Drohnen und Spaghetti: mehr Schüler bei Erasmus

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Erfahrungen, Party und Studieren – das alles ist Erasmus für Universitätsaufenthalte im Ausland. Zudem nutzen immer mehr Schüler das Programm, darunter auch viele junge Tschechen.

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„Für mich war das eine gute Gelegenheit, um Erfahrungen in der Praxis zu sammeln, und das auch noch kostenlos. Dass ich dabei zwei Wochen lang in Spanien verbringen konnte, war für mich ein super Angebot“, erzählt ganz begeistert Patrik Pavelka. Er ist Schüler auf der Prager Industrie-Fachoberschule im Zweig Elektrotechnik und war bereits zweimal in Spanien:

„Bei meinem ersten Aufenthalt habe ich an Solar-Panels gearbeitet, ich habe viel Theorie gelernt und die Module dann auch anschließen dürfen. Bei meinem zweiten Praktikum dort habe ich dann Drohnen gebaut und durfte sie sogar steuern.“

Möglich gemacht hat das unter anderem das europäische Studenten-Austauschprogramm Erasmus. Denn dieses unterstützt nicht nur längere Studienaufenthalte für Hochschüler im EU-Ausland, sondern auch kürzere Praktika für Fachoberschüler, Berufsschüler oder Gymnasiasten. Mittlerweile waren so schon 130 Jugendliche aus Tschechien irgendwo zwischen Lissabon und Riga zum Lernen und Arbeiten. Olga Roušová ist stellvertretende Rektorin an Patriks Schule und erklärt, warum sie das Projekt so wichtig findet:

„Wenn wir das Beispiel Solarpanels nehmen. Diese kennen die Schüler hier nur theoretisch und sehen ab und zu mal eins im Labor. Sie können sie aber nicht anfassen oder selbst entwerfen. Bei einem Erasmus-Aufenthalt verbinden sich einerseits die persönliche Erfahrung in einem fremden europäischen Land und andererseits die fachliche Ausbildung.“

Vor allem Studenten nutzen Erasmus, aus Tschechien haben insgesamt 4000 Jungakademiker mit dem Programm Erfahrungen im Ausland gesammelt. Beliebt waren insbesondere Deutschland, die Niederlande oder eben Spanien. Bei den Schülern ist das etwas anders, da richtet sich das Zielland eher nach der Fachrichtung. Das erklärt Lenka Kostelecká vom Haus der internationalen Zusammenarbeit in Prag, die Organisation vergibt die Erasmus-Stipendien hierzulande:

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„Gastronomie-Schulen schicken ihre Schützlinge vornehmlich nach Italien oder Spanien. Dort üben sich die Jugendlichen an typischen Gerichten des Landes oder arbeiten im Hotelwesen oder Tourismus. Für Schulen mit Schwerpunkt Automobilindustrie ist wiederum Deutschland als Ziel interessant.“

Leider bestehen laut Lenka Kostelecká mittlerweile große Schwierigkeiten bei der Finanzierung, denn es gibt weitaus mehr Interessenten als Mittel:

„Mit dem derzeitigen Budget können wir gut ein Drittel der Anträge bewilligen. In jedem Jahr bewerben sich rund 300 Schüler um einen Erasmus-Aufenthalt, grünes Licht bekommen aber nur etwa 100.“

Das könnte sich aber bald ändern, denn in der kommenden Haushaltsperiode sieht die EU-Kommission eine Verdoppelung der Mittel für Erasmus vor. In den Jahren 2021 bis 2027 sollen es demnach insgesamt 30 Milliarden Euro sein.