Eishockey: Nationalcoach Růžička tritt nach Korruptionsaffäre zurück

Vladimír Růžička (Foto: ČTK)

Das tschechische Eishockey-Nationalteam steht vor einem Neuanfang. Abgezeichnet hatte es sich bereits vor der Weltmeisterschaft im Mai. Nach außen wurden das Turnier in Prag und Ostrava / Ostrau als beste WM aller Zeiten verkauft. Volle Stadien und begeisterte Zuschauer sprachen für sich. Hinter den Kulissen kriselte es aber bereits, und nun braucht die Mannschaft einen neuen Trainer. Nationalcoach Vladimír Růžička ist am Dienstag nach massiven Korruptionsvorwürfen zurückgetreten.

Vladimír Růžička (Foto: ČTK)
Im April, kurz vor der Eishockey-WM, waren erste Vorwürfe gegen Nationalcoach Vladimír Růžička aufgetaucht. Sie datieren aus seiner Zeit bei Slavia Prag. Bis Saisonende 2014 war der 52-Jährige Cheftrainer und Manager bei dem Ligaklub. Nun haben Reporter des Tschechischen Rundfunks neue Beweise vorgelegt. 300.000 Kronen (knapp 11.000 Euro) wollten Růžička und dessen Freund Jiří Mouček als Gegenleistung, sagte eine Mutter den Reportern.

„Unserem Sohn wurde ein Vertrag im Wert von 5000 Kronen angeboten. Die Bedingung für die Aufnahme in die Mannschaft war nicht nur sportliches Talent, sondern auch eine gewisse Beziehung zu Slavia. Zum Ausdruck kommen sollte sie in Form eines Geldgeschenks, das wir Herrn Růžička übergeben sollten.“

Illustrationsfoto: phanlop88, FreeDigitalPhotos.net
Und noch mehr Eltern beschuldigen Růžička, für einen Profivertrag bei Slavia Schmiergeld verlangt zu haben. Im Videomitschnitt vom April beschwert sich ein Spielervater bei Ružička, dass sein Sohn trotz Zahlung von 500.000 Kronen (18.000 Euro) nicht zum versprochenen Einsatz bei Slavia gekommen sei. Damals wie heute weist Růžička alle Vorwürfe zurück und spricht von einer Medienkampagne gegen seine Person. In einer Stellungnahme vom Dienstagabend heißt es:

„Ich betone, dass ich mich niemals einer Ungesetzlichkeit oder gar einer Straftat schuldig gemacht habe. Zum Rücktritt habe ich mich entschlossen, um den Vorstand des tschechischen Eishockeyverbandes nicht vor die unangenehme Situation zu stellen, über meinen Verbleib im Nationalteam entscheiden zu müssen.“

Tomáš Král (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Tatsächlich zeigte sich Verbandschef Tomáš Král erleichtert, dass Růžička einer Entlassung zuvorgekommen ist. Ein Verbandsvertreter dankte den Medien, dass sie die Weltmeisterschaft im eigenen Land verstreichen ließen, ehe sie ihre Recherchen veröffentlichten. Wenn am Mittwoch der Vorstand zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenkommt, wird möglicherweise nicht nur Růžička im Mittelpunkt stehen. Es sind Fragen aufgetaucht, ob der Fehler im System liegt. Bedřich Ščerban ist Vorsitzender der Trainerkommission beim tschechischen Eishockeyverband. Im Tschechischen Fernsehen äußerte er sich am Dienstagabend:

Bedřich Ščerban (Foto: Archiv des tschechischen Eishockeyverbandes)
„Wir wissen doch alle, wie es mit der Korruption in unserem Staat bestellt ist. Trotzdem glaube ich nicht, dass es so flächendeckend ist, wie nun behauptet wird. Gerade die kleinen Klubs kämpfen mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten. Dennoch halten sich die meisten Trainer und Klubs an die Regeln, und sie tun das meist aus Liebe zum Eishockey. Aber auf der anderen Seite müssen wir uns ehrlich eingestehen, dass Eishockey bestimmt keine Insel der Seligen ist, die abseits von den Vorgängen in der Tschechischen Republik steht.“

Aufgrund der umfangreichen Zeugenaussagen glaubt kaum jemand, dass Růžička sich aus der Affäre ziehen kann. Die polizeilichen Ermittlungen haben begonnen. Im schlimmsten Fall erwarten den Weltmeistertrainer von 2010 und Olympiasieger von 1998 eine Bewährungsstrafe und ein Berufsverbot. Mit der Suche nach einem Nachfolger will sich der Eishockey-Verband erst einmal Zeit lassen. Erst im November stehen die nächsten Spiele auf dem Programm.