Die schwierige Rückkehr tschechischer Antarktis-Forscher

Foto: Archiv der Masaryk-Universität

Expeditionen in die Antarktis sind seit den Zeiten von Amundsen und Scott deutlich einfacher geworden. Doch Corona-Pandemie hat die Rückkehr von tschechischen Forschern vom weißen Kontinent zu einem großen Abenteuer gemacht. Wie jedes Jahr haben die Wissenschaftler dort auf der Mendel-Polarstation die Folgen des Klimawandels untersucht.

Mendel-Polarstation (Foto: Radek Vodrážka)

Foto: Archiv der Masaryk-Universität
Die Mendel-Polarstation liegt an einem der klimatisch noch angenehmeren Orte in der Antarktis. Es ist die Küste der James-Ross-Insel. Immer im Januar machen sich Wissenschaftler von der Masaryk-Universität im südmährischen Brno / Brünn auf den langen Weg dorthin. Für einige Wochen arbeiten sie dann vor Ort. Dabei geht es darum festzustellen, wie sich der Klimawandel auswirkt auf Gletscher und Permafrost, auf Seen, Bäche und den Boden sowie Mikroorganismen und Pflanzen. Auch dieses Jahr haben mehrere Experten auf der Mendel-Polarstation verbracht. Eigentlich sollten sie Mitte März wieder zurück in der tschechischen Heimat sein – mit jeder Menge geologischer und biologischer Proben. Doch sie harren immer noch auf der Südhalbkugel der Erde aus. Daniel Nývlt leitet das tschechische Antarktis-Programm und sagte in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

Daniel Nývlt (Foto: Archiv von Daniel Nývlt)
„Einen Monat lang dauerte die Überfahrt bis Valparaiso, dem Heimathafen unseres Transportschiffes Aquiles. Von hier sind es nur einhundert Kilometer bis in die chilenische Hauptstadt Santiago. Dort hat sich die Expedition nun in einem der wenigen Hotels eingemietet, die noch geöffnet sind und auch Essen anbieten.“

Denn wegen der Corona-Maßnahmen sind auch in Chile derzeit alle Restaurants geschlossen. Insgesamt warten neun Wissenschaftler aus Tschechien derzeit in Santiago auf die Weiterreise. Darunter auch der Klimatologe Kamil Láska:

„Wir sind alle guter Dinge und glauben fest daran, dass wir in einigen Tagen oder Wochen entweder einen kommerziellen Flug buchen können oder durch einen Rückholflug nach Europa kommen.“

Kamil Láska (Foto: ČT24)
Angeblich sind aber in Chile insgesamt nur zehn Tschechen, zehn Polen und etwa 15 Deutsche hängengeblieben – bisher zu wenig für eine Rückholaktion.

Defektes Schiff und Corona-Quarantäne

Dabei sind die Experten sehr zufrieden mit der Forschungsarbeit der vergangenen Wochen. Denn diesmal hätten beste Bedingungen dafür geherrscht…

„Es ist ein großes Glück, dass das Wetter diesmal mitgespielt hat und uns viel Arbeit im Freien erlaubt hat. Aus dieser Sicht sind wir sehr froh, dass wir all unsere Vorhaben umsetzen konnten“, so Láska.

Polarstation auf Nelson Island (Foto: Grýn McSkalpeel, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)
Daniel Nývlt hatte dies bereits im März für die Webseiten der Masaryk-Universität näher ausgeführt. Demnach gab es relativ wenig Niederschlag, doch es war kälter als im langjährigen Mittel.

Außerdem machte eine kleinere weitere Forschergruppe einen Abstecher nach Nelson Island, das zu den Südlichen Shetlandinseln gehört. Dort soll eine alte Polarstation wieder hergerichtet werden für den Betrieb. Vor allem wurde der ganze frühere Müll von dort beseitigt. Diese Gruppe ist übrigens bereits wieder in Tschechien angekommen.

Für den Rest war die Rückreise aus der Antarktis äußerst beschwerlich. Erst hatte das chilenische Transportschiff „Aquiles“ Verspätung wegen eines Defekts. Dann verbrachten die Tschechen gleich mehrere Wochen an Bord, ehe sie wieder festen Boden unter den Füßen hatten. Unter anderem mussten sie vor Punta Arenas auf dem Schiff ausharren, weil sie wegen des Coronavirus unter Quarantäne gestellt wurden. Dadurch verpasste die Expedition den ursprünglich geplanten Rückflug am 15. April. Immerhin können nun alle in ihren Hotelzimmern in Santiago de Chile in Ruhe an den Computern arbeiten. Kamil Láska:

Foto: Archiv der Masaryk-Universität
„Wir komplettieren hier unsere Aufzeichnungen, übertragen die ganzen Daten und machen bereits die ersten Analysen.“

Auch die zahlreichen Proben sind laut dem Klimatologen in Sicherheit.

„Wie zuvor auf der Aquiles haben wir auch hier im Hotel Kühlschränke zur Verfügung. Das heißt, das ganze gesammelte biologische Material ist bei entsprechenden Temperaturen gelagert.“

Biologische Proben im Gepäck

Foto: Archiv der Masaryk-Universität
Sorgen macht den Wissenschaftlern jedoch die Vorstellung, die Proben auf kompliziertem Luftweg nach Tschechien bringen zu müssen. Mehrfache Stopover könnten da zu einem Problem werden. Zudem steht die Weiterführung des Forschungsprogramms nun auch wegen der Corona-Pandemie auf dem Spiel. Was wird, wenn die Grenzen teils auch noch im kommenden Jahr geschlossen blieben, fragt sich Kamil Láska…

„Wir müssen regelmäßig die Polarstation warten sowie die ganzen Messanlagen direkt dort und in der näheren Umgebung. Unter anderem müssen die Batterien ausgetauscht werden. Sollten Ergebnisse aus unseren durchgehenden Messungen fehlen, wäre das ein großer Verlust.“

Seit 15 Jahren bereits sammeln die Wissenschaftler aus Brünn kontinuierlich ihre Daten. Dazu Daniel Nývlt:

Foto: Archiv der Masaryk-Universität
„Je robuster unsere Datenlage ist, desto besser können wir zum Verständnis beitragen, welcher Wandel sich derzeit in der Antarktis vollzieht.“

So untersuchen die Geomorphologen im Team, wie sich der Permafrost und der Boden verändern. Die Biologen beobachten zum Beispiel die Entwicklungen bei Flechten, Moosen und Algen unter den extremen klimatischen Bedingungen an diesem Ende der Welt. Die Mikrobiologen studieren wiederum die Mikroflora bei den Tieren in der Antarktis und sammeln mikroskopisch kleine Pilze, die auf Felsen und auf dem Boden wachsen. Bei ihren Forschungsvorhaben arbeiten die Wissenschaftler aus Brünn mit Kollegen einiger ausländischer Universitäten zusammen.