschickt. Am Montagabend dürften die Ergebnisse dann vorliegen.“

Allerdings wollen noch mehr Tschechen weg aus China.

„Unsere Botschaft in Peking weiß von 105 weiteren Bürgern, die mit Linienflügen nach Tschechien zurückkehren wollen“, so Außenminister Tomáš Petříček (Sozialdemokraten).

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Das Regierungskabinett entschied daher am Montag, die Flugverbindungen mit China erst ab Sonntag auszusetzen. Bisher bestehen zwölf direkte Flüge pro Woche zwischen Prag und den chinesischen Städten Peking, Chengdu und Shanghai, inklusive Zwischenstopp in Xi´an.

Aber auch darüber hinaus will die Regierung die Tschechinnen und Tschechen in Ostasien nicht im Stich lassen. So versicherte Premier Andrej Babiš (Partei Ano):

„Eventuell schicken wir eine größere Airbus-Maschine der Regierung dorthin. Das Flugzeug wird ab Dienstagnachmittag für den Fall bereitstehen, dass weitere Bürger nach Hause gebracht werden müssen.“

Am Wochenende hatte es Irritationen gegeben wegen einer Bitte um humanitäre Hilfe aus China. Premier Babiš hatte zunächst abgelehnt. In der Nacht auf Montag erläuterte der Regierungschef das so:

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„Der chinesische Botschafter wandte sich an uns und bat um Atemschutzmasken und weiteres medizinisches Material für sein Land. Ich habe das so kommentiert, dass diese Dinge vor allem in unseren Krankenhäusern gebraucht würden. Dort besteht pro Monat ein Bedarf von einer Million Atemschutzmasken. Der wichtigste Hersteller hat eine Reserve von 700.000 Stück. Diese ist vom Gesundheitsministerium als Eigenbedarf blockiert worden, und das ist auch gut so.“

Allerdings empfahl Außenminister Petříček bereits am Sonntag, auf andere Weise der Bitte aus Peking nachzukommen.

„Es ist auch in unserem Interesse, dass China die Epidemie in Griff bekommt und sich diese nicht weiter verbreitet. Deswegen sind wir mit der chinesischen Botschaft in Prag in Kontakt und suchen nach Hilfsmöglichkeiten in dieser Krise“, so der Chef des Auswärtigen Amtes.

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Am Montag beriet daher das Kabinett über einen konkreten Vorschlag des Sozialdemokraten. Nach der Sitzung verkündete Premier Babiš, dass man zehn Millionen Kronen (400.000 Euro) in Form einer Spende an die Weltgesundheitsorganisation bereitstellen wolle.

Außerdem regte der Premier an, dass humanitäre Organisationen in Tschechien eine Spendensammlung starten könnten. Außenminister Petříček und Gesundheitsminister Vojtěch verhandeln des Weiteren darüber, ausrangierte Krankenwagen nach China zu schicken.