Erst Restaurierung, dann Weltkulturerbe? Kreis Liberec kauft Fernsehturm auf dem Ještěd
Der Fernsehturm auf dem Berg Ještěd bei Liberec gehört zu den markantesten Bauten in Tschechien. Doch an dem architektonischen Werk nagt der Zahn der Zeit. Nun hat die Verwaltung des Kreises Liberec den Turm gekauft. Sie plant Restaurierungsarbeiten und langfristig auch einen Eintrag in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes.
Wie eine Rakete steht der Fernsehturm auf dem Ještěd. Er macht die 1012 Meter hohe Erhebung oberhalb von Liberec schon zu einem Hingucker, wenn man sich der Stadt in Nordböhmen nur nähert. Allerdings blättert die Ummantelung mittlerweile ab, und auch die Lüftung und die Heizung müssen saniert werden. Um die nötigen Restaurierungsarbeiten einleiten zu können, hat der Kreis Liberec am Mittwoch den Fernsehturm erworben.
Ein Vierteljahrhundert lang gehörte der „vysiláč Ještěd“, wie der Turm auf Tschechisch heißt, dem Telekommunikationsunternehmen České Radiokomunikace (ČRa). Aber das nur notgedrungen. Denn das Privatunternehmen Jizera, das das Bauwerk 1992 übernommen hatte, musste in den Konkurs.
„Das gipfelte im Jahr 2000, als der Fernsehturm nicht mehr zugänglich und verwohnt war. Die České Radiokomunikace mussten ihn dann zurückkaufen, um weiter das Rundfunksignal von dort bereitstellen zu können. Seitdem haben wir mehrfach gesagt, dass wir den Fernsehturm nur noch an solche Interessenten wie den Kreis, die Stadt oder den Staat verkaufen werden“, sagte der Generaldirektor des Telekommunikationsunternehmens, Miloš Mastník.
Der Staat sowie die Stadt Liberec lehnten allerdings einen Kauf ab. Und mit der Verwaltung des Kreises zogen sich die Verhandlungen lange hin, wobei die zwischenzeitliche sozialdemokratische Führung diese dann für vier Jahre unterbrach. Doch mit dem Kreishauptmann Martin Půta (Starostové pro Liberecký kraj) kamen die Dinge wieder in Bewegung. Am Mittwoch erläuterte Půta die Idee hinter dem Erwerb des Objekts:
„Die Restaurierung des Gebäudes ist unumgänglich. Und der Kreis hat größere Chancen, dafür auch Finanzmittel aus den EU-Fonds oder vom tschechischen Staat zu erhalten. Dazu muss man sagen, dass der Fernsehturm ohne die Restaurierung auch kein Unesco-Weltkulturerbe werden kann, was aber langfristig unser Ziel ist.“
Entworfen wurde der Fernsehturm vom Architekten Karel Hubáček. Schon 1969 erhielt das Projekt den renommierten Auguste-Perret-Preis, eingeweiht wurde der Turm aber erst 1973.
Die Kosten für den Turm inklusive Berghotel und dessen Mobiliar belaufen sich auf 185 Millionen Kronen (7,6 Millionen Euro). Diese Summe ist jedoch nicht so entscheidend wie die Kosten für die Restaurierungsarbeiten. Experten schätzen sie auf rund 500 Millionen Kronen (über 20 Millionen Euro). Die mögliche Belastung für den Etat des Kreises hält die Opposition für zu hoch.
„Wir können uns in diesen Zeiten nicht erlauben, jede Immobilie zu retten. Wir haben eine große Bringschuld im Schulwesen und in der Verkehrsinfrastruktur. Und diese ist unserer Meinung nach wichtiger, als so ins Risiko zu gehen. Denn dieses ist angesichts der Eigentümerschaft an dem Fernsehturm und den Restaurierungsarbeiten enorm“, so Josef Chuchlík, Kreisabgeordneter der Partei Ano.
Allerdings steht das Gebäude seit 2006 unter Denkmalschutz, und Fachleute kürten es zum tschechischen Bau des 20. Jahrhunderts. Und der Kreis Liberec will sich nach der Restaurierung bei der Unesco eben um einen Eintrag als Weltkulturerbe bemühen. Dazu sagte die stellvertretende Kreishauptfrau Květa Vinklátová (Starostové pro Liberecký kraj):
„Ich denke, dies ist am Platz. Und das obwohl wir natürlich wissen, was dies für den Tourismus bedeuten kann. Man muss also gut abwägen, wie viele Menschen man auf den Berg hochlassen will, weil der Raum dort oben nur begrenzt ist und der Besucherandrang keine zerstörerische Wirkung haben sollte.“
Wie viele Menschen täglich nach oben kommen, hängt auch von der Kapazität der neuen Seilbahn ab. Die alte Bahn wurde nach einem Unglück im Oktober 2021 stillgelegt. Am Mittwoch haben Vertreter der Stadt Liberec die Pläne für die neue der Öffentlichkeit vorgestellt. Demnach könnten je Stunde über 500 Besucher auf den Ještěd gondeln – das entspricht in etwa den früheren Beförderungszahlen.
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