Europa League: Slavia glücklich, Lehrstunden für Sparta und Liberec

Peter Olayinka (Slavia Prag). Foto: ČTK / Vít Šimánek

Die tschechischen Erstliga-Klubs haben derzeit nur in der Europa League ihre Spielpraxis. Denn ansonsten ruht jeglicher Sport hierzulande. Das dürfte trotzdem nicht der Grund dafür gewesen sein, dass zwei der drei tschechischen Mannschaften eine Lehrstunde erhielten. Immerhin gelang aber Slavia Prag der erste Sieg in dieser Europa-League-Saison.

Peter Bosz (Foto: Swjetlana Beketowa, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Im Stadion von Slavia Prag kam es zum ersten der tschechisch-deutschen Duelle in dieser Europa-League-Saison. Und das verlief für den Gegner Bayer Leverkusen höchst ärgerlich, für den tschechischen Meister aber durchaus glücklich. 1:0 gewann Slavia und machte damit die Auftaktniederlage bei Beer Sheva wett. Leverkusens Trainer Peter Bosz war hingegen ziemlich angefressen nach der Partie:

„Die Niederlage war völlig unnötig. Wenn wir elf Spieler geblieben wären, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass wir das Spiel hier heute verloren hätten.“

Karim Bellarabi (Foto: Fuguito, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Und das war passiert: In der 22. Minute zückte der Schiedsrichter glatt Rot gegen Karim Bellarabi. Der Leverkusener hatte Slavia-Mittelfeldspieler Lukáš Provod beim Aufbau eines Konters stoppen wollen, doch Bellarabi rutschte aus und grätschte letztlich den Gegenspieler um.

Zum Matchwinner wurde danach Peter Olayinka. Der nigerianische Stürmer köpfte in der 80. Minute zum Tor des Tages ein. Slavia-Trainer Pavel Trpišovský hob nach dem Spiel die Leistung des 24-Jährigen hervor:

„Bei seinem Treffer hat er genau die Mentalität gezeigt, die uns ansonsten seit dem Abgang einiger Spieler in dieser Saison fehlt: sich nämlich fürs Team aufzuopfern. Als er den Ball ins Tor beförderte, brach er sich die Nase. Weil Lukáš Masopust aber wegen Krämpfen nicht weitermachen konnte, kehrte Peter Olayinka auf den Platz zurück und übernahm die Position des Rechtsverteidigers. Für mich ist er ganz klar der Held dieser Begegnung.“

Slavia hat mit dem Sieg nun wieder alle Karten in der Hand für das erklärte Saisonziel: den Einzug in die K.o.-Phase der Europa League.

AC Mailand - Sparta Prag (Foto: ČTK / AP Photo / Antonio Calanni)

Das rückt hingegen für Lokalrivalen Sparta Prag immer weiter in die Ferne. Der tschechische Rekordmeister verlor beim AC Mailand mit 0:3 und war damit noch gut bedient. Das musste auch Trainer Václav Kotal eingestehen.

„Für uns war es ein weiteres Aufeinandertreffen mit europäischem Spitzenfußball. Und meine Bewertung ist die gleiche wie nach unserem Heimspiel gegen den OSC Lille: Wenn man auf diesem Niveau mithalten will, darf man einfach nicht solche Fehler machen wie auch heute wieder. Durch unsere schlechte Raumaufteilung bringen wir uns selbst unter Druck. Das ist unser größtes Problem“, so der Übungsleiter.

Im Auftaktspiel hatte Sparta vergangene Woche zu Hause mit 1:4 gegen Lille verloren, das war zum Teil aber die Folge einer roten Karte gegen einen der eigenen Spieler.

Roter Stern Belgrad - Slovan Liberec (Foto: ČTK / AP Photo / Darko Vojinovic)

Eine Lektion wurde am Donnerstag auch Slovan Liberec erteilt. Die Nordböhmen gingen bei Roter Stern Belgrad mit 1:5 unter. Im ersten Spiel hielt Torhüter Filip Nguyen noch seinen Kasten rein, und Liberec / Reichenberg gewann mit 1:0 gegen den KAA Gent. Diesmal konnte der Keeper nur zuschauen, wie es immer wieder hinter ihm einschlug:

„Für meine Vorderleute war das heute die hohe Schule des Fußballs. Wir haben uns wie Schulbuben angestellt. Roter Stern Belgrad hat praktisch jeden Fehler bestraft. Wir haben wohl im ersten Spiel all unser Glück schon aufgebraucht. Aber für uns war es erst das zweite Spiel in der Europa League, da kann man nicht erwarten, dass wir unbedingt punkten. Wir müssen indes unsere Lehren daraus ziehen.“

Mit diesen Worten wies der Torhüter auch darauf hin, dass Slovan Liberec zuletzt vor vier Jahren in der Europa League gespielt hat. Trainer Pavel Hoftych nahm die Niederlage mit Humor. Für das Rückspiel hofft er auf die Hilfe des Wettergottes:

Pavel Hoftych (Foto: Martin Veselý, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

„Natürlich hat uns jedes einzelne Gegentor wehgetan. Aber ich muss auch die Qualität des Gegners anerkennen, der wirklich hervorragenden Fußball spielt. Die Belgrader haben uns wie eine Konservendose geöffnet und verdient gewonnen. Wir werden dann am 10. Dezember sehen, wenn wir sie in Liberec empfangen. Vielleicht fällt ein halber Meter Schnee, und wir tun uns dann leichter.“

Zunächst stehen aber für Liberec die beiden Duelle gegen Hoffenheim an – am kommenden Donnerstag in Sinsheim und Ende November dann zu Hause.

Autoren: Till Janzer , Tomáš Petr , Mirko Vasić , Jan Suchan
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