CzechInvest bilanziert 2025: Geringere Investitionssumme, aber technisch hochwertigere Projekte
Auch Tschechien muss sich auf dem heißumkämpften Markt der Auslandsinvestitionen durchsetzen. Um die großen Fische an Land zu ziehen, gibt es die staatliche Agentur CzechInvest. Sie hat vor kurzem ihre Zahlen für 2025 veröffentlicht.
Es sind weniger Projekte und eine geringere Investitionssumme, die CzechInvest im vergangenen Jahr ausgehandelt hat. Konkret wurden 25 Investitionsvorhaben von ausländischen, aber auch heimischen Firmen im Gesamtwert von 26,5 Milliarden Kronen (1,1 Milliarden Euro) abgesprochen. Im vorvergangenen Jahr waren es noch 28 Projekte und eine Summe von fast 60 Milliarden Kronen (2,5 Milliarden Euro) gewesen. Damals stach vor allem die Großinvestition des US-amerikanischen Chipherstellers Onsemi heraus. Seine Fabrik steht in Rožnov pod Radhoštěm in Ostmähren. Doch bei CzechInvest ist man auch mit 2025 nicht unzufrieden. Jan Michal ist CzechInvest-Generaldirektor und sagte in einem Interview für die Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:
„Eine solch große Investition wie die von Onsemi ist außergewöhnlich und beeinflusst immer die Gesamtsumme. Im vergangenen Jahr war die größte Ankündigung die von Toyota. Der japanische Autohersteller plant, sein Werk in Kolín auszubauen. Dort sollen künftig Elektroautos für ganz Europa gefertigt werden.“
Das Investitionsvorhaben von Onsemi beläuft sich alleine schon auf 43 Milliarden Kronen (1,8 Milliarden Euro), während es bei Toyota 680 Millionen Euro sein werden. Die Amerikaner wollen also zweieinhalb Mal mehr in ihre Fabrik stecken als die Japaner in ihre. Doch Michal verweist auf den strategischen Aspekt bei der Entscheidung von Toyota für den tschechischen Markt…
„Die Bedeutung dieses Vorhabens liegt darin, dass Toyota langfristig plant, in Tschechien zu bleiben und hierzulande zu investieren. Uns ist es damit gelungen, sie für weitere 20 Jahre in Kolín zu halten. Das ist eine gute Nachricht, weil wir uns gegen die Konkurrenz von drei bis vier weiteren Ländern Europas durchgesetzt haben, die ebenfalls um die Investition gekämpft hatten“, so der Generaldirektor.
Die Fabrik von Toyota befindet sich allerdings nicht gerade in einer der strukturschwachen Gegenden Tschechiens. Kolín liegt in Mittelböhmen, nur rund 60 Kilometer östlich von Prag, und ist durch eine gut ausgebaute Bahnstrecke und die Autobahn D11 hervorragend an die Hauptstadt angebunden.
Allerdings bemüht sich CzechInvest den Worten seines Chefs nach durchaus intensiv, ausländische Investitionen auch in andere Regionen zu locken:
„Natürlich entscheiden vorrangig die Firmen selbst, wo sie ihre Investitionen hinleiten. Aus unserer Sicht versuchen wir aber gerade jenen Kreisen zu helfen, die einen Strukturwandel durchmachen wegen der Schließung der Kohlegruben. Das sind vor allem die Kreise Mährisch-Schlesien, Ústí nad Labem und Karlsbad. Dort bemühen wir uns auch verstärkt darum, dass die Hinterlassenschaften der Kohleförderung oder anderer Industriezweige für die Investitionen genutzt werden – das heißt also die sogenannten Brownfields.“
Von den im vergangenen Jahr ausgehandelten Investitionsvorhaben ist jedoch nur eines in einem der drei vom Strukturwandel besonders betroffenen Kreise geplant. Es handelt sich um das Projekt des südkoreanischen Firma SJG Sejong, die im schlesischen Karviná eine Fabrik betreibt. Der Automobilzulieferer will dort nun Elektromodule herstellen anstatt der bisherigen Auspuffe.
Alle Projekte wurden noch von der Vorgängerregierung von Petr Fiala (Bürgerdemokraten) ausgehandelt. Das neue Kabinett von Andrej Babiš (Partei Ano) möchte noch einmal mehr Bewegung in die Investitionen bringen. Dies geht aus der Wirtschaftsstrategie hervor, die Industrie- und Handelsminister Karel Havlíček (Partei Ano) vergangene Woche vorgestellt hat.
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