Diskriminierung bleibt ein Thema: In Tschechien wird Welt-Roma-Tag gefeiert
Der 8. April, also der heutige Mittwoch, ist der Internationale Tag der Roma. Dieser erinnert an den ersten Roma-Weltkongress von 1971, also vor genau 55 Jahren. Auch das Museum für Roma-Kultur in Brno / Brünn feiert gerade ein Jubiläum, nämlich seinen 35. Geburtstag. Ein Thema bleibt in Tschechien jedoch die Diskriminierung dieser Minderheit.
Laut offiziellen Schätzungen gibt es in ganz Europa zehn bis zwölf Millionen Roma. Etwa die Hälfte davon lebt in EU-Ländern. Damit seien sie „ein geschätzter Teil unserer gemeinsamen europäischen Identität“, heißt es in einer Erklärung der EU-Kommission vom Dienstag. In dieser ist aber auch von „anhaltender Diskriminierung“ die Rede – mit der Angabe, dass 70 Prozent der Roma in der EU von Armut bedroht seien.
In Tschechien gehe die Einbindung in die Mehrheitsgesellschaft voran, sagt Lucie Fuková, die Regierungsbeauftragte für die Roma-Minderheit. Dies geschehe allerdings langsam:
„Die Gesellschaft verändert sich wirklich. So erleben wir Roma bereits in verschiedenen Positionen, sie arbeiten also an sichtbaren Stellen. Das zeigt uns, dass dieser Weg möglich ist und Vorurteile abbaut. Trotzdem können wir immer noch nicht von einer gänzlich positiven Einstellung in der Gesellschaft sprechen.“
Dies bestätigt auch Michal Miko. Der Leiter der Dachorganisation RomanoNet konstatiert, dass immer noch zu viele Roma in Tschechien abhängig von staatlicher Sozialhilfe seien. Es gebe zu wenig systemische Unterstützung, ihnen einen besseren Zugang zu den wichtigen Bereichen der Gesellschaft zu gewähren:
„Eine Studie, die wir im Rahmen des Projektes ‚Gemeinsam gegen Antiziganismus‘ in den Jahren 2023 bis 2025 durchgeführt haben, hat klar auf die Themen Wohnen, Bildung und Arbeit verwiesen. Dies sind immer noch die Bereiche, in denen man Diskriminierung angehen muss.“
Die Zahl jener Roma, die Abitur machen und studieren können, sei hierzulande immer noch viel zu niedrig, fügt Miko hinzu.
Dennoch gibt es Erfolgsgeschichten auch in Tschechien, und auf die wird am Internationalen Tag der Roma aufmerksam gemacht. Bekannt sind vor allem Roma-Künstler, typischerweise in der Musik. Aber auch in der Literatur sind die Autoren dieser Minderheit immer öfter vertreten. Eine ganze Reihe von ihnen trat am Dienstagabend bei einer Veranstaltung in Prag auf. Sie war nur ein Programmpunkt in der Festwoche, die bereits seit Freitag läuft. Organisiert wird sie vom Verein Ara Art. In diesem Jahr lautet das Motto „Romové v říši divů“ (Roma im Wunderland). Laut Ara Art soll es den Mut symbolisieren, sich eine Welt vorzustellen, in der die Roma-Identität nicht mehr erklärt werden müsse, sondern selbstverständlich sei.
Dazu will auch das Museum für Roma-Kultur in Brünn beitragen. Am Dienstag war es genau 35 Jahren her, dass sich der initiierende Verein hat amtlich registrieren lassen. Mit dieser Pionierarbeit von einer Gruppe Enthusiasten beschäftigt sich die neue Ausstellung „Amaro jilo marel“ (Unser Herz schlägt), die seit Mittwoch im Museum zu sehen ist. Die Fotografien und Texte sind durch eine deutliche rote Linie miteinander verbunden. Kuratorin Simona Šreková:
„Sie stellt eine symbolische Zeitachse dar. Rot ist die Farbe des Museums, die für seine visuelle Präsentation benutzt wird. Gleichzeitig ist es die Farbe des Herzens, das die Ausstellung im Namen trägt.“
Das Museum in Brünn verfügt inzwischen über 28.000 Exponate. Sie erzählen die Geschichte der Roma – angefangen im altertümlichen Indien, weiter über die Ankunft in Europa im 11. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Direktorin Jana Horváthová betont die Bedeutung der Einrichtung:
„Sie ist die erste Kapelle für die Roma und ihre Kultur. Auf die Menschen wirkt es sehr ermutigend, dass endlich jemand Notiz davon nimmt. Wir laden immer wieder Schulklassen ein, im Unterricht ins Museum zu kommen und an unserem Bildungsprogramm teilzunehmen.“
Das Museum betreibt auch zwei Gedenkstätten an den Orten der ehemaligen Konzentrationslager für Sinti und Roma in Hodonín sowie in Lety. Derzeit wird zudem ein Gemeindezentrum in Prag eingerichtet.
Die Feierlichkeiten zum Welt-Roma-Tag finden am Mittwoch ihren Höhepunkt mit einem Galaabend im Prager Sophienpalais. Die Schirmherrschaft dafür haben unter anderem die Präsidentengattin Eva Pavlová und Kulturminister Oto Klempíř (parteilos) übernommen.







