Festival Jihlava online: Dokumentarfilme für Zuhause

Foto: Ji.hlava 2020

An diesem Dienstag beginnt das 24. Internationale Dokumentarfilmfestival Jihlava. Wegen der Corona-Pandemie musste es sich aber ins „digitale Asyl“ begeben, wie die Organisatoren sagen. Im Programm wurde aber nicht gekürzt.

Marek Hovorka (Foto: Milan Kopecký, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

„Das diesjährige Festival findet online statt, weil die Kinos weiterhin geschlossen bleiben. Wir haben mehr als 270 Filme ins Internet gestellt“, sagte Festivalleiter Marek Hovorka gegenüber den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks.

Die Zuschauer hierzulande können keine Karten für einzelne Films kaufen. Stattdessen gibt es für 350 Kronen (13 Euro) einen Festivalpass für die gesamte Veranstaltung:

„Jeder, der den Festivalpass kauft, kann sich einen schönen Abend mit einem oder mehreren Streifen machen. Man kann aber auch alle 270 Filme sehen. Wir haben die interessantesten Dokumentarstreifen aus Tschechien und dem Ausland ausgewählt.“

Film „Die neue Schicht“ (Foto: Tschechisches Fernsehen)

Eröffnet wird das Festival mit dem Film „Nová šichta“ (auf Deutsch „Die neue Schicht“) des tschechischen Regisseurs Jiří Andrš. Dazu Marek Hovorka:

„Er schildert die Geschichte des Bergarbeiters Tomáš Hilsem. Dieser startet ein neues Leben, nachdem die Grube geschlossen wird, in der er gearbeitet hat. Hilsem lässt sich zum IT-Spezialisten umschulen. Der Film ist eine Metapher unserer Gesellschaft. Wir alle erleben den Wandel und müssen uns an neue Umstände anpassen. Der Film zeigt, dass das möglich ist, dass man in sich völlig neue Möglichkeiten und Fähigkeiten erschließen kann, von denen man zuvor keine Ahnung hatte.“

Im Rahmen des Festivals werden auch mehrere Filme projiziert, die sich mit der Corona-Pandemie beschäftigen:

„Wir hatten das nicht geplant, und beim Festival gibt es auch keine spezielle Coronavirus-Sektion. Quer durch das Programm lassen sich aber mehrere Streifen finden, die von dem Thema beeinflusst und geprägt sind.“

Dazu gehöre auch der Film „Coronation“ des in Berlin lebenden chinesischen Künstlers Ai Weiwei, sagt Marek Hovorka:

„Ai Weiwei berichtet darin, wie das Leben in Wuhan in den ersten Monaten der Epidemie lief. Er zeigt dies aus der Perspektive der normalen Menschen, die sich in Wuhan mit der Epidemie auseinandersetzen mussten. Ein weiteres Beispiel ist ein Zyklus von Kurzfilmen mehrerer rumänischer Regisseure. Jeder von ihnen hat seinen Beitrag zu Hause gedreht und künstlerisch dargestellt, wie er die Lage bewältigt hat. Außerdem läuft im Hauptwettbewerb ein Film des italienischen Regisseurs Filippo Ticozzi. Er bietet einen essayistischen Blick auf Themen, die ein Lockdown mit sich bringt.“

Das Festival läuft bis 8. November. Die Filme sind nach der Erstausstrahlung sieben Tage lang für die Festivalpass-Inhaber online zugänglich.

Interessierte aus dem Ausland können die meisten Filme des Festivals über das Portal www.DAFilms.com anschauen, wobei der Preis jeweils zwischen zwei und vier Euro liegt. Bis auf wenige Ausnahmen haben alle Filme englische Untertitel.

Autoren: Markéta Kachlíková , Vladimír Kroc
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