Der Ort bestimmt die Atmosphäre: 3. Troja Festival in Prag

Das Troja Festival will eine etwas andere Veranstaltung seiner Art sein. Dargeboten werden klassische Musikstücke, die zwar allseits bekannt sind – die Orte der Aufführungen sorgen aber für eine besondere Atmosphäre, die in den üblichen Konzertsälen nicht entsteht. Zum dritten Mal laden die Organisatoren also in den Prager Stadtteil Troja, um große Komponisten in ungewöhnlicher Umgebung und bei einem guten Glas Wein zu erleben. Daniela Honigmann hat die Festivalleiterin Martina Výrková getroffen und sich das Konzept erläutern lassen.

„Was ein gutes Festival ausmacht, sind Orte mit einem Genius Loci, Wein und eine schöne Sommeratmosphäre.“

Martina Výrková | Foto: Daniela Honigmann,  Radio Prague International

So beschreibt die Kulturmanagerin Martina Výrková den Rahmen des Troja Festivals, das sie vor mehr als zwei Jahren mitgegründet hat. Der ursprüngliche Ideengeber war der Violinist Josef Špaček, der als Musiker selbst bei vielen Kammerkonzerten überall auf der Welt auftritt. Nach seinem Umzug in den Prager Stadtteil Troja habe Špaček immer öfter davon gesprochen, dass es dort tolle Orte für solche Veranstaltungen gebe, erinnert sich Výrková. Und sie berichtet von ihren eigenen Eindrücken:

„Ich bin immer nur mit meinen Kindern nach Troja gefahren, um in den Zoo zu gehen. Dann wurde mir aber klar, dass es dort noch viele andere schöne Orte gibt, die sowohl die Prager als auch die Touristen noch nicht entdeckt haben. Ich bin beruflich oft im Schloss Troja, und immer verwundert es mich, wie leer es dort ist. Wenn man aber anfängt, den Garten mit seinem Labyrinth für sich zu entdecken, dann merkt man, wie klug dieser schon in der Zeit des Barock angelegt wurde. Außerdem gibt es dort Wandgemälde und wunderbare Bäume, und alles liegt gleich am Fluss. Dem Schloss wurde im 18. Jahrhundert zudem ein Wirtschaftshof hinzugefügt, zu dem auch eine Brauerei gehörte. Und ich stelle mir immer vor, wie man zu der Zeit damals auf Pferden anritt und durch das imposante Tor in den Garten kam.“

Schloss Troja | Foto: Petr Kadlec,  Troja Festival

Konzertorte wie dieser würden der Musik eine zusätzliche Dimension verleihen, fügt Výrová hinzu. Zwar müsste der Raum im Schloss für das Troja Festival speziell ausgestattet werden, weil die Wände einen Nachhall von ganzen sechs Sekunden erzeugen würden. Mit den richtigen Einstellungen seien die Aufführungen im Schloss jedoch immer ein Erfolg, so die Managerin – und nicht nur dort:

„Als die Idee zum Festival aufkam, sagten wir uns, dass wir es einfach versuchen werden. Den ersten Jahrgang haben wir zunächst als den nullten bezeichnet. Wir wollten abwarten, ob wir Fuß fassen. Denn in Prag gibt es viele Angebote, und es wäre möglich gewesen, dass keine Nachfrage besteht. Aber es wurde ein großer Erfolg. Von den Besuchern kamen tolle Rückmeldungen. Bis heute erinnere ich mich daran, wie mich das Abschlusskonzert im Zoo gerührt hat. Unter freiem Himmel erklang ‚Verklärte Nacht‘ von Arnold Schönberg, und die Menschen bedankten sich mit Tränen in den Augen für dieses intensive Erlebnis.“

Zoologische Garten | Foto: Petr Kadlec,  Troja Festival

Und so sei aus dem nullten Jahrgang der erste geworden, fügt Výrková hinzu. Der Zoologische Garten gehöre seitdem genau wie das Schloss zu den festen Konzertadressen beim Troja Festival. Dort würden die Grillen und die Rufe von Flamingos oder anderen Tieren die Open-Air-Darbietung begleiten, schwärmt die Direktorin. Und der einsetzende Sonnenuntergang tue sein Übriges für die Atmosphäre – ganz ähnlich wie im Botanischen Garten, in dem ebenfalls draußen gespielt wird. Výrková fährt fort:

„Der vierte feste Ort ist die ehemalige Brauerei. Im Prinzip handelt es sich um eine angebaute Scheune auf dem historischen Wirtschaftshof. Sie hat einen Dachstuhl aus Holz und eine erstaunliche Akustik. Unser Gedanke war, dass man an einem solchen Ort kein Konzert erwarten würde. Das gilt auch für die alte Kläranlage in Bubeneč, die wir vergangenes Jahr entdeckt haben. Ich kann gar nicht schätzen, wie hoch sie ist – aber 15 Meter werden es in der Halle bis zur Decke sicher sein. Dort klingen die Instrumente kristallklar.“

Alte Kläranlage in Bubeneč | Foto: Petr Kadlec,  Troja Festival

Auftakt im Planetarium

Eine ganz neue Adresse beim Troja Festival ist in diesem Jahr das Prager Planetarium. Es wurde für das Auftaktkonzert am 18. Juni ausgewählt. Und es habe sie zu dem Motto dieses Jahrgangs inspiriert, sagt Martina Výrková. Dieses lautet „Mezi nebem a zemí“ (Zwischen Himmel und Erde)…

Quelle: Troja Festival

„Es macht mir Spaß, poetische Titel für ein Programm zu finden. Diesmal habe ich ihn auf einen komplexen Gedanken bezogen. Obwohl wir Menschen so vieles entdecken – sei es der Weltraum, der Ozean oder die Medizin, in der es schon unbegrenzte Möglichkeiten und zahlreiche Kenntnisse gibt –, so bleiben doch immer noch Dinge bestehen, die wir nicht erklären können und die ein bisschen rätselhaft sind. Dazu kann eben auch die Magie der Musik gehören, die auf einen Menschen wirkt, oder allgemeiner die Magie der Kunst.“

So wie Výrková selbst das Planetarium auf sich wirken lässt, so arbeitet auch Josef Špaček mit den einzelnen Veranstaltungsorten. Der Künstlerische Leiter und Dramaturg des Troja Festivals erstelle für jedes Venue ein Konzertprogramm nach Maß, betont Výrková:

Josef Špaček | Foto: Andrej Grilc,  Troja Festival

„Als es um das Planetarium ging, haben wir nach Musikstücken gesucht, die sich auf das Weltall beziehen. So gibt es das kaum gespielte ‚Concerto per Galileo Galilei‘ von Luboš Fišer zu hören, eine sehr wirkungsvolle Streicher-Komposition. Oder auch ‚Die Schöpfung‘ von Joseph Haydn. Wir führen zwar nur deren Prolog auf, aber darin geht es auch um den Beginn von Allem, also um den Urknall und die Entstehung des Lebens auf der Erde. Und die Hauptattraktion des Abends ist eine Bearbeitung von ‚Also sprach Zarathustra‘ von Strauss.“

Das diesjährige Festivalmotto wird sich laut Výrková ebenso beim Konzertabend im Prager Zoo widerspiegeln, der mit „Träumerei“ überschrieben ist. Dort werden Camille Saint-Saëns, Claude Debussy und erneut Richard Strauss gegeben.

„Snění“  (Träumen) | Foto: Petr Kadlec,  Troja Festival

Lockerer Dresscode

Das Konzertangebot beim Troja Festival wendet sich nicht nur an Kenner. Man wolle ein breites Publikum ansprechen, unterstreicht die Direktorin. Und besonders würden ihr Familien mit Kindern am Herzen liegen, um schon die Kleinen an die Musik heranzuführen...

„Jedes Jahr haben wir eine Art Crossoverkonzert dabei. Das können Filmmusik oder Evergreens von den Beatles oder Queen sein, gespielt von tollen Ensembles wie diesmal Cello Republic oder dem Epoque Quartet im ersten Jahrgang. Zu diesen Konzerten kommt wirklich die ganze Familie. Sie finden in der ehemaligen Brauerei statt, wo man in der Pause eine Runde spazieren und sich eine Erfrischung holen kann. Es ist eine eher offene Umgebung, bei der sich die Eltern keine Sorgen machen müssen, wenn das Kind auf dem Stuhl herumrutscht oder einfach losrennt.“

Die Besucher müssten sich auch nicht extra elegant kleiden, fährt Výrková fort. Jeder solle einen Dresscode wählen, der ihm angenehm ist.

Foto: Petr Kadlec,  Troja Festival

„Ich beobachte auch – und das freut mich sehr –, dass in unserem Publikum Menschen zwischen 30 und 50 Jahren vertreten sind. Oft handelt es sich um Liebhaber von Architektur und Musik. Das etwas andere Format unserer Konzerte sagt ihnen zu – dass sie also nicht mit Sakko und Krawatte in einen Konzertsaal müssen. Wir bieten eine eher lockere und freundschaftliche Atmosphäre.“

Nach der Aufführung könnten die Besucher noch mit den Musikern zusammentreffen. Denn anders als in einem Konzertsaal bestehe bei den Veranstaltungsorten des Troja Festivals keine Trennung der Bereiche für Künstler und für Publikum, schildert Výrková. Und zu den Gesprächen nach dem Programm gehöre dann ein Glas Wein, so die Direktorin:

„Von Anfang an hatten wir die Vision, auch den lokalen Wein zu präsentieren. Zudem planen wir immer ein Zimbal-Konzert ein, das passt toll zusammen. Seit Gründung des Festivals arbeiten wir mit der familiengeführten Winzerei Jabloňka zusammen, die ihren Sitz auf dem Hügel in Troja hat. Bei dem Zimbal-Auftritt im Botanischen Garten gibt es ihren Wein zu verkosten. Es gelingt dem Unternehmen sogar, Rotweinsorten anzubauen, was in Troja eine Rarität ist.“

Foto: Petr Kadlec,  Troja Festival

Und vielleicht wird es in naher Zukunft beim Troja Festival auch ein lokales Bier geben. Denn sie habe Informationen, wirft Martina Výrková ein, dass die Eigentümer der ehemaligen Brauerei am Schloss den Betrieb dort gern wieder aufnehmen würden.

Das Troja Festival findet vom 18. bis 23. Juni statt. Das Auftaktkonzert ist ausverkauft, für alle anderen Programmpunkte gibt es aber noch Karten. Alle Infos hält die Website bereit, und das auch auf Englisch.

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