„Das Filmfest“ startet mit Mackie Messer
„Das Filmfest“ wird am Mittwoch in Prag eröffnet. Fast 40 deutschsprachige Streifen werden dabei gezeigt.
Frau Polewsky, welche Sektionen gibt es beim diesjährigen Festival?
„In diesem Jahr haben wir wieder traditionell die beiden Sektionen ,Das Filmfest Spezial‘ und ,Doku‘ im Programm. ,Das Filmfest Spezial‘ zeigt einen Querschnitt durch das aktuelle deutsche, österreichische und schweizerische Filmschaffen – sowohl Art-Filme, als auch große Kinohits. Im Rahmen der Sektion ,Doku‘ werden die interessantesten aktuellen Dokumentarfilme vorgestellt. Die erste thematische Sektion in diesem Jahr heißt ,Die Persönlichkeit‘. Die Zuschauer können da Spielfilme über Schicksale tatsächlich existierender Persönlichkeiten wie Bertolt Brecht oder Romy Schneider sehen. Die zweite thematische Sektion heißt ,Zusammen & allein‘. Da geht es um das Spannungsfeld zwischen Einsamkeit und der Existenz, dem Leben in der Gesellschaft. Highlights in dieser Sektion sind bestimmt der Roadmovie ,303‘ von Hans Weingartner und ,Arthur & Claire‘ und viele weitere.“
Welchen der Filme über die Persönlichkeiten würden Sie besonders empfehlen?„Das Festival wird mit dem Film ,Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm‘ eröffnet. Es geht natürlich um die Verfilmung der Dreigroschenoper, aber auch um die Person von Bertolt Brecht. Alles, was er im Film sagt, beruht auf Originalzitaten, die irgendwo einmal gefallen sind. Es ist eine Musical-Tragikomödie, die sich abspielt zwischen dem realen Bertolt Brecht, Kurt Weil und seinem Team und gleichzeitig sieht man, wie die Verfilmung der Dreigroschenoper Form annimmt. Und wie die Macher dabei im Clinsch mit der Filmindustrie lagen.“
Ist der Film über Romy Schneider vor allem für diejenigen bestimmt, die die Schauspielerin in den 1960er und 1970er bewundert haben?„Nicht nur für sie, sondern auch für die jüngere Generation. Für viele ist Romy Schneider als junge, frische Kaiserin Sissy aus der Sissy-Trilogie bekannt. Das war ein Stempel, mit dem sie lange zu kämpfen hatte und von dem sie sich nicht emanzipieren konnte. Der Film ,Drei Tage in Quiberon‘ bietet einen Ausschnitt aus ihrem Leben, als sie schon eine gebrochene Frau war, die Schwierigkeiten hatte, eine Beziehung zu ihrem eigenen Kind aufzubauen. Sie ist in einem französischen Kurort und dort soll ein ausführliches Interview mit zwei Journalisten vom deutschen Stern stattfinden. Es ist ein sehr spannendes Porträt einer faszinierenden, legendären Persönlichkeit. Es ist zudem eine Darstellung dessen, was Ruhm mit einer Persönlichkeit macht. Der Film beschäftigt sich mit vielen Fragen vor einer melancholischen Kulisse des Kurortes am Meer. Es ist faszinierend, dass auch die Schauspielerin Marie Bäumer sich lange überreden ließ, bevor sie sich für die Rolle der Romy entschieden hat.“
Frau Kuhnová, könnten Sie die Doku-Sektion des Filmfestes vorstellen?
Das Filmfest findet von 17. bis 23. Oktober in den Prager Kinos Lucerna und Atlas statt. Von 29. Oktober bis 2. November wird eine Auswahl der Filme in den Brünner Kinos Místodržitelský palác (Statthalterpalast) und No Art gezeigt.
Welchen der Schweizer Spielfilme sollte man sich nicht entgehen lassen?
„Ich würde den Film ,Dene wos guet geit‘ empfehlen, es ist der Debütfilm von Cyril Schäublin. Er ist eine Sonde in die heutige Gesellschaft in Zürich.“
Kommen auch Gäste – Regisseure oder Schauspielerinnen und Schauspieler – zum Festival?
„Ja, bisher können wir zwölf Diskussionen im Anschluss an die Filmvorführungen bestätigen. Bei der Eröffnung des Festivals wird der Produzent Dirk Derenbach anwesend sein. Zum Abschluss kommt Regisseur Joachim A. Lang. Christian Frosch wird seinen jüngsten Spielfilm ,Murer – Anatomie des Prozesses‘ vorstellen. Der Regisseur Istvan wird in Prag seinen Thriller ,Cops‘ präsentieren. Es kommen noch weitere Filmemacher.“







