Eine butterweiche Weihnachtskrippe

Máslový betlém v Máslovicích, foto: Martina Schneibergová
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Weihnachtskrippen können aus ganz verschiedenen Materialien gebastelt werden – beispielsweise aus Holz, Pappmaché, oder sogar Glas. In der mittelböhmischen Gemeinde Máslovice wird jedes Jahr eine ganz spezielle Krippe hergestellt – und zwar aus Butter.

Weihnachtskrippe aus Butter (Foto: Martina Schneibergová)

Weihnachtskrippe aus Butter (Foto: Martina Schneibergová)
Máslovice liegt etwa 18 Kilometer nördlich von Prag. Die Gemeinde mit ihren knapp 400 Einwohnern führt ein Butterfass im Wappen. Das geht auf den Namen des Ortes zurück. Wörtlich ins Deutsche übersetzt würde er nämlich „Butterdorf“ heißen, denn „máslo“ bedeutet auf Deutsch „Butter“. Seit Ende der 1990er Jahre gibt es in Máslovice deshalb auch ein Buttermuseum. Auf die Idee ist damals Vladimíra Sýkorová gekommen. Sie ist die langjährige Bürgermeisterin der Gemeinde.

„Meine Familie und ich haben darüber nachgedacht, wie man etwas mehr Schwung nach Máslovice bringen könnte. Mir fiel dann ein, ein Buttermuseum aufzumachen, wobei ich das gleichzeitig für eine allzu verrückte Idee hielt. Das frühere Gemeindehaus stand leer und war recht verfallen. Es ist uns aber gelungen, die Mitglieder des Gemeinderats von der Idee zu überzeugen und auch eine Förderung für die Instandsetzung des Gebäudes zu bekommen. Von der Idee bis zur Eröffnung des Museums sind nur etwa zwei Jahre vergangen.“

Die Grundlage für die Dauerausstellung bilden Exponate, die aus dem Dorf stammen. Dazu gehörten beispielsweise das Butterfass der Großmutter von Vladimíra Sýkorová und eine Zentrifuge, die eine Familie aus Máslovice dem Museum schenkte. Viel geholfen haben später die Mitarbeiter des Prager Landwirtschaftsmuseums, das eine Zweigstelle auf Schloss Kačina hat:

Foto: Martina Schneibergová
„Wir haben einiges auch vom Mittelböhmischen Museum in Roztoky bei Prag geliehen. Einige weitere Exponate stellten uns außerdem die Museen in Vysoké nad Jizerou und in Vrchlabí zur Verfügung. Sobald ein Bericht über unser Museum in den Medien veröffentlicht wurde, haben uns viele Menschen weitere Exponate gebracht oder uns Tipps gegeben, wo etwas Interessantes zu erwerben wäre. Heute wählen wir nur diejenigen von den angebotenen Gegenständen aus, die wir noch nicht in unseren Sammlungen haben, oder die sonst sehr selten sind.“

Wiegenfässer und Zentrifugen

Im Museum steht eine Reihe historischer Geräte, die früher bei der Butterproduktion benutzt wurden. Es gibt dort verschiedene Typen von Butterfässern: Wiegenfässer sowie Trommelfässer. Zudem werden alte Zentrifugen, Milchkannen und Butterformen gezeigt. Bewundern kann man außerdem eine große Auswahl von Butterverpackungen aus der ganzen Welt.

Butterverpackungen (Foto: Martina Schneibergová)
„Wir fingen an, Butterverpackungen zu sammeln, denn diese gehören auch mit dazu. Eine schöne Sammlung haben wir von einem Tschechen bekommen, der in Australien lebt. Er hat etwas über unser Museum gelesen und seiner Frau dann gesagt, sie müsse von nun an jedes Mal eine andere Buttersorte kaufen, um alle australischen Butterverpackungen zusammenzutragen. Zudem haben wir ein großes Geschenk von einem Sammler aus Deutschland bekommen. Er hat mit seinem Hobby aufgehört und suchte nach jemandem, dem er die Sammlung schenken könnte. Dank einer Sendung von Radio Prag vor mehreren Jahren erfuhr er vom Buttermuseum und wir haben die Sammlung in Deutschland abgeholt.“

Diese umfasst rund 1200 Butterverpackungen. Aus Platzgründen können aber nicht alle ausgestellt werden. Ein weiteres Highlight sind alte Reklameschilder. Diese hat das Museum meistens in Antiquitätsläden gekauft.

Foto: Martina Schneibergová
„Mittlerweile sind derartige Reklameschilder nur selten zu bekommen. Falls es sie doch irgendwo zu kaufen gibt, sind sie sehr teuer. Ich zweifele daran, dass es uns gelingen wird, die Sammlung von Reklameschildern zu erweitern.“

Wie alt die einzelnen Butterfässer genau sind, ist Sýkorová zufolge schwer zu schätzen. Einfacher sei es mit der Milchzentrifuge, erzählt sie:

„Die Milchzentrifuge hat Wilhelm Lefeldt 1872 erfunden. Seitdem wurde sie in verschiedenen Ländern hergestellt. Bei den Butterfässern traue ich mich nicht zu sagen, welches das älteste ist. Es gibt hier Butterfässer aus dem 19. Jahrhundert und vielleicht einige aus dem 18. Jahrhundert.“

Mit Messer und Spachtel modelliert

Weihnachtskrippe aus Butter (Foto: Martina Schneibergová)
In der Advents- und Weihnachtszeit ist eine ganz besondere Attraktion im Buttermuseum, und zwar eine Weihnachtskrippe ganz aus Butter. Sie besteht aus einigen Bauernhäuschen, einer Kirche und zahlreichen Figuren. Neben der Heiligen Familie gibt es dort noch Engel, Hirten, die Heiligen drei Könige, Musiker und allerhand Tiere. Wie entsteht aber eine Weihnachtskrippe aus Butter? Dazu Vladimíra Sýkorová:

„Natürlich kann man Hände benutzen, aber die Butter zerfließt da sehr schnell. Deshalb muss man mit Messern und Spachteln modellieren. Die Arbeit ist aber nicht so anspruchsvoll, wie es scheint.“

Die erste Weihnachtskrippe aus Butter wurde im Jahre 2000 in Máslovice gebastelt.

„Ich habe gedacht, wenn Weihnachtskrippen aus all möglichen Materialien wie beispielsweise aus Brot gebaut werden können, warum könnte dann nicht auch eine Krippe aus Butter entstehen. Ich konnte eine Künstlerfreundin von der Idee begeistern. Ihr gelang es dann tatsächlich, eine Weihnachtskrippe zu modellieren. Die aus dem Jahr 2000 war aber viel kleiner als die heutige Krippe. Seit 2005 haben wir auch die Öffentlichkeit zum Mitmachen aufgerufen.“

Foto: Martina Schneibergová
Am Anfang haben nur fünf oder sechs Kinder in der Werkstatt daran gearbeitet. Mit der Zeit ist die Zahl der Beteiligten gestiegen. Mittlerweile nehmen regelmäßig 30, 40 oder mehr Personen an dem Workshop teil.

„Einige von ihnen kommen jedes Jahr. Für sie ist die Arbeit an einer neuen Weihnachtskrippe nicht aus der Adventszeit wegzudenken. Wir veranstalten den Workshop immer am dritten Novembersamstag. Meine Freundin wollte dann nicht mehr mitmachen, denn es ist sehr anspruchsvoll, jedes Jahr eine neue Krippe zu gestalten. Außerdem ist sie umgezogen. Sie hat aber das Ehepaar Švarc aus Máslovice mit ihren Erfahrungen bekannt gemacht. Herr Švarc ist ein Hobby-Holzschnitzer, seine Frau modelliert gerne Keramik. Sie haben die Technik gelernt und setzen die Butterkrippentradition in unserer Gemeinde fort. Während des Workshops helfen sie den Teilnehmern, die Figuren zu formen. Anschließend gestalten sie die Weihnachtskrippe und ergänzen das, was dort noch fehlt. Herr Švarc baut beispielsweise die Häuschen.“

Batman und Tarantel

Foto: Martina Schneibergová
Die Weihnachtskrippe entsteht aus allem, was während des Workshops gebastelt wird. Vladimíra Sýkorová macht auf die Engel- und Musikerfiguren aufmerksam.

„Die wichtigsten Figuren dürfen hier natürlich nicht fehlen. Manchmal passiert es, dass der Elefant kleiner als die Jungfrau Maria ist. Aber das macht nichts. In diesem Jahr sind wiederum die Heiligen drei Könige besonders groß. Natürlich dürfen auch die Hirten nicht fehlen, die diesmal müde vom Leben sind. Manchmal gibt es bei uns aber Figuren, die eigentlich nicht in eine traditionelle Krippe gehören. Aber wir wollen die Vorstellungskraft der Workshop-Teilnehmer nicht einschränken. In diesem Jahr parkt ein kleines Auto vor der Krippe. Im vergangenen Jahr eilte ein Batman zum Jesuskind. Einmal kroch eine Tarantel in Betlehem herum. Manchmal ist es nicht leicht, aus den ausgefallenen Elementen eine Weihnachtskrippe zusammenzustellen. Aber ich finde es schön, wenn die Menschen kreativ sind.“

Gebäude des Buttermuseums in Máslovice (Foto: Dezidor, Wikimedia Commons, CC BY 3.0)
In diesem Jahr besteht die Butterkrippe aus 103 Figuren, vom Jesuskind über die Tiere bis hin zu den ganzen Häusern. Im vergangenen Jahr gab es sogar 127 Butterfiguren. Um die Butterkrippe am Leben zu erhalten, muss die Temperatur im Ausstellungssaal möglichst niedrig sein.

„Die Weihnachtskrippe ist bis Sonntag, den 26. Januar 2020 in unserem Museum zu sehen. Ich würde aber empfehlen, sich die Krippe im Dezember anzuschauen, wenn sie noch frisch ist. Wir basteln das Ensemble aus ganz normaler Butter, die in jedem Lebensmittelgeschäft verkauft wird. 20 Kilo haben wir von einem Sponsor bekommen und fünf Kilo haben wir selbst gekauft. Also haben wir in diesem Jahr insgesamt 24 Kilo Butter verbraucht.“

Vladimíra Sýkorová hat sich auch persönlich am Workshop beteiligt.

„Von mir stammen die Hirten. Der eine sitzt am Lagerfeuer mit einer Flasche in der Hand, der andere liegt. Es gibt da auch einen Hund, der auf die Schafe aufpasst. Die Schafe zu basteln, ist gar nicht so schwer, die Wolle wird mit der Messerspitze gestaltet. Viel schwieriger ist es mit den Musikern und ihren Instrumenten. Man muss sie sehr sorgfältig ausschneiden, damit nichts wegfällt.“

Das Buttermuseum ist das ganze Jahr hindurch am Samstag und Sonntag von 10 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr zugänglich. Nach Máslovice fährt ein Direktbus von der Metro-Haltestelle Kobylisy.

Die Weihnachtskrippe aus Butter lockt jedes Jahr viele Besucher nach Máslovice.

„Das Museum ist jedes Wochenende geöffnet. Es ist aber möglich, nach Vereinbarung auch werktags vorbeizukommen. Während der Weihnachtsferien vom 21. Dezember bis 5. Januar ist das Museum jeden Tag geöffnet.“

Jedes Jahr besichtigen 3000 bis 4000 Besucher das Buttermuseum. Die meisten kommen im Advent.

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