Erwartungen für 2026: Mehrheit der Tschechen zeigt sich optimistisch

Die meisten Menschen in Tschechien freuen sich auf das Jahr 2026. Sie erwarten, dass es mindestens genauso gut wird wie das vergangene Jahr, wenn nicht sogar noch besser. Und dies, obwohl fast zwei Drittel davon ausgehen, ihre Ausgaben reduzieren zu müssen, um über die Runden zu kommen.

Fast 80 Prozent der Befragten hierzulande erwarten für 2026 eine positive Entwicklung, fast die Hälfte rechnet sogar mit einer Verbesserung. Forscher des Meinungsforschungsinstituts NMS untersuchen seit drei Jahren die Stimmung in Tschechien, und dies ist das bisher beste Ergebnis. Doch nicht alle teilen diesen wachsenden Optimismus. Etwa ein Fünftel der Befragten glaubt, dass neue Jahr genauso schlimm oder sogar noch schlimmer werde als das zu Ende gegangene. Tereza Friedrichová ist Analystin bei NMS:

„Häufiger sind dies Menschen, die alleine leben und keinen Familien- beziehungsweise Freundeskreis haben. Wir haben die Untersuchung vor Weihnachten gemacht und auch gefragt, wie die Menschen die Feiertage verbringen werden. Dabei stellte sich heraus, dass 40 Prozent derjenigen, die Weihnachten allein verbringen werden, sich Sorgen um das neue Jahr machen.“

Aber auch von jenen, die optimistisch nach vorne schauen, glauben zwei Drittel, dass sie Abstriche machen müssen:

„Am häufigsten bei neuer Kleidung, Unterhaltung und Freizeit oder Urlaub und Ausflügen. Eine gute Nachricht ist, dass fast niemand plant, sich das benötigte Geld zu leihen.“

Laut der Analystin haben die Erwartungen in Bezug auf die eigene finanzielle Lage in früheren Umfragen den realen Stand der Wirtschaft abgebildet. In der letzten Zeit driften ihren Aussagen nach die beiden Faktoren auseinander. Obwohl die Wirtschaft einen Aufschwung erlebe, spiegele sich dies nicht in den subjektiven Erwartungen der Bürger wider. Tereza Friedrichová:

„Das kann daran liegen, dass die Wirtschaft lange Zeit ein Problem und auch das Hauptthema der Wahlen war. Die Wähler sind weiterhin der Ansicht, dass die Lage schlecht sei. Es fehlt wohl eine große gesamtgesellschaftliche Erfolgsgeschichte, also die Fähigkeit, über die Wirtschaft und die Entwicklung der Tschechischen Republik positiv zu sprechen.“

Dies gelte hauptsächlich für die Wähler der neuen Regierungskoalition, ergänzt die Analystin:

„Für die Wähler der Parteien Ano und ‚Freiheit und direkte Demokratie‘ und gewissermaßen auch für die der Autofahrerpartei Motoristé sobě war die Wirtschaftslage in den letzten Jahren das Hauptproblem. Die Wirtschaftskrise, der Ukraine-Krieg und die Corona-Pandemie haben sich in ihrer finanziellen Lage niedergeschlagen. Und sie spüren jetzt Angst. Den Anhängern des Bündnisses Spolu sowie der Bürgermeisterpartei und der Piraten ging es hingegen ökonomisch immer etwas besser, sie sind reicher, leben in größeren Städten, verdienen mehr. Die wirtschaftliche Existenzfrage ist für sie nicht so wichtig. Im Gegenteil dazu nehmen sie die internationalen Bedrohungen, den Angriff auf die Demokratie und weitere Faktoren stärker wahr.“

Quelle: Hurca,  Pixabay,  Pixabay License

Als das größte Risiko wurde in der Umfrage am häufigsten die Gefahr von Terroranschlägen durch Islamisten in Europa eingestuft. 61 Prozent der Befragten teilten diese Ansicht. Der russische Krieg in der Ukraine wurde von 60 Prozent als größtes Risiko genannt. Friedrichová verweist auf eine Diskrepanz:

„Im Jahr 2024 forderte der islamistische Terrorismus in der EU fünf Todesopfer und 18 Verletzte. Die Tschechische Republik gehörte nicht zu den von diesem Terror betroffenen Ländern. Die Opferzahlen des Krieges in der Ukraine sind unverhältnismäßig höher. Dennoch stellt der Terrorismus für die Tschechen weiterhin die Bedrohung Nummer eins dar, wozu wohl auch die mediale Berichterstattung über einzelne Terroranschläge beiträgt.“

Die Gefahr islamistischer Angriffe in Europa wurde deutlich häufiger von den Wählern der Parteien Ano sowie „Freiheit und direkte Demokratie“ (SPD) erwähnt.

„Für die Wähler der Regierungsparteien ist die Bedrohung durch islamistische Terroristen in Europa weitaus gravierender als beispielsweise der Krieg in der Ukraine. Die Wähler der Opposition sehen das anders. Sie betrachten den Krieg in der Ukraine als die größte Bedrohung für Europa im kommenden Jahr.“

Autoren: Markéta Kachlíková , Kristýna Vašíčková
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