Expertise: Masaryk begann kein Selbstmord

Jan Masaryk, Foto:CTK

Seit 50 Jahren gilt offiziell, dass der damalige tschechoslowakische Nachkriegsaußenminister Jan Masaryk Selbstmord begangen hat. Am Mittwoch wurde eine Expertise veröffentlicht, die dass Gegenteil behauptet - Masaryk sei ermordet worden. Über die neuesten Ergebnisse in der Causa Masaryk bringt Dagmar Keberlova weitere Einzelheiten.

Jan Masaryk, Foto:CTK
Selbstmord, dass war das schnelle Resultat der Kommunisten nach dem tragischen Tod von Außenminister Masaryk im März 1948, dass bis heute als offizielle Erklärung galt. Die zweite Version der Tragödie war ein Unfall, die dritte Mord. Experten haben aufgrund von Untersuchungen festgestellt, dass Jan Masaryk nicht allein aus dem Fenster gesprungen ist, sondern ermordet wurde. Anhand einem, bisher wenig bekannten Bereich der Biomechanik, kann man feststellen, ob ein Körper freiwillig nach unten springt oder hinausgeworfen wurde. Jiri Strauss ist sich im Falle Jan Masaryk hundertprozentig sicher:

"Wenn ein Mensch springt, führt der Körper bestimmte Bewegungen und Rotationen aus. Die Person springt oder fällt irgendwo hin und landet dabei auf gewissen Teilen des menschlichen Körpers. Wenn der Mensch rausgeschmissen wird, so ist die dabei zurückgelegte Distanz eine andere als wenn er von alleine springt."

Das Amt für Ermittlung und Dokumentation der Verbrechen des Kommunismus, dass die Causa seit 1995 untersucht und die Expertise bei Jiri Strauss bestellt hat, will keine übereilten ziehen, betrachtet diese Expertise aber als eine Schlüsselentdeckung. Der Sprecher des Amtes, Jan Srb, sagte, dass Dokumente des ehemaligen sowjetischen Geheimdienstes den Fall weiter aufklären könnten:

"Der Ermittler erwägt, um rechtliche Hilfe im Ausland anzusuchen. Es würde sich um Russland handeln, aber auch das ist im Moment noch Gegenstand der Ermittlungen und daher kann ich keine grundlegenden Informationen liefern."

Jan Srb fügt gleichzeitig hinzu, dass die Wahrscheinlichkeit einer Aufklärung der Causa sehr gering ist:

"Viele Materialien tauchen in den Archiven überhaupt nicht auf. Eins von diesen war auch diese Expertise. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass es nicht zu einer Strafverfolgung einer konkreten Person führen wird. Ich glaube persönlich, dass man die Person nicht wird identifizieren können. Auch wenn dies auf irgendeine Art und Weise gelingen sollte, wird diese Person nicht mehr unter den Lebenden sein und man wird daher niemanden strafrechtlich verfolgen können."

Jan Masaryk, Foto:CTK
Was vor Masaryks Fall aus dem Fenster passierte, ist bekannt. In seine Wohnung im Czernin-Palais drangen fremde Männer ein und durchsuchten sie. Den Politiker sollen sie dabei physisch und psychisch angegriffen haben. Am Morgen des 10. März 1948 wurde er unter den Fenstern seiner Wohnung tot aufgefunden. Jan Masaryk war Diplomat. Im Jahre 1940 wurde er Mitglied der Exilregierung in London. Im ersten Nachkriegskabinett wurde er Außenminister. Im Februar 1948 schloss er sich der Demission der nicht kommunistischen Minister nicht an. Am Tag nach seinem tragischen Tod sollte er Mitglied der kommunistischen Regierung Gottwalds werden.