„Die Zukunft nicht aus den Augen verlieren“

Foto: muffinn, Flickr, CC BY 2.0

Unsere Hörer beschreiben Ihr Leben in der Corona-Zeit und machen sich Gedanken über Europa nach der Pandemie.

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Františka Plamínková (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Zunächst wie üblich unsere monatliche Preisfrage. Im April haben sich jene Parlamentswahlen zum 100. Mal gejährt, an denen erstmals auch in der Tschechoslowakei Frauen teilnehmen durften. Welche weitere Frauenrechtlerin hat sich neben der Präsidententochter Alice Masaryková entscheidend für das Frauenwahlrecht hierzulande eingesetzt? Das wollten wir im April wissen. Und die richtige Antwort lautet: Františka Plamínková. Unter anderem Tanja Loss aus Deutschland hat uns diesen Namen genannt. Sie bekommt einen Sachpreis von uns. Herzlichen Glückwunsch!

Und nun die Preisfrage im Mai, sie lautet:

Beim Musikfestival „Prager Frühling“ wird regelmäßig Smetanas sinfonischer Zyklus „Mein Vaterland“ (Má vlast) aufgeführt. Wie heißt die erste von insgesamt sechs sinfonischen Dichtungen dort?

Schreiben Sie uns den Namen an cr@radio.cz.


Quelle: Decca Records
Und mit dem Zyklus „Mein Vaterland“ von Bedřich Smetana geht es auch in den folgenden Minuten weiter. In der Sendereihe MusikCzech haben wir vor Kurzem den zweiten Teil des Zyklus gespielt: „Die Moldau“. Und dieser war bei Ihnen der klare Favorit unter den Musiksendungen des zurückliegenden Monats, wie aus Ihren Kommentaren hervorgeht. So merkt Heinz Günter Hessenbruch aus Remscheid an:

„Die Moldau – immer wieder ein Genuss, ein Kunstwerk! Danke für diese Sendung.“

Auch Wolfgang Maschke aus Kehl am Rhein hat sich Smetanas sinfonische Dichtung „Die Moldau“ aus dem Zyklus angehört:

„Hallo zusammen, das war heute eine sehr schöne Musiksendung – passend zu dem tollen Frühlingswetter bei mir zu Hause am Rhein.“

Horst Cersovsky aus Sangerhausen schreibt ausführlicher über seine Beziehung zur Musik von Smetana:

Quelle: Bellaphon
„Es hat mich gefreut, am Sonntag die deutsche Sendung aus Prag zu hören, die im Zeichen des Komponisten Bedřich Smetana und der 145-jährigen Premiere seines Werkes ‚Die Moldau‘ stand. Der Zyklus ‚Mein Vaterland‘ und die Komposition ‚Die Moldau‘ waren für mich persönlich während der Schulzeit in der DDR der erste wirklich intensivere Kontakt mit klassischer Musik. Die musikalische Beschreibung des Laufes der Moldau hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen, und ich teile die Aussage, dass es sich um eine der populärsten sinfonischen Dichtungen überhaupt handelt. So gibt es auch im Bereich der populären Musik eine Vielzahl von Interpretationen, wobei mir besonders die erfolgreiche Klassik-Coverversion einer deutschen Rockband, Pell Mell, noch in Erinnerung ist. Heute konnte ich das herausragende klassische Werk Smetanas aus Anlass des Jubiläums seiner Uraufführung im Original in Ihrem Programm hören. Musik verbindet, ebenso das Radio, und das ist in der Zeit der Corona-Pandemie sicher besonders wichtig.“

Foto: Gerd Altmann, Pixabay / CC0
Soweit Horst Cersovsky. Er hat in seinem Brief den Schwerpunkt der Berichterstattung in diesen Tagen angedeutet. Die Corona-Pandemie ist natürlich auch das dominierende Thema in Ihren Zuschriften. Lutz Winkler aus Schmitten im Taunus beschreibt sein Leben in diesen Zeiten:

„Seit einigen Wochen sitze ich zu Hause und arbeite – komme kaum weg, außer zum Arzt. Als Risikopatient muss ich wegen der Infektionsgefahr besonders aufmerksam sein – und die Familie hat beschlossen, dass ich nicht mehr einkaufen gehen darf. Meine kleinste Tochter ist mit ihrem Freund in der ersten Märzhälfte bei uns vorübergehend eingezogen. Wir haben somit etwas Unterstützung und auch Abwechslung. So bestehen – neben der Arbeit im Homeoffice – meine Außenkontakte in täglichen Spaziergängen und der Gartenarbeit sowie dem Hobby der Kurzwelle. Alles ist sehr gewöhnungsbedürftig, muss jedoch sein. Auch wenn die Zahlen nicht so hoch klingen, so ist die Gefahr gerade für ältere Menschen und Risikopatienten enorm, an einer Covid-19-Infektion ernsthaft zu erkranken. Und so halte ich mich an die Ratschläge meiner Familie und hoffe, dass die Beschränkungen langsam wieder gelockert werden können.“

Sozialistisches Ostern (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Das Programm von Radio Prag sei gut auf Kurzwelle zu empfangen gewesen – kaum Störungen und ein gut moduliertes Signal, welches die Verständlichkeit erleichtere, schreibt Herr Winkler weiter:

„Die Sendungen zum Thema Corona haben mir einen guten Einblick in die Situation des Nachbarlandes gegeben – insbesondere in die Situation der Arbeitnehmer und der Unternehmen. Aber ich höre auch gern die Sendungen und Beiträge, die nicht Corona als Thema haben. So berührte mich die Sendung ‚Sozialistisches Ostern‘ in der Tschechoslowakei. Ja: Ostern wurde als Frühlingsfest gefeiert – und der Osterhase war die Botschaft. Ostern wurde sozialistisch umgeprägt, ohne den wahren Ursprung des Festes der Christen zu erwähnen. Sie haben das wirklich sehr gut dargestellt und bei mir viele Erinnerungen wachgerüttelt.“

Peter Vaegler aus Stralsund bedankt sich für QSL-Karten, die er von Radio Prag International zugesandt bekommen hat:

„Eigentlich kann man ja in dieser komplizierten Zeit kaum an QSL-Karten denken, andererseits hat man sehr viel Zeit, da viele Menschen nicht zur Arbeit gehen können, Homeoffice machen oder als Rentner zu einer Risikogruppe gehören und so wenig wie möglich draußen sein sollen. Meine Frau und ich sind ja auch schon 66 Jahre alt und gehören damit zu dieser Risikogruppe, die sich möglichst wenig unter Menschen aufhalten soll. Schon vor der Corona-Zeit haben wir einmal wöchentlich meinen Schwiegervater (89) mit Lebensmitteln versorgt und tun dies auch jetzt noch. Es ist schon bedrückend, wenn man in ein großes Einkaufszentrum mit 1300 Parkplätzen fährt, und nur ein geringer Teil ist davon belegt. Alle Geschäfte in der Mall sind geschlossen, nur zwei Lebensmittelgeschäfte, die Drogerie und der Bäcker haben geöffnet. Überall steht Sicherheitspersonal und achtet darauf, dass die Abstände eingehalten werden. Daher finde ich es sehr begrüßenswert, dass es in Tschechien gesonderte Einkaufszeiten für Senioren gibt.“

Illustrationsfoto: Like_the_Grand_Canyon, Flickr, CC BY-NC 2.0
Martina Pohl aus Überlingen schreibt über ein Phänomen, das die Corona-Krise begleitet:

„Wo ist die Hefe hin? Bei diesen Worten musste ich schmunzeln. Sie treffen den Nagel auf den Kopf, wie man so schön sagt. Es ist in Tschechien wie auch in Deutschland das gleiche Phänomen. Hefe ist rar, beziehungsweise erst gar nicht zu bekommen. Die Bereitschaft zu backen scheint bei der Bevölkerung zurzeit hoch im Kurs zu liegen. Seit letzter Woche hat sich aber die Lage bezüglich der Hefe bei uns drastisch verbessert. Anstatt dem üblichen 42-Gramm-Würfel ist diese nun vereinzelt als 500-Gramm-Großwürfel zu bekommen.“

Andreas Mücklich aus Berlin stellt fest, dass sich die Zeiten schnell ändern:

„Als ich Ihnen Anfang März das letzte Mal geschrieben habe, war das Coronavirus noch nicht so allgegenwärtig, wie es jetzt ist. Überall gibt es scheinbar nur noch ein Thema: Covid-19. Ich versuche nur noch das Wichtigste aus den Nachrichten herauszufiltern, um mich dann mit anderen, positiven Dingen zu beschäftigen. Da sind mir das Radio und die Kurzwelle eine große Hilfe dabei. Gerne schaue ich auch bei Radio Prag International vorbei, wenn ich denn Zeit habe und pünktlich Feierabend machen kann.“

Quelle: Archiv des österreichischen Gesundheitsministeriums
Ein paar Gedanken aus dem österreichisch-tschechischen Grenzgebiet kamen am 7. April von Franz Schanza aus Niederschrems:

„Ja, die Corona-Pandemie hat uns auch erfasst. In manchen Gegenden wie in Tirol ist es besonders arg ausgefallen. In meinem Heimatbezirk Gmünd sind wir relativ glimpflich davongekommen, wir haben nur vier Infizierte. Aber die Maßnahmen treffen uns genauso, vor allem die Wirtschaft ist arg getroffen, es gibt Kurzarbeit, und die Arbeitslosenzahlen sind stark angestiegen. Wir sind auch betroffen von der Grenzschließung. Da wir im österreichisch-tschechischen Grenzgebiet wohnen, haben wir manche Erledigung in Tschechien, wir fahren zur Massage und zum Frisör hinüber und öfters auch in ein Restaurant. Das ist jetzt natürlich nicht möglich. Es ist nur zur hoffen, dass sich das Leben auf beiden Seiten bald wieder normalisiert.“

Foto: Nandu Kumar, Piaxabay / CC0
Hoffentlich sind unsere Grenzen zu Euch bald wieder offen, schreibt auch Klaus Huber aus Bad Griesbach. Und Paul Gager aus Wien verweist auf weitere Gefahren der jetzigen Pandemie über die mögliche Erkrankung an Covid-19 hinaus:

„Die Angst hilft nicht. Die Konzentration ausschließlich auf Maßnahmen gegen die Bedrohung durch Corona birgt das Risiko, dass die Gefährdungen durch die Isolation der Menschen, die Spaltung der Gesellschaft in Gefährdete und Nicht-Gefährdete, den Verlust von Arbeit und Einkommen oder gar durch Versorgungsengpässe unterschätzt werden.“

Hans Joachim Pellin aus Lübz geht in seinen Überlegungen weiter:

„Ich hoffe, dass die derzeitige Situation mit dem Corona-Virus bald vorbeigeht. Neben den ganzen gesundheitlichen Problemen und der Sorge um die Gesundheit der Bevölkerung, ich denke mal mit meinen 67 Lebensjahren gehöre ich zur Risikogruppe, habe ich doch Sorge um den Zusammenhalt in Europa. Ich bin der Ansicht, dass eine Schließung der Grenzen des einen Landes innerhalb der EU und die Schließung im anderen Land oder noch schlimmer eventuelle Exportverbote für Atemmasken oder andere medizinische Dinge innerhalb Europas bestimmt nicht hilfreich sind für die Zusammenarbeit und gegenseitige Achtung nach der Krise. Auch diese Krise wird irgendwann zu Ende sein, und wir wohnen weiterhin alle in Europa. Ich weiß, diese Gedanken sind im Moment nicht aktuell beziehungsweise nicht akut, aber man sollte – meiner Ansicht nach – die Zukunft nicht ganz aus den Augen verlieren.“

Und das war's für heute. Wir freuen uns auf Ihre Empfangsberichte, E-Mails und Briefe. Schicken Sie diese bitte an die Adresse: Radio Prag International – Deutschsprachige Redaktion, Vinohradská 12, 120 99 Prag 2, Tschechische Republik, oder per E-Mail an: deutsch@radio.cz.