Einführung des Pendolino-Zuges steht weiter in den Sternen

Pendolino

Sommerzeit - Reisezeit. Und wenn schon reisen, dann möglichst pünktlich, schnell und bequem. Letztere Eigenschaften sollte gerade er erfüllen, der im Juni vergangenen Jahres mit viel Vorschlusslorbeer und großem Bahnhof in Prag vorgestellt wurde: der Hochgeschwindigkeitszug Pendolino. Aus diesem Grund wollten ihn die Tschechischen Eisenbahnen - Ceské dráhy (CD) gern schon in diesem Sommer auf ihrem Streckennetz zum Einsatz bringen, doch die Realität sieht anders aus. Mittlerweile besteht sogar die Gefahr, dass das neue CD-Flaggschiff schon untergegangen ist, bevor es auch nur einen fahrplanmäßigen Schienenkilometer zurückgelegt hat. Lothar Martin nennt die Hintergründe.

Sommerzeit - Reisezeit
Ab März sollte er zwischen Prag und Wien verkehren und mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember sogar auf der gesamten Strecke zwischen Berlin, Prag und Wien zum Einsatz kommen - der Pendolino. Doch der 140 Millionen Hype scheint zum Flop zu werden, denn er hat technische Probleme. Welche, das sagte uns CD-Sprecher Petr Stáhlavský:

"Der Hersteller der Pendolino-Züge, die italienische Gesellschaft Alstom Ferroviaria, hat Probleme mit der Einhaltung einiger sehr strenger Normen für den Eisenbahnverkehr in der Tschechischen Republik. Diese Vorschriften sind in der Tat strenger gefasst als in den benachbarten Ländern. Deshalb konnte diesem Zug bisher noch nicht von der Bahnbehörde die Genehmigung für den regelmäßigen Personenverkehr erteilt werden. Derzeit werden weitere Tests durchgeführt. Sie sollen zu den technischen Veränderungen führen, mit denen die in Tschechien geltenden Normen erfüllt werden können."

Von Petr Stáhlavský erfahre ich, dass es sich bei diesen Normen um die so genannte elektromagnetische Kompatibilität handelt, d.h. das reibungslose Ineinandergreifen der Sicherheitssysteme auf der Strecke mit den im Zug vorhandenen Sicherheitsmechanismen. Weshalb aber wird sie in Tschechien so streng ausgelegt?

"Die Normen bei den Sicherheitssystemen sind daher so streng, weil sie auf die in Tschechien vorherrschenden Eisenbahnstrukturen anzuwenden sind. Und mit diesen Limitierungen haben ausländische Firmen so ihre Probleme. Sie sind zum Beispiel auch der Grund, warum von den Lokomotiven anderer europäischer Länder bisher noch keine für den Betrieb in Tschechien genehmigt wurde."

Stáhlavský zufolge wusste der Produzent, welch anspruchsvolle Sicherheitskonzeption da auf ihn zukommt. Und auch die für den Verkehr des Pendolinos in Tschechien, Deutschland und Österreich vorgesehenen Bahnstrecken seien inzwischen ausgebaut, verriet mir der Sprecher:

"In der Tschechischen Republik ist alles auf den Einsatz der Pendolino-Schnellzüge vorbereitet. Mit den benachbarten Partnern, der Deutschen Bahn, der Österreichischen Bundesbahn und der Slowakischen Eisenbahn, sind bereits die internationalen Trassen vereinbart, auf denen der Pendolino verkehren soll. Darunter ist auch die traditionelle Strecke des Vindobonas zwischen Berlin, Prag und Wien. Falls aber die Firma Alstom von der tschechischen Bahnbehörde und den entsprechenden Institutionen der Partnerländer nicht die erforderliche Zulassung erhält, können wir diese Züge nicht einsetzen und müssen auch im neuen Fahrplan auf die mit den klassischen Reisewaggons bestückten Züge zurückgreifen. Gegenüber dem Hersteller würden wir dann vermutlich gewisse Sanktionen geltend machen. Nichtsdestotrotz hoffen wir, dass sich die technischen Probleme in Zusammenarbeit mit tschechischen Experten beheben lassen und dass der Pendolino spätestens im Verlauf des kommenden Jahres wie geplant auf den Strecken nach Berlin, Wien und Bratislava eingesetzt werden kann."