Es soll sich wieder drehen: Ältestes Karussell der Welt wird restauriert

Foto: Martina Schneibergová

Es ist das älteste erhaltene Karussell der Welt und steht im Prager Letná Park gleich gegenüber vom nationalen Technikmuseum. In diesem Jahr soll die technische Sehenswürdigkeit restauriert werden. Um auch die berühmten Pferdefiguren reparieren zu können, hat der Stadtbezirk nun eine Spendensammlung initiiert.

Holzpavillon mit dem Karussell (Foto: Martina Schneibergová)
Für mehrere Generationen von Pragern gehört es zu den Kindheitserinnerungen. Das Orchestrion fing an zu spielen und die Pferde galoppierten rundherum. Sie sahen wie lebendige Märchenrösser aus. Das Karussell in dem Holzpavillon drehte sich bis 2003. Danach kaufte das Nationalmuseum für Technik die technische Sehenswürdigkeit, die jedoch zu der Zeit schon in einem sehr schlechten Zustand war. Das Museum ließ die allernotwendigsten Arbeiten durchführen, um das Karussell zu retten. In Zusammenarbeit mit Kollegen aus dem Ausland begaben sich die Museumsmitarbeiter auf die Suche nach einem vergleichbaren Karussell. Museumsleiter Karel Ksandr:

Karel Ksandr (Foto: Martina Schneibergová)
„In Kooperation mit Denkmalschutzexperten aus Fulda und aus anderen Städten Europas haben wir nachgewiesen, dass es das älteste erhaltene Karussell auf der Welt ist. Es ist eine Rarität. Die Geschichte der Karusselle ist bislang wenig erforscht worden. Ich hoffe, dass sich nicht nur das Interesse für unser Karussell erhöhen wird, sobald wir es restaurieren werden.“

Das Karussell sei 1892 in Betrieb genommen worden, sagt Karel Ksandr:

„Damals ließ Josef Nebeský das Karussell bei der Gaststätte „Na kravíně“ in der damals noch selbständigen Stadt Královské Vinohrady / Königliche Weinberge errichten. 1894 beschloss Josef Nebeský das Karussell nach Prag zu übertragen. Dafür war damals in Prag eine Baubewilligung notwendig. Dank diesem Dokument wissen wir heute genau, wie das Karussell damals ausgesehen hat. Es war nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene bestimmt. Davon zeugt die Größe der Pferde. Ursprünglich gab es neben den Pferden nur Bänke auf dem Karussell, in den 1930er Jahren kamen noch kleine Autos hinzu. Später wurde es durch weitere Artefakte ergänzt. Die Entwicklung des Karussells ist bewundernswert.“

Das Museum möchte das Karussell in diesem Jahr in Stand setzen. Allerdings fehlen die finanziellen Mittel, um auch die Pferde reparieren zu lassen. Durch eben diese 19 Pferde unterscheidet sich das Karussell von anderen Exemplaren. Die tragenden Bestandteile der Pferde sind aus Holz geschnitzt, die Holzkörper wiederum sind mit Stroh umwickelt und mit Pferdeleder bezogen.

Der Bürgermeister des siebten Prager Stadtbezirks, Jan Čižinský, hält es für ein kleines Wunder, das das Karussell überhaupt erhalten geblieben ist. Er hat darum eine Initiative für eine baldige Inbetriebnahme des Karussells ins Leben gerufen, die nun Spenden sammelt:

Jan Čižinský (Foto: Martina Schneibergová)
„Meiner Meinung nach wünscht sich jeder, der mal mit diesem Karussell gefahren ist, dass auch seine Kinder und Enkelkinder es ausprobieren können. Ich bin Optimist und hoffe, dass sich Spender und Sponsoren finden werden und dass sich das Karussell 2015 oder 2016 wieder drehen wird.“

Die Reparatur pro Pferd schlägt mit jeweils 150.000 bis 170.000 Kronen (6.300 Euro) zu Buche. Die Instandsetzung des Holzpavillons wird vom Museum finanziert und kostet 4,5 Millionen Kronen (170.000 Euro).