Erstes privates Bahnunternehmen im Prager Nahverkehr

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Die Privatisierung der Bahnstrecken in Tschechien schreitet voran. Bereits seit einigen Jahren sind zwischen Ostrava / Ostrau und Prag zwei Privatunternehmen unterwegs, und auch auf einigen Regionalstrecken fahren nicht-staatliche Züge. Nun hat sich das erste Unternehmen auf eine Nahverkehrsstrecke im Prager Umland gewagt.

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Der gelb-blaue Zug setzt sich langsam in Bewegung und verlässt den Prager Masaryk-Bahnhof. Ziel des Dieseltriebwagens ist Kralupy nad Vltavou, eine Kleinstadt etwa 20 Kilometer nördlich von Prag an der Moldau. Die Strecke wird regelmäßig von den Tschechischen Bahnen bedient. Nun hat auch das erste Privatunternehmen die Möglichkeit, hier Passagiere zu befördern. Allerdings steigen die meisten Fahrgäste nach Kralupy doch lieber in den Zug der Tschechischen Bahnen. Der Grund dafür ist einfach, sagt ein Fahrgast:

„Täglich fahre ich diese Strecke und nutze dafür die Opencard, Wenn ich dann das Gebiet des Prager Verkehrsverbundes verlasse, zahle ich nur noch die Differenz.“

Jaroslav Richter (Foto: ČTK)
Und genau das ist das Problem. Prag und das direkte Umland sind in einem Verkehrsverbund zusammengeschlossen. Der private Betreiber der Strecke, die Firma Arriva, ist aber nicht Teil dieses Verkehrsverbundes. Deswegen gelten in den gelb-blauen Zügen auch nicht die Tickets aus dem Prager Nahverkehr. Der Geschäftsführer von Arriva in Tschechien, Jaroslav Richter, hofft, dass sich das bald ändert:

„Unser Ziel ist es, ganz normal in den Prager Verkehrsverbund eingebunden zu werden. Von unserer Seite gibt es da keine Hindernisse, wir warten auf eine Entscheidung des Prager Stadtrats. Da aber auch andere Verkehrsunternehmen integriert sind, sehe ich keinen Grund, warum das bei uns nicht auch klappen sollte.“

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Arriva nimmt für die 27-Kilometer-Strecke 34 Kronen (1,35 Euro), hin und zurück liegt der Preis bei 64 Kronen (2,55 Euro). Bei den Tschechischen Bahnen ist das Ticket zehn Kronen (40 Eurocent) teurer. Allerdings lockt das Privatunternehmen nicht nur über den Preis, sondern auch mit sauberen Zügen, Bordservice und Internetverbindung. (Das ist bisher auf den tschechischen Nahverkehrsstrecken nicht so selbstverständlich.) Arriva möchte mit der Strecke vor allem demonstrieren, dass das Unternehmen in der Lage ist, einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten. Denn eigentlich möchte Arriva einen größeren Einstieg in den Schienenverkehr vollziehen, so Jaroslav Richter:

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„Wir planen mit weiteren Regionalstrecken und ziehen auch durchaus einige Schnellzugverbindungen in Betracht.“

Interessant sind da vor allem fünf Strecken, die das Verkehrsministerium in Kürze ausschreiben möchte. Es geht um die Trassen zwischen Prag und Cheb / Eger, Prag und Děčín / Tetschen, Plzeň / Pilsen und Most / Brüx, Liberec / Reichenberg und Pardubice sowie zwischen Liberec und Ústí nad Labem / Aussig. Sollte die Regierung am Mittwoch dieses Vorhaben absegnen, können sich sowohl die Tschechischen Bahnen als auch die private Konkurrenz bis Ende des Jahres auf diese Verbindungen bewerben. Für Arriva wäre der Betrieb lukrativ. Denn das ursprünglich britische Unternehmen gehört mittlerweile als Tochter zur Deutschen Bahn. Daher hat die Firma günstigen Zugriff auf gebrauchte Züge aus den Beständen der DB und müsste keine hohen Investitionskosten tragen.