Einziger Tscheche bei der Tour de France: Sprinter Pavel Bittner peilt Etappensieg an
Am Samstag startet das größte Radsportereignis der Welt: die Tour de France. An der Frankreichrundfahrt nimmt mit Pavel Bittner diesmal nur ein einziger Tscheche teil. Obwohl er Neuling ist, will er einen Etappensieg.
Pavel Bittner hat sein Können schon einmal bei einer der drei großen Rundfahrten der Welt unter Beweis gestellt. Vergangenes Jahr schockte er bei der Vuelta in Spanien am Ende der fünften Etappe den erfahrenen Belgier Wout van Aert – und gewann im Schlussspurt.
Ab Samstag gibt der 22-jährige Profiradsportler aus Olomoc / Olmütz in Mähren sein Debüt bei der Tour de France. Und zwar im Dress des Rennstalls Picnic PostNL. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks sagte Bittner, dass er auch beim berühmtesten aller Etappenrennen um einen Sieg kämpfen wolle. Dafür muss er aber die versammelte Sprintelite der Welt schlagen. Zu diesen gehören etwa Biniam Girmay aus Eritrea, der Belgier Jasper Philipsen sowie dessen Landsmann Tim Merlier oder der Italiener Jonathan Milan, der das Grüne Trikot für den Besten der Punktewertung anpeilt.
„Ich bin sehr neugierig, wie ich mich im Feld all dieser Sprinter am Ende der entsprechenden Etappen zeigen kann. Ich denke aber, dass ich mich gut vorbereitet habe. Ich bin schneller als jemals zuvor – auch im Vergleich zur Vuelta im vergangenen Jahr, und zwar deutlich. Wir werden also sehen. Ich hoffe, dass ich konkurrenzfähig bin“, so Bittner.
Mindestens neun der 21Etappen bei der diesjährigen Tour bieten Sprintern eine Chance auf den Sieg. Und da viele von ihnen zu Beginn der Rundfahrt liegen, winkt für die schnellsten Männer im Feld sogar das Gelbe Trikot des Gesamtführenden. Jiří Ježek ist Radsportexperte bei Radiožurnál Sport, dem Sportsender des Tschechischen Rundfunks. Der sechsfache Paralympics-Goldmedaillengewinner sagt:
„Natürlich ist der Traum jedes Sprinters, die erste Etappe zu gewinnen und sich das Gelbe Trikot überzustreifen. Aber nur bei wenigen Jahrgängen der Tour de France besteht diese Chance. Das ist am Samstag möglich. Auch deswegen handelt es sich dieses Mal praktisch um die inoffizielle Weltmeisterschaft der Sprinter.“
Die erste Etappe startet und endet in Lille im Norden von Frankreich. Sie geht über fast 189 Kilometer und ist flach. Bis zur vierten Etappe ist die Rundfahrt höchstens hügelig. Erst am Mittwoch kommender Woche gibt es das erste der beiden Zeitfahren, bei dem sich die Topfavoriten auf den Gesamtsieg zeigen wollen und müssen. Theoretisch könnte also bis zur fünften Etappe ein Sprinter im Gelben Trikot fahren. Nach dem Zeitfahren in Caen folgen weitere vier Renntage auf eher flachem Terrain.
In die Berge geht es erst am französischen Nationalfeiertag, also dem 14. Juli, und zwar ins Zentralmassiv. Aber bis zum Ziel in Paris am 27. Juli folgen noch drei weitere Flachetappen. Es liegt also nur an Pavel Bittner selbst, den richtigen Tag herauszupicken, voll im Sprint zu attackieren und den Sieg mitzunehmen. 2025 ist ihm dies allerdings noch bei keiner Radveranstaltungen gelungen...
„Ich habe in diesem Jahr immer wieder um den Sieg gekämpft, und es war mehrere Male knapp. Leider ist es aber so, dass es nicht geklappt hat. Vielleicht kommt dieser schöne Moment jetzt. Ich starte auf jeden Fall bei der Tour mit den Ambitionen, eine Etappe zu gewinnen. Andernfalls bräuchte ich überhaupt nicht mitzufahren. Und das ist auch der Grund, warum mich mein Rennstall auf die Fahrt schickt“, schildert Bittner.
Der Starter mit der Nummer 194 und sein dänischer Teamkollege Tobias Lund Andresen werden sich in den Sprints gegenseitig unterstützen. Eventuell steigen so die Chancen auf einen Etappenerfolg in den anstehenden drei Wochen.







