Erinnerung an Karel Hála, den Sinatra der Tschechoslowakei

Diesmal stellen wir Ihnen einen Jazzsänger vor. Es ist Karel Hála, der vor Kurzem im Alter von 74 Jahren in der Nähe von Prag verstorben ist.

König des tschechischen Swing wurde er genannt. Manche Branchenfreunde waren sogar der Meinung: Hätte Frank Sinatra auf Tschechisch gesungen, er hätte Karel Hála nie und nimmer das Wasser reichen können. Dem mag man zustimmen oder nicht. Seine Liebe zum amerikanischen Swing jedenfalls hat der im ostböhmischen Hradec Králové geborene Sänger gerne auch im Musikrepertoire durchschauen lassen, so zum Beispiel im Stück „Vzpomínky mi zůstanou“, das im Original „They Can´t Take That Away From Me“ heißt. Es wurde von Gershwin geschrieben und eben auch von Frank Sinatra intoniert.

Hála begann seine Karriere in den 50er Jahren: Sein Weg führte von der Oper der Armee bis zu Anstellungen in mehreren Theatern. Eines der Musiktheater hat er im Übrigen zusammen mit Karel Gott in Prag mitgegründet: das Apollo. Dort sangen sie dann beide im Duett - der Bariton Hála und der Tenor Gott.

Karel Hála hat mit den wichtigsten Prager Jazz-Orchestern zusammengespielt. Dazu gehörten die Orchester von Karel Vlach und von Karel Krautgartner sowie das Tanzorchester des Tschechoslowakischen Rundfunks. Die Musik von Hála hatte aber immer zwei Gesichter. Zwar liebte er den Jazz, doch für den Verkauf hat er auch viele Schnulzen eingespielt. Ein weiteres Standbein des Baritons waren Film und Fernsehen. Als Schauspieler handelte er sich wegen seiner Glatze dabei den Spitznamen „tschechischer Kojak“ ein. Seit den 90er Jahren ist Karel Hála aber dann - unter anderem auch aus gesundheitlichen Gründen – im Beruf kürzer getreten. Zuletzt half er mehreren Nachwuchsbands aus der Provinz auf die Beine. Der König des tschechischen Swing starb am 6. Juli in seinem Haus nördlich von Prag.

Autor: Till Janzer
schlüsselwort:
abspielen