Interkulturelles aus Brünn: Moravia Cantat tanzte zu den Teufelsrhythmen von Bengas

Ensemble Moravia Cantat (Foto: Autorin)

Die recht bunte Auswahl von Liedern, die am Donnerstagabend im Brünner Kulturzentrum Omega erklang, entsprach vollständig der Bezeichnung des Konzerts. Denn das Publikum wurde eingeladen zu einem interkulturellen Konzertabend.

Ensemble Moravia Cantat (Foto: Autorin)
Dieses jüdische Lied sowie zahlreiche deutsche und mährische Lieder hat das Ensemble Moravia Cantat aus Stuttgart vorgetragen. Die Mitglieder des Musikensembles und Chors sind bereits die dritte Generation von Sudetendeutschen, die aus Mähren stammt. Das Konzert wurde vom Museum für die Roma-Kultur in Zusammenarbeit mit dem Sudetendeutschen Büro in Prag veranstaltet. Für das Ensemble ist es nicht der erste Besuch in Mähren, wie der Leiter des Ensembles Wolfram Hader verriet:

Roma-Band Bengas (Foto: Autorin)
“Unser Ausgangspunkt ist die deutsche Musikkultur der böhmischen Länder. Wir singen und spielen aber auch viele tschechische Kompositionen. Vor einigen Jahren haben wir auch den böhmischen Nationaltanz ´česká beseda´ getanzt. In den letzten Jahren haben wir auch jüdische Lieder aus den böhmischen Ländern auf unserem Programm. Diesmal haben wir nach dem Konzert in Brünn noch weitere Konzerte: in Moravská Třebová / Mährisch Triebau, Šumperk / Mährisch Schönberg, Budišov nad Budišovkou / Bautsch, Opava / Troppau und in Krnov / Jägerndorf. Wir hatten schon mehrere Mähren-Tourneen unternommen. Schon in der kommunistischen Zeit haben wir uns bemüht, hierher zu kommen. Wir waren 1978 als Touristengruppe in Südmähren. Damals war es nicht möglich offiziell zu kommen und aufzutreten. Den Besuch haben wir dann 1989 wiederholt, dies war unmittelbar vor der Samtenen Revolution. Seitdem treten wir regelmäßig in Böhmen und in Mähren auf, wobei der Schwerpunkt eher in Mähren liegt. Dies ist schon unsere dritte Mähren-Tournee.“

Bengas und die Roma Kindertanzgruppe (Foto: Autorin)
Das Gespräch mit dem Gast aus Stuttgart musste ich abbrechen, denn schon beherrschte die populäre Prager Roma-Band Bengas das Podium, und die deutschen Musiker wollten auch mit dabei sein.

Karel Holomek
Der Kapelle Bengas gelang es gemeinsam mit einer Tanzgruppe von Roma-Kindern sehr schnell den ganzen Saal in den Schwung zu bringen. Die Stuttgarter Gäste haben auch mitgetanzt. Der Zauber dieser Rhythmen ist zu begreifen, denn wie ich vom Vorsitzenden der Roma-Gemeinschaft in Mähren Karel Holomek während des Konzerts erfuhr, bedeutet der Name der Band Bengas eigentlich die Teufel. Wie kam das gemeinsame Konzert von Bengas mit dem Ensemble Moravia Cantat zustande? Karel Holomek:

„Die Idee war, die deutsche Kultur den Leuten hier näher zu bringen. Denn es gibt bei uns immer noch Leute, die im Banne der alten Ereignisse denken. Ich besuche Deutschland oft und weiß, dass die Enkelkinder ihren Großvätern oft harte Fragen nach der Vergangenheit stellen. Bei manchen Leuten bei uns überlebt immer noch der Stachel des Unrechts. Das Böse, ob wir damit die Konzentrationslager oder die Vertreibung meinen, hat denselben Kern – es ist ein menschliches Versagen.“