Der Milliarden-Deal: Spanische Telefónica übernimmt Mehrheitsanteil der Ceský Telecom

Der Milliarden-Poker rund um die Privatisierung der tschechischen Telefongesellschaft Ceský Telecom ist entschieden: Die rund 51 Prozent, die noch im Staatsbesitz waren, standen zum Verkauf, den Zuschlag erhielt am Mittwoch der spanische Gigant Telefónica. Dieser ist mit seinen Umsätzen bereits jetzt der achtgrößte Telekommunikationsanbieter der Welt. Mehr dazu von Gerald Schubert:

82,6 Milliarden Kronen, also etwa 2,75 Milliarden Euro - das ist der Kaufpreis, den die spanische Telefónica für die Ceský Telecom bezahlen muss. Finanzminister Bohuslav Sobotka sagte am Mittwoch, die Entscheidung für den spanischen Anbieter sei im Kabinett einstimmig gefallen, der Preis sei dabei das einzig ausschlaggebende Kriterium gewesen. Einem Vertragsabschluss steht laut Sobotka nun nichts mehr im Wege:

"Beide Seiten werden jetzt formell verhandeln. Die Vertragsbedingungen waren im Wesentlichen schon Gegenstand des Angebots, ich erwarte also keine komplizierten Verhandlungen mehr. Der Vertrag sollte in den nächsten Tagen unterschrieben werden."

Finanzminister Bohuslav Sobotka (Foto: Zdenek Valis)
Die Unternehmen Belgacom, Swisscom sowie ein internationales Konsortium aus mehreren Beteiligungsgesellschaften hatten sich ebenfalls um die Ceský Telecom beworben, zum Teil allerdings deutlich weniger geboten als die Telefónica. Über die Verwendung des Privatisierungserlöses wurde bisher noch nicht entschieden, einige Eckpunkte sind aber bereits jetzt klar:

"Ein Teil des Geldes soll für die Beseitigung von Umweltschäden verwendet werden, vor allem in Nordmähren und Nordwestböhmen, ein weiterer Teil zur Abdeckung von Verlusten der Tschechischen Konsolidierungsagentur, die im Zusammenhang mit Privatisierungen auf dem Bankensektor entstanden sind", sagt Finanzminister Sobotka. Weitere Gelder aus dem Verkauf der Ceský Telecom sollen zudem in die Verkehrsinfrastruktur und in den Wohnbau fließen.

An dem Deal hat nicht einmal die Opposition besonders viel auszusetzen, die sonst an der sozialdemokratischen und derzeit schwer krisengeschüttelten Regierung kaum ein gutes Haar lässt. Oldrích Vojír von der oppositionellen Demokratischen Bürgerpartei (ODS) ist stellvertretender Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Abgeordnetenhaus. Zum Verkauf der Ceský Telecom sagt er:

"Es scheint, als ob dieser Prozess korrekt abgelaufen ist. Auch der angebotene Preis entspricht dem Wert des Anteils. Überhaupt ist es eine gute Nachricht, dass diese Firma nun endlich einen privaten Eigentümer haben wird. Eine der Auswirkungen wird hoffentlich sein, dass die Preise einiger ihrer Produkte auf dem Markt sinken."

Martin Ríman, der Wirtschaftssprecher der ODS, weist jedoch darauf hin, dass die Telefónica mit ihrem Mehrheitsanteil an der Ceský Telecom automatisch auch 100 Prozent von deren Mobilfunktochter Eurotel erworben hat:

"Wenn der neue Eigentümer Eurotel weiterverkauft, bekommt er dafür genauso viel Geld, wie er jetzt für die ganze Telecom ausgegeben hat", kritisiert Ríman.